Wie entsteht das Medienkonzept und wer ist an seiner Erstellung beteiligt?

Das Medienkonzept integriert die Komponenten Mediencurriculum, Fortbildungsplanung, Ausstattungsplan sowie ergänzende Maßnahmen. Damit die Fortbildungs- und Ausstattungsplanung erarbeitet werden können, sollte das Mediencurriculum zumindest in seinen Grundzügen fixiert sein. Das Gesamtprojekt strukturiert sich deshalb in verschiedene Etappen mit mehreren Beteiligtengruppen. Zur Koordination bietet es sich an, auf Methoden des Projektmanagements zurückzugreifen (z. B. Projektplan mit Verantwortlichkeiten, Meilensteinen, Ressourcen).

Die folgende Grafik veranschaulicht den Weg zum Medienkonzept:

zentrale Fragen

Im Zuge der Erarbeitung des Medienkonzepts findet eine Auseinandersetzung mit den folgenden Fragen des schulischen Qualitätsmanagements statt. Das Medienkonzept dokumentiert die Auseinandersetzung mit den genannten Fragen und macht den Prozess für alle Beteiligten transparent.

Wo stehen wir?

Wo wollen wir hin?

Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?

Haben wir unsere Ziele erreicht?

Sicherstellen breiter Beteiligung

Mit der Einbindung der Medienbildung in die Schulentwicklungsarbeit einer Schule bzw. der Integration ins Schulentwicklungsprogramm wird bereits deutlich, dass der Anspruch, Medienbildung noch stärker in die pädagogische Arbeit einer Schule einzubeziehen, einer kontinuierlichen und transparenten Kommunikation bedarf. Dies insbesondere deshalb, weil die konsequente Umsetzung des Mediencurriculums auch den Unterricht der einzelnen Lehrkräfte betreffen wird. Um auch die geforderte und notwendige Verbindlichkeit zu betonen, erscheint es sinnvoll, das Vorhaben in einer Gesamtkonferenz zu thematisieren und vorzubereiten. Die weitere operative Arbeit kann dann an ein Medienkonzept-Team delegiert werden. Von dort werden die Projektschritte regelmäßig in das Kollegium kommuniziert.

Bei der Präsentation der Medienkonzept-Initiative im Kollegium kann die Schulleitung die im vorliegenden Leitfaden skizzierten Zielsetzungen, die damit verbundenen Aufwände sowie die vorhandenen Unterstützungsangebote darstellen. Gebot der Offenheit ist es, dass die Schulleitung die anfängliche Mehrbelastung durch die Erarbeitung des Medienkonzepts samt Einarbeitungsaufwand in Tools oder Erstellung geeigneter Unterrichtsmaterialien thematisiert, der wiederum die zu erwartenden Kompetenz-, Qualitäts- und Effizienzgewinne gegenüberstehen.

©istockphoto.com/g-stockstudio

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  • Das Kollegium überzeugen

    Zentrale Argumente, mit denen sich die Einführung eines Medienkonzepts begründen lässt, sowie eine einführende Präsentation finden sich im einleitenden Artikel des Leitfadens:

    Medienkonzepte:
    Wozu ein Medienkonzept?

Bildung des Medienkonzept-Teams

Mitglieder

Die Systematisierung der Medienarbeit einer Schule ist eine anspruchsvolle Querschnittsaufgabe, zu deren Bewältigung idealerweise Kolleginnen und Kollegen mit Erfahrungen v. a. in folgenden Bereichen benötigt werden:

  • Medienpädagogik bzw. Mediendidaktik
  • Informationstechnologie
  • innere Schulentwicklung
  • Schulfinanzierung

Den Kern des Medienkonzept-Teams bilden idealerweise:

  • Mitglied der Schulleitung
  • Systembetreuer
  • Lehrkräfte mit Erfahrungen im Bereich Medienbildung oder Schulentwicklung

Die Kernbesetzung des Teams sollte mittelfristig konstant bleiben. Um das Projekt im Kollegium möglichst breit zu verankern, muss das Team prinzipiell aber stets für interessierte Kolleginnen und Kollegen, die den Prozess dauerhaft oder temporär unterstützen wollen, offen sein.

