Ist WhatsApp das neue Facebook?

Medienpädagogische Veröffentlichungen der letzten Jahre untersuchten regelmäßig die verschiedenen Facetten der Nutzung Sozialer Netzwerke bei Jugendlichen. Im Vordergrund standen bei diesen Veröffentlichung zumeist Gefahren wie leichtfertiger Umgang mit Privatem, Cybermobbing, der extrem hohe Zeitaufwand[1] o. ä., aber es wurde auch auf die Möglichkeiten zur Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben [2] eingegangen. Untersuchungen bezogen sich dabei auf die bisher meistgenutzten Plattformen. Bis 2010 war SchülerVZ Spitzenreiter vor Facebook [3], bald hatte Facebook den VZ-Communities den Rang abgelaufen. Seitdem ist Facebook das dominierende soziale Netzwerk.

©istock.com/scyther5

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Anmerkungen

  • [1] Alexander Klier:
    Zeit für Soziale Netzwerke.
  • [2] Maraike Schemmerling, Peter Gerlicher und Niels Brüggen:
    „Ein Like geht immer...“. Studienergebnisse zur Identitätsarbeit in Sozialen Netzwerken.
  • [3] Jim-Studie 2014

Wandel in der Nutzung sozialer Netzwerke bei Jugendlichen

Jedoch sind die Nutzerzahlen und vor allem die Neuanmeldungen hier seit 2013 rückläufig.[4] Gerade die Jüngeren melden sich gar nicht mehr bei Facebook an, wie die Bitkom-Studie[5] 2014 zeigt. Die „Generation Facebook[6]“ scheint in den kommenden Jahren beendet zu sein. „Da es unwahrscheinlich ist, dass sich das Kommunikationsbedürfnis der Jugendlichen innerhalb eines Jahres grundlegend verändert hat, scheint es plausibel, dass sich inzwischen ein anderer, attraktiverer Kommunikationsweg etabliert hat. Diese Funktionen hat inzwischen das Smartphone mit WhatsApp übernommen“[7], so die JIM Studie schon 2014.
Doch wo genau liegen die Veränderungen im Nutzungsverhalten Jugendlicher? Der noch-Spitzenreiter Facebook ist ein Alleskönner.
Die Startseite von Facebook ist der so genannte „Newsfeed“. Dort reihen sich chronologisch all jene Inhalte untereinander, die Nutzer aus dem persönlichen Netzwerk einstellen (sog. “posten“), kommentieren oder „liken“. Je nach Größe des persönlichen Netzwerkes, also abhängig davon, wie viele virtuelle Freunde ein Nutzer hat, erneuern sich diese Inhalte (sog. Content) sehr rasch.
Seit kürzerer Zeit scheint sich nun unter Jugendlichen der Trend abzuzeichnen, dass für alle jene Funktionen, die man bisher zentral über Facebook nutzte, eine einzelne App verwendet wird.
Grund dafür ist womöglich, dass die Menge an Inhalten, die über Facebook geteilt werden, für den Nutzer inzwischen zu unübersichtlich geworden ist. Eine Unterteilung der Funktionen in verschiedene Apps ermöglicht es den Überblick zu behalten, und Informationen leichter zu strukturieren.[8]
Mit diesem Trendwechsel müssen sich nun auch die Medienpädagogen befassen. Bisher fehlen jedoch größere, repräsentative Studien zum WhatsApp Nutzungsverhalten Jugendlicher. In dieser Arbeit soll daher ein erster Schritt im Rahmen einer Einzelfall-Studie getan werden. Die Ergebnisse sollen dabei Anstöße zu umfassenderen Studien geben.

Alleskönner Facebook:

Man kann auf Facebook sein eigenes Profil erstellen und dieses mit Inhalten zu füllen, wie Fotos, Videos oder Daten der eigenen Vita. Man kann gezielt nach anderen Nutzern suchen, sich mit diesen vernetzen, und an sie öffentliche oder private Nachrichten versenden. Inhalte anderer Nutzer können, je nach Datenschutz-Einstellung, gesehen, durch einen „Like“ als gut befunden, oder kommentiert werden.

Für alles eine extra App

Kommuniziert wird über WhatsApp, Fotos veröffentlicht man über Instagram, Schnappschüsse aus dem Alltag werden über Snapchat im Bekanntenkreis verbreitet, um nur ein paar zu nennen. Daneben gibt es für jede App noch eine Vielzahl konkurrierender Angebote, die im Grunde für das Selbe genutzt werden, und nur eine speziellere Zielgruppe bedienen.

