brauchwiki macht Schule

Das brauchwiki ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Medienlabor und dem Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Augsburg. Projektpartner sind der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. und der Bayerische Rundfunk. Die Webseiten ermöglichen es nicht nur, sich über Bräuche (Feste und Events) zu informieren, sondern auch interaktiv am Projekt teilzunehmen, indem man in Form von Wikiartikeln das Brauchhandeln vor Ort dokumentiert. Wikis können ganz einfach online editiert werden. Um Artikel gestalten zu können, benötigt man lediglich einen Computer mit Internetanschluss.

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Einsatz des brauchwiki im Seminarbetrieb an der Universität Augsburg

Seit mehreren Semestern findet das brauchwiki Verwendung in E-Learning-Seminaren an der Universität Augsburg. Studentinnen und Studenten der Europäischen Ethnologie/Volkskunde, des Studiengangs Medien und Kommunikation sowie Lehramtsstudierende nutzen die Webseiten für Arbeitsaufträge im Seminarbetrieb. Darüber hinaus verfassen sie mit Hilfe des brauchwikis ihre Semesterabschlussarbeiten. Die Webseiten unterstützen hier vor allem das Forschende Lernen und das wissenschaftliche Arbeiten. Dies geschieht dadurch, dass sich Studentinnen bzw. Studenten mit Themenbereichen aus der Europäischen Ethnologie/ Volkskunde auseinandersetzen und dadurch auch wissenschaftliche Methoden wie Beobachtungen im Feld sowie qualitative Interviews für die Aufarbeitung der Informationen ihres Artikels anwenden. So können Studierende Feldforschungsergebnisse ohne große technische Hürden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Durch die Gestaltung von Texten, die mit Bildern, Audio- und Videodateien versehen werden, lernen die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer auch einen verantwortungsbewussten und kritischen Umgang mit Medien, da sie sich z.B. mit Urheberrechtsfragen auseinandersetzen müssen. Hinzu kommt, dass die Arbeit im brauchwiki durch die direkte Veröffentlichungsmöglichkeit im Internet motivationale Anreize bietet. Die Arbeit der Studentinnen und Studenten ist auf Projektorientierung ausgelegt, d.h. dass sie sich gegenseitig unterstützen und beraten. Die Studierenden erhalten somit nicht nur von der Dozentin oder vom Dozenten eine direktes Feedback auf ihre Arbeit, sondern auch von den Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Das Projekt in der Schule - Projektarbeit/ Projektpräsentation

Die positiven Aspekte des Projekts werden seit dem Schuljahr 2012/13 auch an schwäbischen Realschulen genutzt, indem das brauchwiki nun in der Projektarbeit/ Projektpräsentation in der neunten Jahrgangsstufe eingesetzt wird. Die Projektarbeit/ Projektpräsentation wurde an der Realschule in Bayern zum Schuljahr 2011/12 als verpflichtender Bestandteil des Curriculums in der neunten Jahrgangsstufe eingeführt. In diesem Zusammenhang sehen es die kultusministeriellen Vorgaben vor, dass die Schülerinnen und Schülern dafür einen Zeitrahmen von mindestens vier Wochen bis hin zur drei Monaten erhalten sollen [1]. Neben der Recherche und Aufarbeitung von Informationen trainieren die Lernenden hier auch gezielt bestimmte Methoden „wie z.B. Referieren, Visualisieren, Präsentieren“ [2] im Rahmen einer Thematik, die mindestens drei Fächer miteinander verbindet. Durch die aktive Beteiligung erfahren Schülerinnen und Schüler bisher ungeahnte Freiräume. Dabei verändert sich auch die Rolle der Lehrkraft, die nun verstärkt als Coach sowie Lernberater tätig sein muss und durch Zwischenbeurteilungen Hilfestellungen erteilt, „um die Schüler individuell begleiten und möglichst intensiv fördern zu können“ [3].