Soweit an der Schule bereits eine Steuergruppe besteht, die den Schulentwicklungsprozess koordiniert, ist eine enge Verzahnung anzustreben. Die Steuergruppe wird in der Regel die Einspeisung der Ergebnisse aus dem Medienkonzept-Team in die Gesamtkonferenz übernehmen und die Verknüpfung mit dem Schulentwicklungsprogramm abstimmen.

Bei kleinen Schulen mit wenigen Lehrkräften bietet es sich an, die Erstellung und Implementierung eines Medienkonzepts auf Ebene des Schulverbundes oder von regionalen Zusammenschlüssen zu koordinieren.
Es empfiehlt sich, bei allen Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Ausstattung der Schule haben, den Sachaufwandsträger bereits in der Planungsphase mit einzubeziehen.

Die folgende Grafik veranschaulicht die am Medienkonzept beteiligten Akteure an der Schule:

Aufgaben des Teams

  • Planung, Steuerung, Dokumentation und Reflexion des Gesamtprozesses
  • Organisation der Arbeitsprozesse im Kollegium und Begleitung entsprechender Arbeitsgruppen (z. B. bei der Erstellung von Modulen für das schuleigene Medienkonzept)
  • Durchsetzung der Einhaltung von Vorgaben oder Terminen
  • Organisation von Fortbildungen, Pädagogischen Tagen und Konferenzen
  • Vorbereitung, Organisation, Auswertung von Evaluationen
  • Information aller Beteiligten bzw. Betroffenen
  • Anregung und Aufnahme von Feedback
©istockphoto.com/g-stockstudio

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Aufgabenverteilung

Die zentralen Aufgaben des Teams sind die Erarbeitung des Medienkonzepts sowie die Begleitung des Prozesses. Innerhalb des Teams sollten die anfallenden Aufgaben gemäß der Qualifikation und den Interessen der Teammitglieder verteilt werden.

Merkmale guter Teams

Zielfokussierung (ausgehend vom Auftrag)

dynamische und synergetische Interaktion innerhalb des Teams (Ideenschmiede - selbst bei Kontroversen)

Passung von Aufgaben und Strukturen (für effizienten Ressourceneinsatz)

vertrauensvolles Gruppenklima (Offenheit, Anerkennung, Unterstützung)

komplementäre Stärkenergänzung (Kreative, Analytiker, Moderatoren, Sprecher)

Als Idealgröße für ein konstruktives Miteinander unter den genannten Indikatoren gilt eine Mitgliederzahl zwischen fünf und sieben.

Links

Erhebung der Ausgangssituation

Die Erhebung der Ausgangssituation verschafft eine solide Datenbasis für die Ziel- und Maßnahmenplanung zum Medienkonzept. Die konkrete Erarbeitung von Mediencurriculum, Fortbildungs- und Ausstattungsplan auf Grundlage der Analyseergebnisse vermittelt das Kapitel „Aufbau des Medienkonzepts“ dieses Leitfadens.

Die Untersuchung der Ausgangssituation sollte gemeinsam im Kollegium durchgeführt werden, wobei die gewählten Methoden auf die Bedingungen an der Schule abgestimmt sein sollten. Um die Anfangsmotivation bei der Erstellung des Medienkonzepts nicht zu schmälern, muss es Ziel der Bestandsaufnahme sein, sowohl Erfolge/Positives herauszustellen als auch auf Potenziale und Problembereiche einzugehen.

Eine Beteiligung von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern an der Bestandsaufnahme – üblicherweise in Form von Fragebögen – kann für alle Seiten den Blick auf Medienbildung an der Schule weiten und zusätzliche Analysemöglichkeiten eröffnen.