Anmerkungen:

  • [4] JIM-Studie (2014), S.35
  • [5] BITKOM Studie (2014) Jung und vernetzt, S. 28
  • [6] Christian Filk und Hanno Schauer: „Generation Facebook?!“ Erkenntnisse zur Nutzung sozialer Medien durch 14- bis 18-Jährige.
  • [7] JIM-Studie (2014), S.37
  • [8] Ein spannendes Interview zum Thema:Interview

Was macht man eigentlich mit Whatsapp?

WhatsApp ist, anders als Facebook, eine Anwendung die anfangs nur für das Smartphone konzipiert war und nicht am PC verwendet wird. Die Anwendung ist der SMS sehr ähnlich, WhatsApp-Nachrichten können jedoch kostenlos und in beliebiger Länge über das mobile Internet versandt werden. Anders als bei Facebook kann der Nutzer bei WhatsApp nur Leute kontaktieren, von denen er die persönliche Handynummer besitzt. Ein Suchen nach Personen, ohne deren Handynummer zu kennen, ist nicht möglich. Neben Nachrichten an nur einen Empfänger können auch individuelle Chatgruppen mit mehreren Teilnehmern angelegt werden, sodass man, anders als bei Facebook, an vordefinierte Personengruppen bestimmte Inhalte verschicken kann. Es handelt sich um ein extrem niederschwelliges Angebot ohne komplizierte Anmeldung. WhatsApp ermöglicht einen sehr direkten Zugriff auf Kommunikation, womit in sozial variablen Kontexten kommuniziert werden kann. Der Nutzer kann seine Kommunikation in den Chatgruppen also an seine jeweilige soziale Rolle anpassen.
WhatsApp wird „schnell zwischendurch“ mobil auf dem Smartphone genutzt. Hatte man vor ein paar Jahren bei SMS mit der monatlichen Handyrechnung noch einen sehr guten Überblick über sein Nutzungsverhalten, geht dieser Überblick dem Nutzer bei WhatsApp ganz verloren, da das Angebot kostenlos ist. Umso spannender ist daher ein kleiner Einblick in das tatsächliche Nutzungsverhalten eines Jugendlichen, das Erziehungsberechtigten und Lehrern oft verborgen bleibt.

©istock.com/southerlycourse

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Das WhatsApp-Profil

Das Erstellen eines individuellen Profils ist in WhatsApp nur sehr begrenzt möglich. Der Nutzer kann nur ein Profilbild hochladen und eine einzeilige Statusmeldung teilen.

Einzelfall-Studie zur WhatsApp-Nutzung eines 15-jährigen Schülers

Im Folgenden soll nun eine qualitative Einzelfall-Studie vorgestellt werden, in der ein 15-jähriger Schüler eines baden-württembergischen Gymnasiums im Rahmen einer narrativen, qualitativen Studie zu seiner Smartphone-Benutzung befragt wurde [9]. Schwerpunkt hierbei bildet seine Nutzung von WhatsApp. Zwar sind diese Ergebnisse nicht generalisierbar, jedoch liefert besonders die Untersuchung der Schulklassen-Chatgruppe des Schülers interessante Einblicke wie, wofür und wann Heranwachsende WhatsApp nutzen.

Anmerkungen

  • [9] Diese Befragung und Auswertung fand im Einverständnis und Wissen des Probanden statt.

Allgemeine Nutzung sozialer Medien des Probanden

Der Proband besucht derzeit die 9. Klasse eines städtischen Gymnasiums in einer kleinen Stadt in Baden. Nach eigener Angabe ist für ihn, wie für 29 % seiner Altersgenossen [10], WhatsApp die meist genutzte Internet-Applikation. Ein Grund dafür ist, laut Selbstauskunft, dass es auch einige Bekannte und Freunde gebe, die WhatsApp aber kein Facebook nutzen, und er daher über WhatsApp mehr Leute erreichen könne.
Der Schüler sagt, er benutze WhatsApp mehrfach täglich über sein iPhone, weitaus häufiger als Facebook, Snapchat oder Instagram. Eine genaue Zeitangabe vermag er dabei nicht zu geben. Facebook benutze er ebenfalls mehrfach täglich, insgesamt etwa 15 Minuten am Tag. Ähnlich häufig und lange nutze er täglich Instagram und Snapchat. Twitter benutze er nicht.
Nach eigenen Angaben verwende er inzwischen Facebook nur noch, um Bilder von „besonderen Ereignissen“ aus seinem Leben einzustellen und um Bilder, die andere hochladen, zu kommentieren. Diese „besonderen Ereignisse“ haben einen starken Interessen- und Freizeitbezug. Darunter beispielsweise Besuche im Fußballstadion, Konzerte seiner eigenen Band oder Partybesuche. Auch die eigene Entlassung nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wird hier für knapp 500 Facebook-Freunde öffentlich gemacht. Solche bebilderten Beiträge postet der 15-Jährige in einem etwa wöchentlichen Rhythmus.
Daneben nutzt der Schüler seit einiger Zeit auch Snapchat.

