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Distanzunterricht | Erklärvideos

Das Lernen mit Erklärvideos bietet eine Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern Inhalte und Prozesse audiovisuell, kompakt und digital aufzubereiten. Das beliebte Medium kann sehr sinnvoll in Lernszenarien integriert werden, nicht immer ist es aber auch didaktisch wertvoll. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit Erklärvideos das selbstorganisierte Arbeiten der Schülerinnen und Schüler fördern können.

  Warum Erklärvideos?
Wissenschaftliche Erkenntnisse und didaktische Hinweise

  Wie wird die Methode umgesetzt?
Szenarien für den Einsatz und Beispiele

  Wie gelange ich an Videos?
Tipps zum Finden und Erstellen

  Was muss ich beim Veröffentlichen beachten?
Plattformen und rechtliche Hinweise

 

Fortbildungsangebot

Der Lehrgang „Erstellen von Erklärvideos“ der ALP Dillingen vermittelt die Grund­lagen zum Thema. Sie können den Kurs un­mittel­bar und ohne An­meldung aufrufen:

  Wissenschaftliche Erkenntnisse und didaktische Hinweise

„Ich kann den Lehrer vor- und zurück­spulen, immer wieder an­schauen bis ich es ver­stan­den habe und er ist auch beim zehnten Mal noch freund­lich. Da ver­stehe ich es viel besser als im Unterricht.“ So oder so ähnlich könnten Schülerantworten lauten, wenn man sie nach den Vorteilen von Erklärvideos befragt. Da ist es nicht weiter überraschend, dass der Rat für kulturelle Bildung 2019 in seiner Studie zum einen belegte, wie beliebt YouTube ist und zum anderen, wie Schülerinnen und Schüler diese Plattform auch für schulische Zwecke nutzen. Für nahezu alle Fächer und Themen der Lehrpläne gibt es Erklärvideos, manche YouTube-Kanäle zu schulischen Themen genießen einen regelrechten Kultstatus. Die Gefahr eines Erklärvideos ist jedoch, so der Physikdidaktiker Christoph Kulgemeyer: „Manchmal glaubt man, etwas verstanden zu haben, merkt aber, wenn man das Wissen anwenden soll, dass das gar nicht der Fall ist.“ Die Hattie-Studie bestätigt dies: „Interaktive Lernvideos“ stehen nur auf Platz 44 und damit eher im Mittelfeld der Einflussfaktoren auf den schulischen Lernerfolg. Das Erstellen von Erklärvideos kann auch eine Überforderung für Lehrkräfte bedeuten: Sollen durch sie doch viele Inhalte vermittelt und zugleich über Ton, Text und Bild transportiert werden – und das möglichst kurz auf den Punkt gebracht. Denn man konkurriert schließlich mit gängigen YouTube-Videos, die eher knapp als ausführlich sind. Daher bietet es sich an, Inhalte didaktisch zu reduzieren. Als Faustregel gilt: Pro gezählter Jahrgangsstufe eine Minute Länge oder allgemein nicht länger als sechs bis sieben Minuten und lieber mehrere Videos, mit dazwischen angebotenen Arbeitsaufträgen. Gleichzeitig sind es Schülerinnen und Schüler von YouTube gewohnt, langweilige Inhalte zu überspringen bzw. werden sich Videos nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit anzusehen, die für ein vertieftes Verständnis wichtig wäre. Es empfiehlt darüber hinaus, das nachhaltige Ansehen eines Videos anzuleiten, wie es der Blogger Sebastian Stoll beispielsweise macht. Außerdem bietet es sich an, Videos immer mit Begleitmaterial oder zusätzlichen Arbeitsaufträgen zur selbstständigen Überprüfung zur Verfügung zu stellen, etwa über ein Quiz, einen Lückentext, die Gestaltung eines Lerntagebuchs, ein interaktives Video mit H5P oder ähnlichem. Ein Beispiel dazu finden Sie etwa im teachSHARE-Kurs „mehrteilige Aufgabenstellung“.

© istock.com / vladwel

© istock.com / vladwel

Literaturhinweise

  Szenarien für den Einsatz und Beispiele

Wie im vorhergehenden Abschnitt erläutert wurde, kommt es beim Einsatz von Erklärvideos nicht nur auf das Video selbst an, sondern auch um eine didaktisch sinnvolle Einbettung in eine Unterrichtssequenz. Die Methode besteht also nicht darin, den Präsenzunterricht durch ein einzelnes Video zu ersetzen, sondern ein didaktisch zielführendes Lernsetting um dieses Video zu arrangieren.