Vorlagen für die Erfassung der Ausgangssituation im Unterricht, bei der Qualifikation im Kollegium sowie der schulischen Ausstattung sind über die nebenstehenden Links abrufbar. Weiter unten im Abschnitt „Sicherung der Nachhaltigkeit durch Evaluation“ finden sich Formulierungsbeispiele für Items im Rahmen einer Befragung.

©istockphoto.com/Rawpixel

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Nutzung der internen Evaluation

Manche Schulen verfügen bereits über umfassende Instrumente der Qualitätskontrolle, die sie im Rahmen der internen Evaluation einsetzen. Diese erfassen in der Regel ausgewählte Ausschnitte der Schulwirklichkeit und kontrastieren sie ggf. mit dem Sollzustand. Soweit nicht schon explizit darin enthalten und als Analysebasis verwendbar, können die Aspekte zur Medienbildung an der Schule in den vorhandenen Befragungen ergänzt werden. Die dauerhafte Aufnahme entsprechender Items für die kontinuierliche Evaluation des Medienkonzepts wird weiter unten im Abschnitt "Sicherung der Nachhaltigkeit durch Evaluation" thematisiert. Die Diagnose der Ist-Situation sollte Thema einer Pädagogischen Konferenz sein.

Hinweise zur Durchführung der internen Evaluation finden sich hier:

Vorlagen

Zielfindung und Maßnahmenplanung

Die Qualitätsziele im Bereich der Medienarbeit, die sich jede Schule setzt, orientieren sich an

  • den bildungspolitischen Leitlinien für die Medienbildung bzw. für die Weiterentwicklung der Schul- und Bildungslandschaft,
  • den schulspezifischen, profilgebenden Entwicklungszielen, die sich die Schule selbst setzt, sowie
  • den Qualitätsanforderungen und ggf. Ergebnissen der internen und externen Evaluation.

Im Spannungsfeld von individueller Schwerpunktsetzung und den insbesondere im Qualitätsrahmen zur Medienbildung definierten Standards formuliert die Schule ihre Ziele. Diese stimmt sie mit allen Betroffenen ab und verankert eine Kernaussage zur Medienbildung im Schulentwicklungsprogramm.

Schon bei der Klärung der Ziele sind Indikatoren, die die Überprüfung der Zielerreichung ermöglichen, und geeignete Instrumente für die spätere Evaluation mit zu bedenken. Hilfestellung bei der Formulierung der Ziele geben die sogenannten SMART-Kriterien.

Das Medienkonzept sieht folgende Komponenten vor, deren Wirksamkeit sich empirisch belegen lässt und die sich in der schulischen Praxis bewährt haben:

  • Erstellung eines fächerübergreifenden Mediencurriculums, das allen Lernenden die Möglichkeit bietet, schrittweise Medienkompetenz zu erwerben
  • Systematisierung der schulinternen Fortbildungsplanung im Bereich der Medienbildung
  • Optimierung der Medienausstattung und Schaffung von Rahmenbedingungen, die gelingendes digitales Lehren und Lernen unterstützen
  • fakultative Maßnahmen (meist außerhalb des Fachunterrichts), z. B. die Etablierung von Medientutorenprogrammen

Abschließend erfolgt stets eine Feinplanung der einzelnen Arbeitsschritte zur Realisierung der verschiedenen Maßnahmen. Die spezifische Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen ist dabei abhängig von Schulart, -größe und anderen Voraussetzungen. Beispielsweise erfordert die ausgeprägte Heterogenität bei den Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen eine stärkere Individualisierung des Mediencurriculums sowie die Entwicklung behindertenspezifischer Lösungen zur Verwirklichung von Medienbildung.

Gerade bei Planung und Durchführung größerer Vorhaben können sich die aus dem Projektmanagement bekannten Instrumente eines Struktur- und Ablaufplanes als nützlich erweisen. Sie helfen bei der Berücksichtigung der für die Maßnahmenplanung relevanten Aspekte nach dem Leitsatz „Wer, was, mit wem, bis wann?“, also vor allem

  • Definition der Einzelschritte,
  • Terminierung der (Teil-)Maßnahmen,
  • Festlegung von Meilensteinen,
  • Zuordnung von Verantwortlichen,
  • Verteilung der (finanziellen) Ressourcen,
  • Abschätzung von Risiken.