©istock.com/ViewApart

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Anmerkungen

[10] JIM 2010. S.42

Snapchat

Ist eine App, in der man Bilder oder Videos wie bei WhatsApp, an Einzelpersonen schicken (sog. „Snaps“) oder sie, wie bei Facebook, öffentlich an eine Wall posten (sog. „Geschichten“) kann. Neu dabei ist, dass die Bilder beim Empfänger nicht gespeichert und erneut aufgerufen werden können, sondern jeweils nur für wenige Sekunden angezeigt werden. Fotografisch festgehaltene Momente werden so vergänglich, was wohl den Charme dieser App ausmacht.

WhatsApp-Nutzung des Probanden

Die weitere Befragung behandelte die Nutzung von WhatsApp des Probanden. Der Schüler nutzt diese App zum einen, um mit Einzelpersonen zu kommunizieren, wie etwa dem besten Freund, der Freundin, der Cousine oder der Mutter. Daneben ist er auch in einer Vielzahl von Chatgruppen. Die knapp 30 von ihm genutzten Gruppen umfassen unterschiedliche Freundeskreise, z. B. Gruppen die sich zur Planung von Partys und Abendgestaltung zusammengeschlossen haben, Sport- und Musikverein, seine Band, einzelne Schulfächer sowie eine Chatgruppe seiner gesamten Schulklasse. Der Schüler beschreibt sich in seiner Selbsteinschätzung als „mittelmäßig aktiven WhatsApp-Nutzer“. Seine Aktivität sei stark davon abhängig, wie stressig sein Tagesablauf sei.
Ein Blick in die von WhatsApp systemintern geführten Statistiken zeigt: In Kalenderwoche 47 waren 13 seiner 30 Chatgruppen aktiv. Daneben chattete er in derselben Woche mit 36 Einzelpersonen. Im Zeitraum Mai 2015 bis November 2015 hat der 15-jährige auf seinem neuen iPhone nur via WhatsApp mehr als 101.000 Nachrichten erhalten, und selbst rund 68.000 Nachrichten versandt.
Auf die Frage, wie er mit dieser Flut an Nachrichten umgehe, antwortet der Schüler, dass es „schon nervig“ sei. Er habe bereits versucht aus der einen oder anderen Gruppe auszutreten. Das hätten die anderen Gruppenteilnehmer jedoch immer sehr persönlich genommen, sodass ihn der Administrator der Gruppe kurzerhand wieder in die Chatgruppe mit aufgenommen hat, ohne dass der Schüler dies wollte. Einfach aus einer Gruppe auszutreten sei also oftmals keine Lösung. Als Ausweg schaltet der 15-Jährige einige Gruppen daher auf „lautlos“. Eingehende Nachrichten werden dann immer nur geladen, wenn er WhatsApp selbst öffnet. Zum Lernen schaltet der Schüler sein Handy darüber hinaus grundsätzlich auf Vibrations-Alarm.
Auf die Frage, wie besorgt er denn um die Datensicherheit bei WhatsApp sei, antwortet der Schüler, dass dieses Thema zwar in seiner Peer-Group schon einmal thematisiert worden sei, man aber aus Mangel an Alternativen und auf Grund der Gruppendynamik trotzdem weiter WhatsApp nutze.

