Vorlese-Funktion

Differenzieren in der Praxis

In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick zu Umsetzung­s­möglichkeiten der inneren Differenzierung in der Unterrichts­praxis. Begleitend dazu werden Ihnen konkrete Beispiele zur Realisierung mit der mebis Lernplattform vorgestellt.

Welche grundsätzlichen Möglichkeiten bieten sich an?
Allgemeine Empfehlungen

Umfang, Niveaus, Inhalte und Interessen
Inhaltliche Differenzierung

Lernwege, Unterrichtsformen und Sozialformen
Methodische Differenzierung

Wie setzen andere das in mebis um?
Beispiele aus teachSHARE-Kursen

Schülerin und Schüler an Laptops

Thema im Fokus

Eine allgemeine Einführung ins Thema Differen­zieren mit digitalen Medien erhalten Sie im Basisbeitrag. Über den nachfolgenden Link gelangen Sie zur Überblicksseite mit allen Beiträgen dieses Themas im Fokus.

Allgemeine Empfehlungen

Die folgenden allgemeinen Empfehlungen aus der Fachliteratur können als erste Anhaltspunkte bei der praktischen Umsetzung der Differenzierung im Unterricht dienen:

  • Lerninhalt: Alle Kinder widmen sich trotz unterschiedlicher Differenzierungsgruppen im Regelunterricht demselben Lerninhalt.
  • Lernhilfen sind so gestaltet, dass alle Kinder angemessen lernen können.
  • Unterrichtsplanung: Differenzierte Lernaufgaben sind in den Unterricht eingebettet.
  • Förderbedarf: Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen die Unterstützung des Lehrenden besonders.

(Rohlfs 2008 in Haag, Individuelle Förderung)

Zur konkreten Umsetzung in der mebis Lernplattform eignen sich insbesondere die folgenden Möglichkeiten:

  • Eingangstests zur Diagnose des Leistungsstandes der Lernenden
  • Aufgaben entsprechend der Eingangsdiagnose
  • Differenzierte Hilfestellungen innerhalb des Lernprogramms
  • Übungen, die sich am aktuellen Leistungsstand orientieren und den individuellen Lernvoraussetzungen entsprechen
  • Rückmeldungen (persönlich oder automatisiert) über den individuellen Lernfortschritt – die Lehrkraft behält den Überblick über Lernfortschritt

Besonders gut verfolgen lässt sich der Lernfortschritt durch den Einsatz von Lerntagebüchern oder Portfolios, die auch Schülerinnen und Schülern einen guten Überblick über ihre individuelle Ge­staltung der Aufgabe geben. Das ist in der mebis Lernplattform etwa über die Aktivität Tagebuch umsetzbar.

© istock.com / illusart

© istock.com / illusart

 
 

  Verschiedene Ansätze

Die Ausgestaltung der innerer Differen­zierung kann in der Praxis in einigen Variationen eingesetzt werden. Dazu erhalten Sie in den nächsten beiden Abschnitten einige Anregungen.

nach Umfang, Niveau, Inhalt, Interesse:

nach Lernweg, Unterrichts- u. Sozialform:

Inhaltliche Differenzierung

Umfang des Lerninhalts

Bei dieser Form der inneren Differenzierung wird ausschließlich nach dem Lerntempo differenziert. Schnellere Schülerinnen und Schüler können etwa durch kreative Zusatzaufgaben dazu motiviert werden, auch weiterhin schnell zu arbeiten.

  mebis: Bedingte Verfügbarkeit

Solche Zusatzaufgaben lassen sich in der mebis Lernplattform über die Bedingte Verfügbarkeit umsetzen: Die Zusatzaufgaben werden freigeschaltet, sobald die Pflichtaufgaben erfüllt wurden.

