DIVSI U-25-Studie (2018)

„Euphorie war gestern. Die ‚Generation Internet‘ zwischen Glück und Abhängigkeit“ – Eine Grundlagenstudie des SINUS-Instituts Heidelberg im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

Für die Studie wurden 1.730 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren befragt. 99 Prozent der Befragten halten sich täglich und vielfältig im Internet auf.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Untersuchung macht deutlich – wie bereits andere Studien auch -, dass die Nutzung von Smartphones und mobilem Internet im Jahr 2018 in der Altersgruppe der Befragten eine Selbstverständlichkeit ist. 99 Prozent sind mittlerweile jeden Tag im Internet; im Vergleich zum Jahr 2014 entspricht dies einem Zuwachs von 28 Prozentpunkten. Inzwischen besitzen nur 0,2 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland kein Smartphone.
68 Prozent der Befragten geben an, dass ein internetfreies Leben für sie nicht vorstellbar sei. Etwa ebenso viele gehen so weit, dass sie von sich behaupten, das Internet mache sie glücklich. Mit 64 Prozent geben aber gleichzeitig vergleichbar viele an, dass sie das Gefühl haben, Zeit im Internet zu verschwenden. Die Angst vor Internetsucht ist stark ausgeprägt. Fast ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen hat Sorge, selbst „internetsüchtig“ zu sein.
Diese und andere Ergebnisse der Studie zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland mögliche Herausforderungen, Probleme und Gefahren der Omnipräsenz des Digitalen durchaus wahrnehmen. Interessant ist in diesem Kontext etwa, dass 41 Prozent der Befragten die Vorstellung Angst macht, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann. 2014 gab dies nur gut ein Fünftel an.
Eine deutliche Änderung im Vergleich zur DIVSI-Studie U25 aus dem Jahr 2014 zeigt sich auch in der Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien. 99 Prozent der Befragten nutzt den Messenger-Dienst WhatsApp, Facebook verliert hingegen in dieser Altersgruppe weiter an Bedeutung. Instagram wird mittlerweile intensiver frequentiert als Facebook. Dabei spielt die Präsentation der eigenen Person nicht bei allen eine große Rolle; 54 Prozent posten selten oder nie etwas. Etwa zwei Drittel nehmen eine Kultur der Beleidigung im Internet wahr. Dies ist auch für ein Drittel der Befragten der Grund, selbst nichts zu posten.
Von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird das Internet als „Blackbox“ wahrgenommen. Sie fürchten Falschinformationen wie auch Angriffe auf die eigene Identität. Dabei wissen sie oftmals nicht, wovon sie persönlich eigentlich schon betroffen waren. Meisten verfügen sie auch über geringe Kenntnisse zu Sicherheitsmaßnahmen, welche auch zunehmend selten ergriffen werden – ein angesichts der gestiegenen Risikowahrnehmung durchaus bemerkenswerter Befund.
Die Autorinnen und Autoren entlarven darüber hinaus die Vorstellung, die Heranwachsenden von heute seien „Digital Natives“, als Mythos. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst weisen die Vorstellung zurück, dass sie sich ohne weitere Anstrengungen souverän in der digitalen Welt bewegen könnten. Vielmehr nehmen sie die tiefgreifende digitale Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt wahr und wünschen sich, darauf vorbereitet zu werden. Jedoch geben sie an, dass sie sich das, was sie über das Internet wissen, zu 71 Prozent selbst beigebracht haben. Auch der Gruppe der Peers kommt mit 59 Prozent ein recht hoher Stellenwert im Medienkompetenzerwerb zu. Die Eltern (33 Prozent), Verwandten (19 Prozent) und Lehrkräfte (18 Prozent) spielen hingegen in der Wahrnehmung der Befragten diesbezüglich eine nachgeordnete Rolle.
Über zwei Drittel der Befragten fühlen sich von der Schule demgemäß auch nicht hinreichend auf das digitale Morgen vorbereitet. Insbesondere das Thema Schutz der Privatsphäre und andere Sicherheitsaspekte müssten ihrer Meinung nach im schulischen Kontext stärker fokussiert werden. Im Vergleich dazu nehmen die 14- bis 17-Jährigen die Schule positiver war; knapp die Hälfte von ihnen gibt an, dass das Thema Sicherheit im Internet dort wichtig ist.

DIVSI Internet-Milieus U25

Die Studie macht zudem deutlich, dass heute alle 14- bis 24-Jährigen online sind; 99 Prozent sind täglich im Internet, 27 Prozent geben sogar an, „always on“ zu sein. Für 85 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zudem das Internet für das Lernen wichtig. Doch auch wenn sich innerhalb dieser Altersgruppe nur relative geringe Unterschiede hinsichtlich der Intensität der Nutzung zeigen, differenziert sie sich gleichwohl entschieden bezüglich der Einstellungen und Nutzungsweisen aus.
Die Verfasserinnen und Verfasser identifizieren insgesamt sieben verschiedene Internet-Milieus, die sich in ihrer jeweiligen Lebenswelt, ihrer Zugangsweisen zum Netz, der subjektiven Souveränität im Umgang mit dem Internet und ihrer Einstellungen zu Vertrauen und Sicherheit zu Online-Angeboten unterscheiden. Bildungsunterschiede spiegeln sich dabei in der Art und Weise, wie Medien genutzt werden, deutlich wider.
Im Vergleich zur vorangehenden Studie aus dem Jahr 2014 entfällt mittlerweile die Gruppe der Offliner. Die Notwendigkeit der Internetnutzung als Möglichkeit bzw. Bedingung für Teilhabe ist den 14- bis 24-Jährigen deutlich bewusst. Insgesamt differenzierte sich in den vergangenen Jahren jedoch die positive Einstellung zum Internet aus. So stehen die sog. „Souveränen“ dem Internet zwar grundsätzlich begeistert gegenüber, reflektieren aber gleichzeitig negative Aspekte durchaus intensiv. Die „Verantwortungsbedachten“ und „Skeptiker“ nutzen das Internet zwar auch selbstverständlich und hochfrequent, haben aber deutlich größere Bedenken und ein ausgeprägteres Misstrauensgefühl.
Für die pädagogische Arbeit innerhalb und außerhalb der Schule können die DIVSI Internet-Milieus U25 hilfreich sein, um die Heterogenität einer (Lern-)Gruppe mit ihren vielfältigen internetbezogenen Einstellungen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen zu reflektieren, pädagogische Schlüsse daraus zu ziehen und Folgerungen für den Medienkompetenzerwerb abzuleiten.

Digitale Lebenswelten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen - Die DIVSI Internet-Milieus U25

  • Verantwortungsbedachte (10 Prozent)
  • Skeptiker (16 Prozent)
  • Pragmatische (19 Prozent)
  • Unbekümmerte (20 Prozent)
  • Enthusiasten (23 Prozent)
  • Souveräne (12 Prozent)
  • Stand
  • 3. Dezember 2018