Lehrerwiki

Die Lehrkräfte sehen sich an den jeweiligen Realschulen nun mit der Herausforderung konfrontiert, didaktische Konzepte zu entwickeln, die diese Anforderungen erfüllen. Dies kann nur erfolgreich geschehen, wenn nicht nur Lernende, sondern auch Lehrkräfte im Team zusammenarbeiten. Eine Kooperation der Lehrerinnen und Lehrer erscheint daher für die Planung, Durchführung und Evaluation derartiger Vorhaben essentiell. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, steht den Lehrkräften beim Schulversuch „brauchwiki macht Schule“ an den Projektschulen ein passwortgeschütztes Lehrerwiki, das auf dem brauchwiki aufbaut, zur Verfügung, um ihre didaktischen Planungen anzustoßen und umzusetzen. Auf diesen Webseiten, auf die nur die Projektlehrkräfte Zugriff haben, diskutieren die Nutzerinnen und Nutzer die im Unterricht eingesetzten Themen, die Rahmenaufgaben, die Zeitpläne sowie die konkreten Umsetzungsschritte. Dieses Wiki dient hier somit als Tool im Wissensmanagement dazu, die einzelnen Projektschritte zu dokumentieren und für die Projektlehrerinnen und Projektlehrer online verfügbar zu machen. Zudem fungiert das Lehrerwiki als Instrument, um Unterrichtsveränderungen zu dokumentieren und den didaktischen Diskurs untereinander zu fördern. Dadurch soll nicht zuletzt über den Einsatz des Wikis ein Prozess der Kooperation bzw. Kollaboration angestoßen werden.

Schülerwiki

  • In der aktiven Phase der Projektarbeit nutzen die Lernenden dann eine weitere passwortgeschützte Version des brauchwikis. In diesem Zusammenhang dokumentieren die Schülerinnen und Schüler das eigene sowie das vor Ort oder im Internet recherchierte Brauchhandeln. Das Wiki dient in diesem Rahmen zunächst einmal als technisches Hilfsmittel, um die eigenen Rechercheergebnisse kollaborativ im Internet zu erstellen und zu überarbeiten. Es ermöglicht hierbei fächerverbindendes Lernen, indem es Themen aus dem Alltag der Jugendlichen aufgreift. Gleichzeitig kann das Wiki auch einen Impuls darstellen, Unterricht (in diesem speziellen Fall die Projektarbeit/Projektpräsentation) zu verändern.

Ausblick

Das Schulprojekt ist auf zwei Schuljahre ausgelegt. Durch die Einbindung des Themenfeldes in ein didaktisches Konzept innerhalb des Lehrplans entsteht so aus medienpädagogischer Sicht die Möglichkeit, den Einsatz neuer Medien in der schulischen Lehre projektbezogen zu analysieren und wissenschaftlich nutzbar zu machen.

Sowohl der Einsatz des brauchwikis in der universitären Lehre als auch im Unterricht an Schulen bringt viele Vorteile hervor. Lehrende erhalten einen Überblick über die Aktivitäten der Lernenden. Feedbackprozesse können so erleichtert werden. Darüber hinaus können Lehrende Lernende online begleiten und hilfreich eingreifen.

Zentrale Lernfaktoren auf Seiten der Studierenden bzw. Schülerinnen und Schüler sind dann:

  • Sensibilisierung für Peer-Feedback (sowohl beim Erteilen als auch Erhalten des Feedbacks)
  • Nachvollziehen von Veröffentlichungsmechanismen im Web 2.0
  • Forschendes Lernen unterstützen und Brauchforschung im Web 2.0 betreiben

Literatur

  • Jordan, M. (2012):
    brauchwiki – Bräuche online dokumentieren. Deutschunterricht, 4, 45-49.
  • Jordan, M. (2012):
    brauchwiki goes school. Ein fächerverbindendes Unterrichtsprojekt. In: J. Pauschenwein (Hrsg.): E-Didaktik – Lernen in virtuellen sozialen Räumen. Tagungsband zum 11. eLearning Tag der FH JOANNEUM am 19.9.2012 (S.56-63). Graz: ZML – Innovative Lernszenarien (FH JOANNEUM). http://www.fh-joanneum.at/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaahatjr&download=1 (24.04.2015)
  • Jordan, M. (2011):
    Wiki und die Bräuche von heute im (Deutsch-)Unterricht. Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik, 14, 1-9.
  • Pfab, G. (2008):
    Projektarbeit. Projektpräsentation. Projektarbeit und Projektpräsentation in Unterricht und Schule. München: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung.http://www.isb.bayern.de/download/1749/online-fassung_08-10-22.pdf (24.04.2015)

Zum Autor

StR (RS) Michael Jordan ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien und Bildungstechnologie (imb) der Universität Augsburg.

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  • Stand
  • 26. März 2015