Mediencurriculum

Das Mediencurriculum (MC) ist der zentrale Baustein jedes Medienkonzeptes und orientiert sich am unten beschriebenen Kompetenzrahmen für Medienbildung an bayerischen Schulen. Das Mediencurriculum ist damit Grundlage einer nachhaltigen Medienentwicklung und spiegelt die systematisch und schrittweise erfolgte Kompetenzentwicklung.

Funktion eines Mediencurriculums

Medienbildung ist in den Lehrplänen aller Schularten und Jahrgangsstufen verbindlich berücksichtigt. Die Beschäftigung mit Medien ist eine übergreifende, integrative Bildungs- und Erziehungsaufgabe, bei der alle Fächer einen Beitrag leisten. Als Stellschraube zwischen Lehrplan, Unterrichtspraxis, Lehrerprofessionalität, Schulausstattung und Lebenswirklichkeit hat das Mediencurriculum folgende Funktionen:

  • Es fokussiert die im Lehrplan dokumentierten Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Medien erwerben sollen, und unterstützt die Lehrkraft bei deren systematischen Aufbau sowie der verbindlichen Zuordnung der fach- und jahrgangsspezifisch zu erwerbenden Kompetenzen.
  • Es gewährleistet, dass alle Schülerinnen und Schüler das fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziel einer umfassenden Medienkompetenz erreichen. Förderschulen können der individuellen Lernausgangslage durch lernzieldifferentes Unterrichten Rechnung tragen.
  • Es ermöglicht die Integration bereits bestehender schulinterner Konzepte (z. B. Beschulung von Asylbewerbern und Flüchtlingen, Inklusion, MINT-Maßnahmen, Lernen lernen, KESCH, Methodencurriculum) und die Vernetzung von schulischen und außerschulischen Angeboten.
  • Es schafft einen Orientierungsrahmen für die Medienbildung an der Schule bei gleichzeitiger Transparenz und Verlässlichkeit für alle.
  • Es ermöglicht Kompetenzentwicklung, da Lehrkräfte gezielt auf bereits vorhandene Kompetenzen aufbauen können.
  • Es erleichtert die Unterrichtsvorbereitung durch den Verweis auf Methoden und Materialien.
  • Es dient der Qualitätsentwicklung von Unterricht, da konkrete Angaben zu Kompetenzerwartungen formuliert werden und flankierende Unterrichtsmodule bereitstehen.

Das Mediencurriculum als Extrakt und schulspezifische Konkretisierung des Lehrplans

Die spezifische Ausgestaltung des schuleigenen Mediencurriculums ist abhängig von der Schulart, -größe und anderen standortspezifischen Rahmenbedingungen, wie z. B. der Schülerschaft oder dem Schulumfeld. Vor dem Hintergrund schulischer Besonderheiten und interner Festlegungen können im schuleigenen Mediencurriculum Schwerpunktsetzungen der schulischen Medienarbeit samt der verbindlichen Verankerung der damit einhergehenden Unterrichtsgestaltung in den einzelnen Fächern vorgenommen werden. Als schulspezifische Konkretisierung des Lehrplans lässt sich das schuleigene Mediencurriculum zudem schnell und flexibel im Hinblick auf neue Anforderungen der digitalen Welt anpassen.

Ein hochwertiges MC zeichnet sich aus durch:

  • die Anpassung an schulspezifische Zielsetzungen,
  • die Orientierung am Kompetenzrahmen für Medienbildung,
  • die Anbindung an den Lehrplan,
  • fachspezifische und kompetenzorientierte Konkretisierungen,
  • fachübergreifende Schwerpunkte,
  • die Beteiligung aller Fächer,
  • einen schrittweisen, systematischen Aufbau über Schuljahre hinweg,
  • die Integration der grundlegenden informationstechnischen Fähigkeiten bzw. Arbeitstechniken und -methoden, die Voraussetzung zum Erwerb von Medienkompetenz sind,
  • Abgestimmtheit und eine schulinterne Verbindlichkeit (z. B. Nachweis durch Portfolio, medienkompetenzorientierte Aufgaben bei Leistungsnachweisen),
  • eine Dokumentation des Produkts und Transparenz,
  • eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

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Der Kompetenzrahmen zur Medienbildung – Ausgangspunkt für das schuleigene MC

Der Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen ist der Ausgangspunkt und die Grundlage für die Erstellung und Ausarbeitung des schuleigenen Mediencurriculums. Er umfasst die wesentlichen Qualifikationen im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien sowie den aktuellen Anforderungen der digitalen Welt, die Kinder und Jugendliche an bayerischen Schulen erwerben sollen. Die fünf Kompetenzbereiche