Untersuchung des Schulklassen-Chats des Probanden

Der Schulklassen-Chat mit 27 dauerhaften Chat-Teilnehmern[11] verursacht mit Abstand die größte Menge an eingehenden Nachrichten auf dem Smartphone des Gymnasiasten. Diese Chatgruppe behandelt vielfältige Themen und erfüllt die Funktion der klassischen „Schulhofkommunikation“. Diesen, von Erziehungsberechtigten und Lehrern unbeaufsichtigten Kommunikationsraum, nutzen die Jugendlichen, um soziale Rangordnungen und Beziehungen auszuhandeln. In der Gruppe beschimpft man sich untereinander, lobt sich aber auch gegenseitig. Es ist ein Forum zur Selbstdarstellung. Hier werden soziale Rollen eingeübt und manifestiert. So gibt es nach Auskunft des Probanden mehrere Teilnehmer, die von sich regelmäßig „bescheuerte Videos oder Sprachnachrichten posten“ mit Geschrei oder „dummen Sprüchen“. Die Rolle eines typischen Klassenclowns ist auch im WhatsApp-Chat zu finden. Jedoch ist es auch ein Forum zur Selbsthilfe. Hier werden Fragen zu Hausaufgaben, Verständnisschwierigkeiten oder Lernstrategien gemeinsam diskutiert.
Eine neu Dimension scheint bei WhatsApp besonders die Flut an Nachrichten und die ungeheure Reaktionsgeschwindigkeit auf jede Nachricht zu erreichen. WhatsApp zeichnet systemintern auf, wann die einzelnen Gruppenteilnehmer entsprechende, in die Gruppe gepostete Nachrichten lesen.
Im Folgenden wurde nun untersucht, wie schnell die 27 Teilnehmer der 9. Klasse Nachrichten in ihrer WhatsApp-Gruppe lesen. Dazu wurden Nachrichten zu markanten Tageszeiten ausgewählt: spät am Abend, früh am Morgen, während des Unterrichts, am Wochenende und in der Mittagspause.
Schnell zeigt sich: Für einen Großteil der Schüler/Innen ist das Smartphone ein ständiger Begleiter. Am Wochenende, beim Aufwachen, beim Schlafengehen und auch während des Unterrichts.
Die große Mehrheit liest am Wochenende WhatsApp-Nachrichten innerhalb der ersten 5 Minuten. Eine Nachricht nach 23 Uhr wird auch während der Schulwoche noch von etwa 1/5 der Klasse gelesen. Das deutet darauf hin, dass das Smartphone Begleiter bis zum Schlafengehen ist, bzw. manche Schüler/Innen sich von ihrem Handy vielleicht sogar noch einmal wecken lassen. Diejenigen, die um diese Zeit vermutlich bereits geschlafen haben, werfen gleich mit dem Aufwachen ab 05:30 Uhr einen Blick in ihre Chatgruppe. Vor Schulbeginn ist dann die Mehrheit der Schüler mindestens einmal in WhatsApp aktiv.
Besonders interessant ist die Auswertung von Posts während der Unterrichtszeit. Diese zeigt, dass die Schüler/Innen zu einem sehr großen Teil mindestens einmal pro Unterrichtsstunde in WhatsApp aktiv sind – trotz offiziellem Handyverbots. Nachrichten, die etwa in der Mittagspause versandt werden, also während eines Zeitraums, den die Schüler/Innen real in ihren Peer-Groups verbringen, rufen im virtuellen Raum so gut wie keine Reaktion hervor. Hier scheint die Kommunikation fast ausschließlich non-medial mit den physisch anwesenden Peers abzulaufen.

Posts im Klassenchat

  • Post vom Mittwoch 28.10., 23:00 Uhr: Bis 23:15 Uhr nachts wurde die Nachricht noch von 5 Personen gelesen. Am Morgen wurde die Nachricht ab 5:30 Uhr bis zum Schulbeginn von weiteren 14 Personen gelesen.
  • Post vom Mittwoch 28.10., 7:50 Uhr: An diesem Tag entfiel angekündigt die erste Schulstunde (07:40 Uhr – 08:25 Uhr). Innerhalb von 5 Minuten hatten 10 Personen, bis zum Schulbeginn um 8:25 Uhr, 15 Personen, und bis Ende des Schultages 24 von 27 Personen den Post gelesen.
  • Post vom Dienstag 06.10., 11:32 Uhr: Ein Post, der zwei Minuten nach der zweiten Pause, während des Unterrichts gesendet wurde, wurde innerhalb von 60 Sekunden von 7 Personen, bis Unterrichtsende von 22 Personen gelesen. Nur 5 Personen haben den Post erst nach Unterrichtsende gelesen.
  • Post vom Donnerstag 24.09., 13:08 Uhr: Dieser Post wurde nach Unterrichtsende in der Mittagspause versandt. Zwischen 14 Uhr und 17 Uhr hatte die Klasse an diesem Tag wieder gemeinsam Unterricht. In der einstündigen Mittagspause gehen die Schüler nach Auskunft des Probanden in ihren Peer-Groups gemeinsam Mittagessen. Während dieser Mittagspause bis zum Nachmittagsunterricht um 14 Uhr hatte nur eine Person die Nachricht gelesen. Während des Unterrichts bis 17 Uhr haben dann 20 Personen den Post gesehen.
  • Post vom Sonntag 15.11., 14:20 Uhr: An einem schulfreien Sonntagnachmittag haben innerhalb von 60 Sekunden 9 Personen die entsprechende Nachricht gelesen, nach einer Stunde waren es bereits 2/3 der Klasse. Innerhalb von 20 Stunden hat jeder in der Klasse die Nachricht gesehen.
  • Post vom Samstag, 19.09., 12:28 Uhr: Innerhalb von 1 Minute gab es 3 Leser, in 5 Minuten 17 Leser und nach einer Stunde 20 Leser. Längste Reaktionszeit war an diesem Tag 5 Stunden.
  • Anmerkungen

