Handwerkszeug des Films

Filme entführen uns aus unserem Alltag und öffnen uns Fenster zu unbekannten Welten. Doch welche Mittel sind es, mit denen uns dieses Medium verführt und uns seine Geschichten erzählt?

Will man „Film“ verstehen, so kommt man um ein gewisses Grundwissen bezüglich der so genannten Filmsprache nicht herum. Im Folgenden werden daher einige der wichtigsten filmsprachlichen Mittel wie Einstellungsgrößen, Perspektiven, Kamerabewegungen usw. kurz erklärt.

©istock.com/Sashkinw

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Filmische Einheiten

So, wie ein Roman aufgeteilt werden kann in Kapitel, Absätze, Sätze und ein-zelne Wörter, kann auch ein Film in seine Bestandteile zerlegt werden. Diese Erzähleinheiten des Films nennt man „filmische Einheiten“.

Die kleinste Einheit eines Filmes ist das Einzelbild, gefolgt von der Einstellung, der Sequenz (Szene), dem Komplex, dem Akt und zu guter Letzt dem großen Ganzen, dem endgültigen Film

©istock.com/selimaksan

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Einstellungsgrößen

Ob eine Detailaufnahme tränennasser Augen oder ein Panoramablick über die Alpen, im Film wird nichts dem Zufall überlassen. Jede Einstellung ist im Vorfeld wohl durchdacht und wird bewusst eingesetzt. So sind zum Beispiel die verwendeten Einstellungsgrößen ein Hinweis auf die Wichtigkeit der im Bild dargestellten Personen und Objekte.

Zur besseren Verständigung innerhalb von Drehteams hat man versucht, für die unterschiedlichen Einstellungstypen Bezeichnungen zu finden, die das Arbeiten im Rahmen einer Filmproduktion erleichtern. Folgende verschiedene Einstellungsgrößen repräsentieren die wohl meist verwendeten Begrifflichkeiten:

 

 

Kameraperspektive

Die Beziehung des Zuschauers zum Geschehen auf dem Bildschirm wird durch die jeweils verwendete Kameraperspektive beeinflusst.

Mit dem Standpunkt und der Perspektive der Kamera wird der räumliche Bezug des Zuschauers zu den Objekten und zum Handlungsgeschehen definiert. Man unterscheidet zwischen einer Perspektive gleich der Augenhöhe eines Menschen, der Vogelperspektive und der Froschperspektive.

 

Die meist verwendete Kameraperspektive ist die der normalen Sehweise einer stehenden Person, aus der so genannten Augenhöhe. Kameraeinstellungen aus der Vogelperspektive ermöglichen einen guten Überblick über den Schauplatz. Die Wichtigkeit der gezeigten Objekte bzw. Personen kann durch eine Sicht von oben (Aufsicht) dieser Art verringert werden.

Als Kontrast hierzu gilt die Froschperspektive, welche durch ihren ungewöhnlichen Blickwinkel von unten die dargestellten Objekte sehr groß und wuchtig erscheinen lässt. Diese Untersicht betont meist die Bedeutung der dargestellten Personen oder Objekte.

©istock.com/Kuzma

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Kamerabewegungen

Im Film wird sehr viel mit Bewegung gearbeitet. Neben den Bewegungen der Darsteller bzw. der Objekte im Bild werden vor allem zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten der Kamera genutzt und miteinander kombiniert. Hierdurch entstehen Handlungen, ein Gefühl für Zeit wird geschaffen und der bespielte Raum kann gestaltet werden.

Bei einer Kamerafahrt verändert sich beispielsweise der Standpunkt der Kamera, d. h. die Kamera bewegt sich von einem zum anderen Ort. Auf den Menschen bezogen ist das vergleichbar mit einer Bewegung des ganzen Körpers. Es gibt viele Arten von Kamerafahrten, z. B. die Zufahrt (eine Bewegung auf etwas zu), die Rückfahrt (eine Rückwärtsbewegung von etwas weg) oder die Parallelfahrt (parallel auf gleicher Höhe mit den sich bewegenden Objekten/Subjekten).

Eine besondere Art der Kamerabewegung, durch die der Zuschauer voll am Geschehen teilnehmen kann, ist die „subjektive Kamera“. Bei dieser Form der Bewegung übernimmt die Kamera den Blickwinkel der handelnden Person. Ohne auf Bildausschnitte und Einstellungen zu achten nimmt der Kameramann mit einer Handkamera auf den Schultern ungefiltert genau das auf, worauf sein Blick (z. B. beim Gehen durch einen Wald) gerade fällt. Die Einstellungen wirken hektisch und unklar und vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, unmittelbar am Geschehen beteiligt zu sein.

