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Lernwirksamkeit von Peer Assessment | Eine Metaanalyse

Lehrkräfte haben neben vielen anderen Aufgaben im Unterricht auch die, Lernenden Rückmeldungen über deren Lernfortschritte zu geben. Geben sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig Rückmeldung spricht man oft von Peer Assessment, Peer Feedback oder Peer Review. Die Wirksamkeit solcher Methoden wurde von Double, McGrane und Hopfenbeck in der hier vorgestellten Metaanalyse untersucht. Dabei wird Peer Assessment als übergreifende Bezeichnung für Methoden, bei denen Peers wechselseitig Feedback zu ihren Lernfortschritten geben, verwendet. Auch die Frage, welche Methoden für einen Einsatz im Unterricht geeignet sind, wird nachgegangen.

  Aufbau der Metaanalyse

  Ergebnisse der Metaanalyse

  Fazit für die Praxis

Schulkinder nutzen ein Tablet

Wie lernwirksam ist Peer Assessment im Unterricht?

Das Clearing House Unterricht hat die Metaanalyse geprüft und in einem Kurzreview aufgearbeitet.

Aufbau der Metaanalyse

Im Fokus der Metaanalyse liegt die Wirksamkeit von Peer Assessment auf die Lernleistung von Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu andern Formen der Rückmeldung (z.B. durch die Lehrkraft).  Die dabei betrachtete Zielgruppe umfasste Lernende der Primar- und Sekundarstufe sowie Studierende.

Für die Analyse zogen Double Kolleginnen und Kollegen 55 (quasi-)experimentelle Einzelstudien mit insgesamt 144 Effektstärken aus dem Zeitraum 1966 bis 2018 heran. In den verarbeiteten Studien würde Peer Assessment auf unterschiedlichste Weise in den Unterricht einer Lerngruppe integriert und immer mit einer Kontrollgruppe verglichen, die entweder keine Rückmeldung zu ihrer Leistung, Rückmeldung durch die Lehrkraft oder gar keine Rückmeldungen erhielt.

Die verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten von Peer Assessment werden von den Autorinnen und Autoren der Metaanalyse nach den folgenden Kriterien kategorisiert.

Rolle

Welche Rolle können Lernende im Prozess einnehmen? Bewertend oder Bewertet oder beides.

Typ

Häufige Formen sind Benotung, mündlicher Austausch und Beurteilungen in schriftlicher Form. Auch verschiedene Kombinationen sind möglich.

Unterstützung

Hierunter fallen z.b. Kriterienkataloge, Bewertungsschemata, Notensysteme und ähnliches.

Anonymität

Dies betrifft nicht nur die Frage der Anonymität der Bewertung, sondern auch die Frage der Zuteilung von Bewertenden und Bewerteten.

Häufigkeit

Die Ausprägungen reichen hier von der einmaligen bis zur regelmäßigen Nutzung.

 

Ergebnisse der Metaanalyse

Insgesamt kommt die Analyse zu dem Ergebnis, dass Schülerinnen und Schüler vom Einsatz von Peer Assessment im Unterricht profitieren. Im Vergleich zu den Kontrollgruppen ohne Peer Assessment konnte ein positiver Gesamteffekt mit einer Effektstärke von g=0,31 auf die Schulleistung festgestellt werden. Eine fokussierte Betrachtung der Sekundarstufe ergab sogar eine Effektstärke von g=0,44.

Im Vergleich zu den Kontrollgruppen mit Bewertung durch die Lehrkraft bzw. ohne Bewertung konnten ebenfalls signifikant bessere Lernleistungen festgestellt werden. Gegenüber den Kontrollgruppen mit Selbstbewertung konnte dies jedoch nicht bestätigt werden.

 

Fazit für die Praxis

Die Metaanalyse erlaubt die Vermutung, dass der Einsatz von Peer Assessment im Unterricht lernförderliche Auswirkungen haben kann. Die positiven Auswirkungen sind über Zielgruppen, Fächer und andere Einflussfaktoren hinweg stabil. Das Clearing House Unterricht weist aber auch darauf hin, dass festzustellen ist, dass die vorliegenden Forschungsergebnisse zu Peer Assessment noch recht unspezifisch sind.

Metaanalyse

Hier finden Sie die gesamte Metaanalyse von Double, McGrane und Hopfenbeck.

  • Veröffentlichung
  • 27. Mai 2022
  • Letzte Änderung
  • 30. Mai 2022
  • Empfohlene Zitierweise
  • mebis-Redaktion (2022), Lernwirksamkeit von Peer Assessment | Eine Metaanalyse, in: mebis – Landesmedienzentrum Bayern, URL: <https://www.mebis.bayern.de/p/79685> (30. Mai 2022).
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  • Beitragsbild: © istock.com / lisagagne