 

Anforderungsniveaus

Die bekannteste Form der inneren Differenzierung ist die der Aufteilung der Aufgaben nach Kompetenzstufen:

  1. Mindeststandard
  2. Regelstandard
  3. Expertenstandard
  mebis: Arbeiten mit Gruppen

Für die Einteilung der Lernenden entsprechend der Kompetenzstufen bietet sich eine vorherige Analyse des Vorwissens durch die Lehrkraft an. In der mebis Lernplattform können den Schülerinnen und Schülern über die Einteilung in entsprechende Gruppen unterschiedliche Aufgaben angezeigt werden.

  mebis: Gestufte Hilfen

Eine weitere Form der Differenzierung nach Anforderungsniveau ist das Angebot unterschiedlicher Hilfen bei gleicher Aufgabenstellung. Gestufte Hilfen begleiten bei der Erarbeitung einer Lösung, indem sie die Aufgabe beispielsweise besser strukturieren. Diese können von Lehrenden beispielweise in H5P-Aufgaben als Feedback oder als Informationen vorab eingestellt werden. Kursweit können gestufte Hilfen auch über die Aktivität Glossar angeboten werden. Zu dieser Methode finden Sie einen eigenen Beitrag in diesem Thema im Fokus!

 

Inhalte und Interessen

Die Möglichkeit der eigenständigen Auswahl von Themen unterstützt die Schülerinnen und Schüler in ihrem Autonomie­­erleben und erhöht gleichzeitig deren Motivation. Außerdem kann so der lebenswelt­orientierte Anwendungs­bezug passgenauer hergestellt werden. Bei der Differen­zierung nach Inhalten rückt der Kompetenz­erwerb in den Vordergrund.

Beispiel: Fördern der Recherchekompetenz

Als Beispiel für die inhaltsorientierte Differenzierung beim Kompetenzerwerb sei die Förderung der Recherchekompetenz genannt: Das Internet bietet hierzu Zugriff auf eine Fülle unterschiedlicher Quellen, wie Texte, Blogs oder Videos. Durch die Notwendigkeit auch den Wahrheitsgehalt dieser Quellen bewerten zu müssen, wird zugleich ein wesentliches Element der Medienkompetenz geschult.

Tipp: Gerade in niedrigeren Jahrgangsstufen ist es sinnvoll einen definierten Pool an Materialien in einem Kursraum der mebis Lernplattform bereitzustellen. Mit diesem können die Lernenden gezielt arbeiten, ohne den Überblick zu verlieren.

Diagramm
Inhaltliche Differenzierung (Beispiele)
 

Praxisbeispiele

Zu jedem der genannten Aspekte finden Sie konkrete Hinweise zur Umsetzung mit der mebis Lernplattform. Klicken Sie dazu jeweils auf das  Plus-Symbol .

 

Screenshots

Screenshot Bedingte Verfügbarkeit
Bedingte Verfügbarkeit (Kursansicht)
 
Screenshot Bedingte Verfügbarkeit
Bedingte Verfügbarkeit (Einstellung)
 

Links

Methodische Differenzierung

Lernwege und Zugangsweisen

Das Angebot verschiedener Lernwege lässt sich mit digitalen Medien besonders gut umsetzen, weil digitale Geräte multimediale Repräsentationen von Inhalten ermöglichen: Je nach Vorliebe der Schülerinnen und Schüler können Inhalte beispielsweise auditiv oder visuell präsentiert werden. Das Zulassen unterschiedlicher Zugangsweisen unterstützt sie gleichzeitig dabei, eigene Lernwege zu entdecken.

  Beispiel: Nutzen der Vorlese-Funktion

Einige Webseiten oder Browser-Plugins bieten einen Screenreader für einen barrierefreien Zugang an. Dieses Werkzeug kann auch zur Differenzierung genutzt werden, um geschriebenen Texte in gesprochene Texte umzuwandeln. Teilweise lassen sich diese zudem als Audiodateien abspeichern und können anschließend etwa in der mebis Lernplattform weiter verwendet werden.

Beispiel (Screenshot): Die Vorlesefunktion im mebis Infoportal wird über das Markieren eines Textabschnitts aktiviert.