Schwenk

    Bei einem Schwenk bleibt die Kamera an einem Ort stehen und schwenkt dem sich bewegenden Objekt hinterher. Dies ist ähnlich der Bewegung unseres Kopfes, wenn wir jemanden hinterher sehen.
  • Die verschiedenen Arten von Schwenks unterscheiden sich zum Beispiel durch ihre Geschwindigkeit.
  • Der Begleitschwenk folgt dem Objekt exakt in dessen Tempo; wohingegen beim Reißschwenk die Kamera schnell herum gerissen wird, ohne dass die Bildinhalte zwischen der Anfangs- und Endeinstellung erkennbar sind.

Bildgestaltung

Die Komposition der Bildelemente nach ästhetischen und informativen Gesichtspunkten wird bei Profis „Kadrage“ (Einrahmung) genannt. Eines der ästhetischen Grundprinzipien der Bildkomposition ist ebenso wie in der Malerei oder Fotografie der goldene Schnitt. Das Prinzip des goldenen Schnitts ist ein in der Natur häufig vorkommendes ideales Seitenverhältnis.

Das Bild wird unterteilt in neun gleich große Rechtecke. Die Punkte, an denen sich die Linien der Rechtecke überschneiden (Kreuze), sind im Sinne einer harmonischen Bildkomposition besonders gut geeignet, um dort wichtige Bildelemente zu platzieren d.h. eine zentrale Anordnung der Objekte ist eher langweilig. Das Bild wirkt interessanter, wenn die Inhalte an den Schnittpunkten der Linien ausgerichtet sind. Da der Film von Bewegungen lebt, ist es allerdings fast nicht möglich, jedes einzelne Bild eines Films perfekt durchzukomponieren. Versucht man dennoch, das Prinzip des goldenen Schnitts bei der Bildkomposition so weit wie möglich zu beachten, gewinnt der endgültige Film an Qualität.

Filmschnitt

Der Filmschnitt umfasst nicht nur das Herausschneiden von unbrauchbaren Aufnahmen wie z. B. Versprecher der Schauspieler. Die wichtigste Aufgabe des Schnitts ist das ästhetische und künstlerische Zusammenfügen der einzelnen Einstellungen zu einem harmonischen Gesamtwerk. Mit dem Schnitt wird das Tempo des Films bestimmt. Je nach behandelter Thematik werden einzelne Szenen mit schnellerer oder langsamerer Bildfolge geschnitten. Man spricht bei dieser Art des Zusammenfügens filmischer Einheiten auch von der so genannten Montage.

Eine Montagevariante ist zum Beispiel die „Parallelmontage“. Mit Hilfe einer „Parallelmontage“ lassen sich sehr gut mehrere gleichzeitig ablaufende Handlungsstränge einer Geschichte darstellen. Bestes Beispiel hierfür ist die in Spielfilmen oft dargestellte Rettung in letzter Sekunde, bei der immer abwechselnd der zu Hilfe kommende Held und die gefährdeten Personen in ihrer Notlage gezeigt werden.

Eine weitere, häufig verwendete Montageform, ist die „Kausalmontage“ oder auch „Ursache – Wirkung- Montage“. Zeigt man eine Einstellung z. B. ein Kind, das einen Schneeball wirft, möchte der Zuschauer die Wirkung dieses Wurfs sehen. In der nächsten Einstellung sollte demnach gezeigt werden, ob das Kind sein Ziel getroffen hat oder nicht.

Die „Schuss-Gegenschuss Montage“ ist eine weitere klassische Montageform. Verwendet wird sie vornehmlich bei Dialogsituationen.

Die Einstellungen zeigen in der Montage abwechselnd die Gesichter zweier sich gegenüberstehender Gesprächspartner. Das Gespräch wird verfolgt und das Zusammenspiel von Frage und Antwort, Aktion und Reaktion der einzelnen Darsteller kann auf diese Weise gut dargestellt werden.

©iStock.com/richardschramm

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Filmton

Gezielt eingebaute Geräusche können im Film wichtige Akzente setzen und die Wirkung des Bildes unterstützen. Durch den Einsatz von Geräuschen, deren Ursprung im Bild beispielsweise nicht oder noch nicht sichtbar sind, gewinnt der filmische Raum für den Zuschauer an Weite und wird realitätsnaher. Zusäztliche Aufnahmen der ständigen Geräuschkulisse eines Schauplatzes (Atmosphäre) vollenden das Klangbild.

Besonders gut zur Vermittlung von Stimmungen ist Musik geeignet. Gegensätzlich hierzu kann der gezielte Einsatz von Stille ganz besondere Wirkungen hervorrufen

©iStock.com/fotografstockholm

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  • Stand
  • 11. Mai 2015
  • Autor
  • Anne Dietel