Einsatzszenarien von Erklärvideos

Ergebnissicherung

Das Video als Ergebnissicherung für den „Hefteintrag“: nach dem erfolgreichen Erarbeiten eines neuen Themas, fasst das Erklärvideo alles Wichtige noch einmal zusammen und der Schüler sichert so das Erlernte.

Prozessbezogene Anleitung zu Beginn

Das Video als prozessbezogene Anleitung zu Beginn einer Unterrichtssequenz: Die Lehrkraft zeigt wie etwas geht, damit die Schülerinnen und Schüler es genauso anwenden können. Dieses Szenario hat seine Grenzen, wenn Inhalte eigentlich von den Lernenden selbst entdeckt oder erarbeitet werden können. (Einsatzbeispiel Mathe: Das richtige Einsetzen in die Mitternachtsformel)

Korrekturhilfe

Das Video als Korrekturhilfe: Die Schülerinnen und Schüler haben sich mit einer Aufgabe auseinandergesetzt, ausprobiert und sind zu Ergebnissen gekommen. Nun zeigt die Lehrkraft mit einem Erklärvideo die Musterlösung, so wie sie es selbst gemacht hätte. Damit können dann die eigenen Ergebnisse abgeglichen und verbessert werden.

Hinführender Impuls

Das Video als hinführender Impuls: Unterricht wird oft mit einer Aufgabe, einer Problemstellung oder eben einem Impuls schülerzentriert geöffnet. Dies lässt sich auch mit einem Video abbilden. Dieses erklärt dann nicht, sondern aktiviert notwendiges Grundwissen und endet mit der Modellierung einer Aufgabe. Das dazu passende Erklärvideo ist dann erst nach der Erarbeitungsphase verfügbar.

Videos aus Schülerhand

Das Video aus Schülerhand: Am meisten lernen bei einem Video die Erstellenden. Diese müssen sich in der Rolle der Erklärenden begeben und vertiefen so ihr Wissen. Daher bietet es sich immer wieder an, Schülerinnen nach dem Prinzip des „Lernens durch Lehren“ selbst zu Produzenten werden zu lassen.

 

Das Erarbeiten, Entdecken und der Austausch der Schülerinnen und Schüler steht bei dieser Methode also im Zentrum des Lernens. Das Video ist der Begleiter, um dem selbstorganisierten Lernen einen Rahmen zu geben: So wenig erklären wie nötig, so viel Schüleraktivität wie möglich. Sehr viele Unterrichtssequenzen können problemorientiert eröffnet werden, ein Erklärvideo immer vorab wäre daher im Sinne dieser Methode nicht zielführend. Dadurch würde einzig der „Frontalunterricht“ in eine digitale Form übertragen.

Unterrichtsbeispiele

  Beispiel Mathematik

Schülerinnen und Schüler erlernen das Einsetzen in die Mitternachtsformel mit Hilfe eines Erklärvideos zu Beginn einer Unterrichtssequenz kennen, um es dann genauso nachzumachen. Dies könnte man aber auch entdeckend lösen, dann gäbe es das Erklärvideo nach einer ersten Erarbeitungsphase. Beim Kennenlernen des Thales Kreises wäre es dagegen sinnvoller, Lernende etwa zunächst eigene Versuche mit einem dynamischen Geometrieprogramm machen zu lassen, um selbst Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Das Erklärvideo hätte hier seinen Platz zur Ergebnissicherung.

  Beispiel Deutsch

Schülerinnen und Schüler erhalten einen Text und sollen herausfinden, welche Wirkung dieser hat und wodurch diese erreicht wird. Ein Erklärvideo könnte dann die darin enthaltenen Stilmittel im zweiten Schritt beschreiben. Die Lernenden würden im Anschluss daran aufgefordert, die Stilmittel den Textpassagen zuzuordnen. Man könnte auch überlegen, die Stilmittel an den Beginn der Sequenz zu stellen, beispielsweise als Wiederholung zur Erschließung neuer Stilmittel. Oder man führt ein Thema wie Rechtschreibstrategien mit Hilfe eines Erklärvideos ein.

