JIM-Studie 2018

Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) zum Medienumgangs der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland

 

Seit 20 Jahren untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) mit der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) den Medienumgang von Jugendlichen in Deutschland. Die Studienreihe JIM wird vom mpfs seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt.  Für die Befragung wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Frühsommer 2018 telefonisch befragt. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK).

Die JIM-Studie 2018 gibt einen Überblick über die mediale Haushaltsausstattung, den Gerätebesitz der Jugendlichen sowie deren Nutzungsverhalten. Neben der Untersuchung quantitativer Aspekte werden auch inhaltliche Gesichtspunkte der Mediennutzung konturiert. Ergänzende Themen in der diesjährigen Studie bilden das Vertrauen in Nachrichtenangebote, ausgewählte Aspekte der Smartphonenutzung sowie die Phänomene Cyber-Mobbing und Hassbotschaften im Internet. In einem Sonderteil „20 Jahre JIM-Studie“ findet sich eine Zusammenschau zentraler Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte, in welcher die tiefgreifende Durchdringung der Lebenswelt der Heranwachsenden mit (digitalen) Medien prägnant dargelegt wird.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Gerätebesitz Jugendlicher
Beim Gerätebesitz der Jugendlichen zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr kaum Unterschiede. Mit 97 Prozent besitzen annähernd alle Jugendlichen ein eigenes Smartphone. Das multifunktionale Gerät ist damit für Mädchen wie Jugend zum Standard geworden. Die deutlichsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich beim Besitz fester Spielekonsolen (61 % der Jungen, 30 % der Mädchen) und Computern (45 % der Jungen, 16 % der Mädchen). Ansonsten sind die Zugangsmöglichkeiten zu den verschiedenen Medien(angeboten) annähernd gleich verteilt.

Freizeitaktivitäten
Nach wie vor steht das Treffen mit Freunden an erster Stelle der nonmedialen Freizeitaktivitäten. Gleichwohl ist festzustellen, dass in den letzten zehn Jahren der Anteil der Jugendlichen, die angeben, sich regelmäßig mit Freunden zu treffen, um 17 Prozentpunkte zurückgegangen ist. Demgegenüber hat jedoch die Bedeutung von Familienunternehmungen um 16 Prozentpunkte zugenommen.
Fast alle Mädchen und Jungen nutzen täglich oder mehrmals pro Woche ihr Smartphone und gehen ins Internet. Bei digitalen Spielen zeigt sich – wie in den vergangenen Jahren auch – eine deutliche Präferenz der Jungen. Mädchen hingegen lesen häufiger, hören öfter Radio, sehen mehr fern und zeigen eine stärkere Affinität zur Nutzung von Streaming-Diensten. Im Vergleich zum Vorjahr wird deutlich, dass Online-Videos (von 86 % zu 90 %) sowie Streaming-Dienste (von 38 % zu 62 %) weiter an Bedeutung gewonnen haben, klassische Medienbeschäftigungen wie zum Beispiel das Fernsehen (73 %) und Radio (70 %) auch im letzten Jahr etwas zurückgegangen sind. Interessant ist, dass sich auch die Tabletnutzung von 31 auf 24 Prozent reduziert hat. Die Bedeutung des Bücherlesens hat sich in den letzten Jahren dagegen kaum verändert. Jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge liest regelmäßig in der Freizeit Bücher. E-Books konnten sich auch im Jahr 2018 bei Jugendlichen nicht durchsetzen; nur 7 Prozent lesen regelmäßig E-Books.
Ihre tägliche Onlinenutzung geben die Befragten mit 214 Minuten an Werktagen (Montag bis Freitag) an. Im Jahr 2017 lag die selbstgeschätzte Nutzungsdauer noch sieben Minuten höher. Wie im vergangenen Jahr sind auch 2018 die 16- und 17-Jährigen mit 234 Minuten am längsten im Internet. Gymnasiasten sind durchschnittlich eine dreiviertel Stunde weniger im Netz als Jugendliche anderer Schularten.