  • Basiskompetenzen,
  • Suchen und Verarbeiten,
  • Kommunizieren und Kooperieren,
  • Produzieren und Präsentieren,
  • Analysieren und Reflektieren,

werden in jeweils vier weitere Teilkompetenzen konkretisiert und beschreiben in verdichteter Form schulart-, fächer- und jahrgangsübergreifend Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Kinder und Jugendliche im Kontext der Medienbildung in ihrer Schullaufbahn erwerben sollen. An den Förderschulen sind – je nach individueller Lernausgangslage und Förderschwerpunkt – entwicklungsbezogene Aspekte der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen.

Inwieweit die aufgeführten Kompetenzerwartungen der Medienbildung inhaltlich mit den Anforderungen der gültigen Fachlehrpläne des LehrplanPLUS verknüpft sind, veranschaulicht der Medienkompetenz-Navigator. Dieser soll Schulen als Grundlage für die Ausgestaltung des schuleigenen Mediencurriculums dienen.

Erstellung und Ausarbeitung des schuleigenen MC

Leitlinie beim Entwurf des Mediencurriculums bilden die für das Medienkonzept definierten (und mit dem Schulentwicklungsprogramm verbundenen) Zielsetzungen der Schule. Sie bilden die Grundlage für die Vereinbarung von Standards beim Medienkompetenzerwerb sowie die Festlegung individueller schulischer Schwerpunkte. Ausführliche Hinweise zur Zielfindung bietet der gleichnamige Abschnitt im Leitfadenbeitrag „Wie entsteht das Medienkonzept und wer ist an seiner Erstellung beteiligt?“.

Die Erstellung eines Mediencurriculums ist ein dynamischer Prozess, in den das gesamte Kollegium eingebunden werden sollte. Der Austausch und die Reflexion über die intendierten bzw. festgelegten Kompetenzerwartungen, z. B. im Rahmen von Fachkonferenzen, Stufenteams oder eines Pädagogischen Tages, tragen zur weitergehenden Schärfung der Formulierungen bei und führen so die Ausarbeitung des Mediencurriculums fort. Zugleich tragen die gemeinsamen Gespräche zur Erhöhung der Akzeptanz im Kollegium bei und sichern deren nachhaltige Umsetzung im tagtäglichen Unterricht. Orientierung für alle Lehrkräfte schafft die Zuordnung der zu erwerbenden Kompetenzen zu Jahrgangsstufen und Fächern im Mediencurriculum sowie die Festlegung auf Themen bzw. Unterrichtsmodule.

Insbesondere für kleinere Grund- und Mittelschulen, Schulen mit mehreren Standorten oder Schulverbünde kann es sinnvoll sein, lokale bzw. regionale Vernetzungen und Strukturen zu nutzen und bei der Erstellung und Ausarbeitung des Mediencurriculums und Medienkonzepts zu kooperieren. Netzwerke können zudem im Rahmen der flankierenden Regionalen Fortbildungen zur Einführung des Medienkonzepts gebildet werden. Im Bereich der Grund- und Mittelschulen kann dabei auch die Schulaufsicht eine koordinierende Rolle übernehmen. Dieses Vorgehen ermöglicht eine effiziente Arbeitsteilung und wirkt damit ressourcenschonend.
Für die Erstellung und Ausarbeitung des schuleigenen Mediencurriculums können folgende Leitfragen dienen:

  • Welche schulspezifischen Ziele und Konzepte integrieren wir?
  • Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen wir?
  • Welche kompetenzorientierten Konkretisierungen nehmen wir vor?
  • Welche Fachzuordnungen legen wir fest?
  • Welche fächerverbindenden und fachübergreifenden Angebote integrieren wir?
  • Mit welchen Medien, Methoden und Arbeitstechniken erreichen wir unsere Zielsetzungen?
  • Wie binden wir bestehende Unterrichtskonzepte ein?
  • Welche Unterrichtskonzepte müssen wir neu entwickeln?
  • Welche Formen der Bewertung von Schülerleistungen setzen wir ein (z. B. einheitlicher Kriterienkatalog für Präsentationen)?
  • Wie stellen wir eine schulinterne Verbindlichkeit her?