  Beispiel Englisch

Auch im Fach Englisch steht eine Textbegegnung im Mittelpunkt. Anhand eines Textes werden etwa neue Vokabeln oder eine neue Zeitform wie das „simple past“ erarbeitet. Ein Erklärvideo vorab wäre daher nicht sinnvoll, dies sollte dann besser am Ende der schülerzentrierten Arbeitsphase in Form einer Ergebnissicherung stehen. Wenn jedoch beispielsweise anhand eines Textes das „past progressive“ erarbeitet wird, könnte man vorab mit einem Erklärvideo zum „simple past“ das dafür notwendige Grundwissen reaktivieren. Oder wenn bei einer Einheit zu einem unbekannten Text der Inhalt in der Unterrichtsstunde im Fokus stehen soll, können wichtige Vokabeln schon in Form eines Erklärvideos vorentlastet und diese dann bei der inhaltlichen Erarbeitung bereits als bekannt vorausgesetzt werden.

  Tipps zum Finden und Erstellen von Videos

Zurückgreifen auf vorhandene Videos

Beinahe zu jedem Thema des Lehrplans findet man auf den bekannten Plattformen Erklärvideos. Je nach Bundesland und Schulbuch können die Inhalte oder auch Fachausdrücke jedoch variieren. Es stellt sich also immer auch ein wenig die Frage, ob man mit dem zufrieden ist, was man findet oder ob man doch lieber selbst ein Video erstellt. Besonders wertvoll sind Kooperationen, wenn man sich die Content-Erstellung untereinander aufteilt. Mit der digitalen Vernetzung ist es leicht geworden, Kolleginnen oder Kollegen zu finden, die ähnlich unterrichten und Interesse an Materialtausch haben. Neben der gezielten Suche auf den Plattformen gibt es auch Sammlungen im Internet, mit denen man sich einen ersten Überblick verschaffen kann. Darüber hinaus kann man auch die Schülerinnen und Schüler selbst nach passenden Inhalten suchen lassen. Hier besteht allerdings bei aufeinander aufbauenden Themen die Gefahr, dass gleich lautende Themen aus einer höheren Jahrgangsstufe zu einer Überforderung für jüngere Suchende führen könnten.

Erstellen eigener Videos

Bei der Erstellung eigener Videos gibt es keinen einheitlichen Weg. Wer sich selbst auf den Weg machen will, dem sei wärmstens der Selbstlernkurs der ALP Dillingen empfohlen. Weitere Beispiele und Umsetzungsmöglichkeiten sowie „Tipps und Tricks“ findet man auch auf der Homepage von Sebastian Schmidt. Zeitlich gesehen sollte man sich nicht in Perfektionismus verlieren. Denn ein Video allein macht wie auch schon oben beschrieben keinen guten Unterricht. Auch aus Zeitgründen hat sich unter Videoerstellern im schulischen Kontext dieser Satz etabliert: „Brauchst Du es perfekt oder brauchst Du es am Dienstag?“

© Jane Kelly / iStock (bearbeitet)

© Jane Kelly / iStock (bearbeitet)

 

Tipp

Geeignete Videos für Unterrichts­sequenzen mit Video und Aufgaben­stellung finden Sie auch in der mebis Mediathek. In der Reihe „musstewissen“ sind etwa Erklär­videos zu den Fächern Deutsch, Geschichte, Chemie und Mathematik zu finden.

mebis TUBE enthält zudem Erklärvideos, welche von bayerischen Lehrkräften für den Unterricht entwickelt und erprobt wurden.

 

Links

  Plattformen und rechtliche Hinweise

Nutzung über mebis nur für den eigenen Unterricht

Ein Video kann nur den eigenen Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt werden, indem man es per drag and drop in einen Klassenkurs in der mebis Lernplattform hochlädt. Es ist sogar möglich, Fremdinhalte einzubauen. Dabei sollte man allerdings die folgenden Punkte berücksichtigen:

Verwendung von Fremdinhalten

Wenn eine Lehrkraft ein Unterrichtsvideo selbst erstellt und dabei Werke von Dritten einbindet (z.B. Bilder, angezeigter oder vorgelesener Fremdtext oder eingespielte Videos) muss sie darauf achten, dass sie über die notwendigen Rechte für die vorgesehene Verwendung verfügt. Wird das Video nur Schülern der eigenen Klasse für den Unterricht zugänglich gemacht (etwa im mebis-Kurs der Klasse) steht ihr das Urheberrrechtsprivileg des § 60a UrhG zur Verfügung. Nach dessen Abs. 1 darf die Lehrkraft 15% eines veröffentlichten Werkes für ihren Unterricht verwenden. Abbildungen, einzelne Artikel aus derselben Fachzeitschrift, Werke geringen Umfangs (z.B. Gedichte oder Liedertexte, 5 Minuten Film oder Musik) und vergriffene Werke dürfen nach Abs. 2 sogar vollständig verwendet werden. Die Quelle muss angegeben werden.