    [11] Im Chat ist die gesamte Schulklasse vertreten, bestehend aus 12 Jungen und 15 Mädchen bei einem Durchschnittsalter von 14 Jahren

Schlussbetrachtung

Im Falle des befragten Schülers bestätigt sich der in der Bitcom- und JIM-Studie angedeutete Wandel in der Nutzung, weg von Facebook hin zu WhatsApp. Grund hierfür könnte die Möglichkeit sein, in Chatgruppen variabel in genau definierten unterschiedlichen sozialen Kontexten zu kommunizieren.
Genutzt werden diese WhatsApp-Gruppen sowohl zur Organisation von Freizeit, Aushandlung von Gruppenprozessen, Kontaktpflege, als auch für schulische Aufgaben. WhatsApp wird auch in der Schule selbst genutzt. Ob nun offen oder heimlich. Auf die Menge von WhatsApp-Nachrichten und die ungeheure Reaktionsgeschwindigkeit innerhalb einer Chatgruppe angesprochen, zeigt sich, dass der Jugendliche sich durchaus der Probleme dieser WhatsApp-Nutzung bewusst ist, und bereits individuell versucht, eine Nutzungsstrategie zu finden. Schülern/Innen müssen ggf. die Notwendigkeit einer Veränderung ihres Nutzungsverhaltens erkennen. Hierbei sollte Schule unterstützen.
Ein einfaches Aussteigen erscheint dem Schüler dabei nicht als realistische Alternative. Gruppendynamiken sind starke Faktoren, denen sich wohl gerade Heranwachsende nur schwer entziehen können. Jedoch könnte man im Klassen- oder Stufenverband Experimente starten wie einen „Handyverzicht für vier Wochen“[12]. Anschließend könnten gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für einen sinnvollen Umgang erarbeiten und diskutiert werden.
Daneben ist individuelle Persönlichkeitsstärkung Bestandteil des allgemeinen Bildungsauftrags von Schule. Schule soll den Lernenden unterstützen, Gruppenprozesse in WhatsApp-Chatgruppen zu bewältigen. Dazu gehört sowohl ggf. aus Gruppen auszutreten, oder diese aktiv mitzugestalten und zu steuern.

Anmerkungen

Literatur

  • Filk, Christian und Schauer, Hanno:
    „Generation Facebook?!“ Erkenntnisse zur Nutzung sozialer Medien durch 14- bis 18-Jährige.
    In: Medien und Erziehung. Band 1. Februar 2013.
  • Klier, Alexander:
    Zeit für Soziale Netzwerke. In: Medien und Erziehung. Band 2. April 2014.
  • Schemmerling, Maraike, Gerlicher, Peter und Brüggen, Niels:
    „Ein Like geht immer...“. Studienergebnisse zur Identitätsarbeit in Sozialen Netzwerken.
    In: Medien und Erziehung. Band 2. April 2013.

Internetquellen

Aus dem Studium für die Praxis

– Aus der Erweiterung Medienpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München für mebis.

Autor des Artikels „Ist WhatsApp das neue Facebook?“

Name: Nikolas Reitmeier
Fächer: Englisch, Geschichte und Erweiterungsstudium Medienpädagogik

  • Informieren Sie sich hier über den Studiengang Medienpädagogik
  • Stand
  • 30. März 2015