Die Ergebnisse des Medienkompetenz-Navigators (siehe unten) dienen als Orientierungshilfe, um zunächst in den Fachkonferenzen oder Stufenteams Klarheit darüber zu schaffen, welche Teilkompetenzen der Medienbildung und Unterrichtsinhalte bereits im regulären Fachunterricht der Schule behandelt werden. Darauf aufbauend können arbeitsteilig weitere Ausarbeitungen in Form von Schwerpunktsetzungen, Vertiefungen und Ergänzungen vorgenommen werden und z. B. Fächer definiert werden, die einen Großteil der diesbezüglichen Kompetenz- oder Teilkompetenzvermittlung übernehmen. Zudem ist festzulegen, welche Medien, Methoden und Arbeitstechniken in das schuleigene Mediencurriculum integriert werden sollen und wie eine schulinterne Verbindlichkeit gewährleistet werden kann.

Der Medienkompetenz-Navigator - Orientierung auf dem Weg zum schuleigenen MC

Nutzer können sich innerhalb des Medienkompetenz-Navigators schulartspezifisch für jede (Teil-)Kompetenz der Medienbildung die Anzahl sowie die Konkretisierung der Treffer passender Bezugsstellen im LehrplanPLUS anzeigen lassen. Zudem besteht die Möglichkeit, gezielt nach Medienkompetenzbezügen im Fach/in Fächern, Ausbildungsrichtung(en), Jahrgangsstufe(n) sowie diversen Gegenstandsbereichen der Medienbildung (z. B. Algorithmen und Prozesse oder Social Media) zu suchen. Auf die konkreten Fundstellen im LehrplanPLUS wird jeweils per Link verwiesen. Das Rechercheresultat im Medienkompetenz-Navigator kann des Weiteren spezifiziert werden, indem nur Ergebnisse mit verknüpften Unterrichtsbeispielen angezeigt werden. Exemplarisch wird auf Unterrichtsmaterialien und -beispiele verwiesen, die den jeweiligen Kompetenzerwerb unterstützen und Lehrkräften Anregungen und Hinweise zur praktischen Umsetzung geben. Dabei wird vor allem auf bewährte Unterrichtsbeispiele der Referenzschulen für Medienbildung und auf teachSHARE-Kurse in mebis sowie auf Module des Medienführerschein Bayerns zurückgegriffen. Diese sind als Unterstützungsangebot und Ideenpool und nicht als verbindliche Vorgabe gedacht und können bei Bedarf von den Schulen zur gezielten Medienkompetenzförderung herangezogen werden.
Die Ergebnisse des Medienkompetenz-Navigators liefern Schulen somit eine wichtige Grundlage für die Erstellung und Ausarbeitung des schuleigenen Mediencurriculums. Als weitere Anregung werden schulartspezifische Beispielcurricula zur Verfügung gestellt, die von den Schulen als Orientierung und Vorlage genutzt werden können.

Aufbau eines Materialpools zum Medienkompetenzerwerb

Neben der Einbindung von unterstützenden Umsetzungsbeispielen aus dem Medienkompetenz-Navigator ist es sinnvoll, in den Fachkonferenzen oder Stufenteams bereits vorhandene und bewährte Unterrichtsmaterialien in einem Materialpool zu sammeln und mit dem Medienkompetenzerwerb zu verknüpfen, z. B. standardisierte Bewertungskriterien für Präsentationen.
Ziel sollte es sein, dass die Lehrkräfte der Schule in ihrem Unterricht auf den Festlegungen im Mediencurriculum aufbauen können. Dies stellt nicht nur eine Entlastung für die einzelne Lehrkraft dar, sondern ist auch notwendig, um die erworbenen Medienkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern kontinuierlich zu fördern und zu festigen.

©istock.com/Waxwaxwax

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Organisation, Steuerung und Dokumentation des MC-Erstellungsprozesses

Die verbindlichen Absprachen der Fachkonferenzen oder Stufenteams über die unterrichtliche Vermittlung der Medien(teil)kompetenzen und die zu verwendenden Lehr- und Lernmittel werden abschließend zusammengeführt, in das schuleigene Mediencurriculum übernommen und für alle transparent dokumentiert. Um Doppelungen und Missverständnisse bei der Integration der Medienbildung in das schulische Mediencurriculum zu vermeiden, sollte zur Organisation und Steuerung des MC-Erstellungsprozesses das Medienkonzept-Team herangezogen werden (vgl. Abschnitt „Bildung des Medienkonzept-Teams“ im Kapitel zur Schulentwicklung).

Die folgende Grafik fasst den Erstellungsprozess des schulischen Mediencurriculums zusammen:

Videoclip zum Zusammenspiel von Mediencurriculum und Medienkompetenz-Navigator

  • Stand
  • 1. Oktober 2017