Besonderheiten: Unterrichtswerke und Musiknoten

Auf Unterrichtswerke wie Schulbücher und Arbeitshefte sowie auf Musiknoten ist § 60a UrhG nicht anwendbar. Allerdings gibt der „Gesamtvertrag Vervielfältigung an Schulen“ hier ein Nutzungsrecht für den eigenen Unterricht: Es dürfen 15% (max. 20 Seiten) aus einem analogen Unterrichtswerk digital vervielfältigt werden (wozu auch das Abfotografieren oder -filmen fällt), allerdings nur, wenn das Unterrichtswerk ab dem Jahr 2005 erschienen ist (ältere Unterrichtwerke dürfen nur analog vervielfältigt werden). Eine vollständige Nutzung von Unterrichtswerken ist immer ausgeschlossen. Musiknoten im Umfang von maximal 6 Seiten dürfen vollständig genutzt werden.

Besonderheiten: Kurzen Schriftwerke und Zeitungsartikel

Schriftwerke (sofern es keine Unterrichtswerke sind) dürfen vollständig genutzt werden, wenn sie maximal 20 Seiten umfassen. Einzelne Beiträge aus Tageszeitungen und Publikumszeitschriften kann die Lehrkraft für den eigenen Unterricht ebenfalls vollständig verwenden. Pro Schuljahr und Schulklasse darf ein Werk maximal in dem genannten Umfang genutzt werden. Die Quelle muss auch hier angegeben werden.

 
 

Nutzung von Streaming-Plattformen

Manche Lehrkräfte gehen einen anderen Weg und posten Videos auf Streaming-Plattformen. Hier werden Inhalte nicht nur für den eigenen Unterricht und die eigene Klasse zur Verfügung gestellt, sie sind auch durch andere einsehbar. In diesem Fall greift bei Fremdinhalten der volle Urheberrechtsschutz.

Lizenzangaben

Der Schöpfer des Werkes (Autor, Fotograf etc.) entscheidet, ob sein Werk von Dritten verwendet werden darf und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Hier ist genau auf die Lizenzangabe zu achten (Lässt diese eine Nutzung für den vorgesehenen Zweck zu? Ist die Quelle anzugeben?). Im Zweifel kann das Werk nicht verwendet werden.

Die folgenden Infoportal-Beiträge befassen sich mit freien Inhalten im Netz und Creative-Commons-Lizenzen:

Freie Inhalte im Netz
Quellenangaben – Best Practice

Weitere rechtliche Bestimmungen

Neben urheberrechtlichen Aspekten müssen auf Streamingplattformen auch andere rechtliche Bestimmungen beachtet werden. Mehr Informationen dazu finden Sie im folgenden Infoportal-Beitrag:

Online-Angebote rechtssicher in der Schule nutzen

© istock.com / Anastasiia_New

© istock.com / Anastasiia_New

 

Tipps

  • Vor dem Ein­stellen von Videos in die mebis Lern­platt­form empfiehlt es sich, die Video­größe zu redu­zieren. Auf diese Weise kann das Video von Lernenden mit un­güns­tigerer Internet­anbindung reibungs­loser betrachtet werden.
  • Über die Rückwärts-Suche einer Inter­net­such­maschine kann bestä­tigt werden, ob ein Werk auf anderen Internet­seiten mit derselben Lizenz­angabe versehen ist. Wenn es Wider­sprüche gibt, sollte man das Werk nicht verwenden. Das gilt auch, wenn man andere Zwei­fel hat, z.B. wenn ein hoch­wertiges Video unter einen Fake-Namen hochgeladen wurde.
  • Veröffentlichung
  • 15. Mai 2020
  • Letzte Änderung
  • 1. Dezember 2020
  • Empfohlene Zitierweise
  • mebis-Redaktion (2020), Erklärvideos, in: mebis – Landesmedienzentrum Bayern, URL: <https://www.mebis.bayern.de/p/46644> (1. Dezember 2020).
  • Lizenzangaben
  • Beitragsbild: © istock.com / MuchMania (bearbeitet)