Aspekte der Internetnutzung
Nach wie vor geben die Jugendlichen an, das Internet zu 35 Prozent zu kommunikativen Zwecken zu nutzen. Der Bereich der Unterhaltung folgt an zweiter Stelle mit 31 Prozent. 24 Prozent der Online-Zeit entfällt durchschnittlich auf Spiele – wobei sich hier deutliche Unterschiede zwischen Jungen (33 %) und Mädchen (10 %) zeigen; Mädchen verbringen demgegenüber deutlich mehr Zeit mit Kommunikation (41 %). Lediglich zehn Prozent der Zeit wird im Durchschnitt für die Informationsrecherche verwendet. In einer längerfristigen Perspektive über die letzten Jahre hinweg zeigt sich, dass die Zeit, welche Jugendliche für Spiele und Unterhaltung aufwenden, stetig zunimmt.
Mit Blick auf die beliebtesten Apps und Angebote zeigt sich, dass der Messenger-Dienst WhatsApp von 95 Prozent der 12- bis 19-Jährigen regelmäßig verwendet wird. Im Durchschnitt erhält jeder Jugendliche pro Tag 36 Nachrichten. An zweiter Stelle steht Instagram (67 % im Vergleich zu 57 % im Jahr 2017), gefolgt von Snapchat (54 % im Vergleich zu 49 % im Jahr 2017). Facebook wird hingegen nur noch von 15 Prozent der Befragten regelmäßig frequentiert.
Das Video-Portal YouTube erfreut sich sehr großer Beliebtheit und wird von 90 Prozent der Jugendlichen mindestens mehrmals pro Woche genutzt, 64 Prozent besuchen die Seite täglich. Der Zugang erfolgt dabei vor allem über das Smartphone. Musik-Videos sind die beliebtesten YouTube-Inhalte, gefolgt von lustigen Clips, Comedy bzw. unterhaltsamen Videos von YouTubern und Videos zu digitalen Spielen. YouTube wird von ca. zwei Dritteln der Befragten auch regelmäßig als Informationsquelle bemüht.
Knapp drei Fünftel der Jugendlichen nutzen regelmäßig digitale Spielmöglichkeiten, wobei Spiele auf dem Smartphone die größte Relevanz im Medienalltag der Mädchen und Jungen haben.

Vertrauen in Nachrichtenangebote
Die JIM-Studie 2018 befragte die Jugendlichen auch hinsichtlich ihres Vertrauens in verschiedene Nachrichtenformate. Die Tagesschau bzw. die Tagesthemen der ARD werden als vertrauenswürdigste Angebote eingeschätzt. Danach folgen regionale Print-Tageszeitungen sowie öffentlich-rechtliche Radiosender. Unterschiede zeigen sich hinsichtlich des Bildungshintergrunds der Heranwachsenden; Mädchen und Jungen mit formal höherem Bildungsniveau zeigen ein größeres Vertrauen in Qualitätsjournalismus.

Hassbotschaften im Internet
Ein Fünftel der 12- bis 19-Jährigen gibt an, häufig mit Hassbotschaften in Berührung gekommen zu sein. 17 Prozent berichten von gelegentlichen Feindseligkeiten im Internet, gut einem Viertel begegnet dies selten. Als Medien für Hassbotschaften werden am häufigsten YouTube und Instagram, seltener auch Facebook, WhatsApp, Twitter und Online-Spiele genannt.

Längerfristige Entwicklungstendenzen
Nimmt man die JIM-Studien der letzten 20 Jahre vergleichend in den Blick, zeigt sich auf der einen Seite der dynamische, sich beschleunigende Wandel der Technologie und die damit einhergehende rasche Durchdringung der Lebenswelt der Jugendlichen mit „neuen“ Medien. Die Heranwachsenden eignen sich aktuelle Angebote und Techniken zügig an und integrieren diese in ihren (Medien-)Alltag. Andererseits erweisen sich gleichzeitig viele Nutzungsmuster und -motive als erstaunlich stabil. Deutlich wird dies beispielsweise bei der Betrachtung des Leseverhaltens oder der Fernsehnutzung.

Empfehlung für Pädagoginnen und Pädagogen
Die Verfasserinnen und Verfasser der JIM-Studie 2018 verweisen darauf, dass es für Erziehende nicht in erster Linie darum gehe, die jeweils neusten Angebote souverän bedienen zu können und diese selbst im Alltag zu nutzen. Vielmehr ist die Fokussierung auf die Bedürfnisse der Heranwachsende sowie auf deren Motive für das Medienhandeln anzuraten. Diese müssten auf Grundlage einer reflektierten Haltung der Pädagoginnen und Pädagogen, welche die neuesten Entwicklungen im Blick hat, in der pädagogischen Arbeit berücksichtigt und auf dieser Basis Medienkompetenz vermittelt werden.

  • Stand
  • 3. Dezember 2018