Links

Leitlinien der KMBek zur Medienbildung

"Schule hat sich in allen Jahrgangsstufen und Schularten um Medienbildung zu bemühen, die alle Medienarten berücksichtigt.
(…) Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, Medien zu privaten und beruflichen Zwecken verantwortungsvoll und effizient einzusetzen. Sie sollen Mediennutzung und -einsatz in Hinsicht auf ihre individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse dosieren und steuern können.
(…) Im Mittelpunkt der informationstechnischen Bildung, die eine wichtige Säule der Medienbildung darstellt, steht die zeitgemäße Erziehung zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den IuK-Techniken, insbesondere dem Computer, computerbasierten Medien und Netzwerken. Mit einem anwendungsorientierten Ansatz sollen die Kinder und Jugendlichen Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, die sie befähigen, die IuK-Techniken selbstständig, kreativ und wohldosiert als Arbeits- und Lernwerkzeuge einzusetzen."

SMART-Kriterien

  • Hilfestellung bei der Formulierung überprüfbarer Qualitätsziele
  • Spezifisch/konkret: Welcher Begriff ist der zentrale Begriff des Zieles? Ist der Begriff für alle eindeutig definiert? Was würde sich konkret verändern? Ist das Ziel in der Gegenwartsform formuliert, so als ob Sie es schon erreicht hätten?

    Messbar: Woran können die Beteiligten erkennen, dass sie ihr Ziel erreicht haben? Ab welchem definierten Zustand ist das Ziel erreicht?

    Attraktiv: Ist das Ziel positiv formuliert? Ist für alle Beteiligten der Nutzen erkennbar?

    Realisierbar: Welche Ressourcen sind notwendig, um das Ziel zu erreichen? Sind alle Ressourcen zum benötigten Zeitpunkt vorhanden? Wie haben Sie das Ziel auf die anderen Ziele abgestimmt (kein Zielkonflikt)?

    Terminiert: Zu welchem festgelegten Zeitpunkt soll das Ziel erreicht werden?

Links

Sicherung der Nachhaltigkeit durch Evaluation

Wie jeder Entwicklungsschwerpunkt einer Schule sollte auch die Umsetzung und Fortschreibung des Medienkonzepts in eine Evaluation eingebettet sein. Nur mittels Evaluation lässt sich solide überprüfen, ob die bisher durchgeführten Maßnahmen (z. B. die schulinterne Fortbildungsplanung oder der Ausstattungsplan) geeignet sind, die selbst gesteckten Qualitätsziele zu erreichen. Die Nachhaltigkeit wird letztlich jedoch nicht durch die Evaluation selbst, sondern durch die aus ihren Ergebnissen abgeleiteten Schlussfolgerungen erreicht.

Bei der Evaluation werden die für die Erreichung der Ziele definierten Indikatoren hinsichtlich ihres Erfüllungsgrads zum anvisierten Zeitpunkt kontrolliert. Im Fall der Medienbildung soll die Evaluation Daten liefern, die die Veränderung der Unterrichtsqualität bzw. von Ausgangsbedingungen auf Seiten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften aufzeigen. In Abhängigkeit vom Ergebnis der Evaluation werden die Maßnahmen weiterverfolgt oder korrigiert, sofern das Ziel noch nicht vollständig erreicht wurde.
Für die Qualitätssicherung der schulischen Medienarbeit können prinzipiell dieselben Instrumente herangezogen werden, die im Rahmen der üblichen Qualitätsentwicklung zum Einsatz kommen (Schwerpunkt auf Fragebogenerhebungen sowie der Analyse von Statistiken zum Medieneinsatz und zur Ausstattung).

©istockphoto.com/wakila

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