  Beispiel: Mindmap

Durch die Gestaltung der Aufgaben kann die Lehrkraft die Lernenden auch dazu anregen, eine eigene Zugangsweise zum Lernstoff zu erhalten. Das Gestalten einer Mind-Map unterstützt z. B. bei der eigenständigen Konstruktion von Zusammenhängen zwischen den Lerninhalten.

 

Unterrichtsformen

Durch Differenzierung im Unterricht werden Phasen synchronen Lernens zwangsläufig reduziert. Das ermöglicht neue Formen des Unterrichts. Die Vielfalt an alternativen Unterrichtsformen abzubilden würde hier den Rahmen sprengen. Exemplarisch werden zwei Methoden in Grundzügen vorgestellt:

  Beispiel: Freiarbeit · Lernzirkel

Bei der Freiarbeit wird den Schülerinnen und Schülern die Freiheit gegeben, selbst die Sozialform, das Material und das Lerntempo zu wählen. Lernplattformen bieten hierbei die Möglichkeit, Material in einzelnen Abschnitten zu präsentieren und so zu gliedern. Dabei kann den Lernenden die Autonomie gegeben werden, den Lernprozess selbst zu kontrollieren. Nach Bearbeitung der Aufgaben können in mebis Lösungen automatisiert zur eigenständigen Kontrolle zur Verfügung gestellt werden. Zur Erledigung der Aufgaben wird ein Zeitraum vorgegeben, in dem das Material vollständig bearbeitet sein muss.

Beim Lernzirkel kann es neben Pflichtstationen auch Freiarbeitsstationen geben. So wird ein Mindeststandard sichergestellt, aber auch den unterschiedlichen Lernendenbedürfnissen Rechnung getragen.

  Beispiel: Lernen durch Lehren

In dieser fortgeschrittenen Unterrichtsform tritt die Lehrkraft stark in den Hintergrund, während die Lernenden deutlich aktiver sind. Die Lernenden schlüpfen phasenweise in die Rolle des Lehrenden, mit Expertenstatus. So können die Schülerinnen und Schüler neben fachlichen Kompetenzen auch ihre methodischen und sozialen Kompetenzen weiterentwickeln.

Die Aufgabe der Lehrkraft besteht im Vorfeld darin, die Lernenden dabei zu unterstützen, sich mit bereitgestelltem Material Inhalte anzueignen und diese dann einem anderen Teil der Klasse zu vermitteln. In der Präsentationsphase kann die Lehrkraft sich ganz auf die Aufgabe der Beobachtung konzentrieren und im Anschluss detailliertes Feedback geben.

 

Sozialformen

Unterschiedliche Sozialformen helfen Lernenden in wechselnden Phasen Beziehungen zu anderen aufzubauen und sich zur Festigung über das Gelernte auszutauschen. Kollaborative Arbeitsphasen können sich dabei mit Einzel­arbeits­phasen abwechseln. Die klassische Unterscheidung nach Sozialform ist:

  • Einzelarbeit
  • Partnerarbeit
  • Gruppenarbeit
  Gruppenarbeit: Fördern von Bildungszielen

In Gruppenarbeitsphasen werden weitere Bildungsziele – wie im Lehrplan gefordert – erfüllt, indem die Lernenden mit anderen kooperieren und kommunizieren und sich zusammen mit anderen mit der dinglichen Umwelt auseinandersetzen. Vor allem kompetenzorientierte, offene Aufgaben, ermöglichen „den Schülerinnen und Schülern dabei individuelle Zugänge, lassen vielfältige Lösungswege zu, weisen lebensweltorientierte Anwendungsbezüge auf und schaffen Anlässe für Kommunikation und Reflexion“. (Lehrplan Plus – Bildungs- und Erziehungsauftrag der Mittelschule)

Diagramm
Methodische Differenzierung (Beispiele)
 

Praxisbeispiele

Zu jedem der genannten Aspekte finden Sie konkrete Hinweise zur Umsetzung mit der mebis Lernplattform. Klicken Sie dazu jeweils auf das  Plus-Symbol .

 

Gestaltungs-Tipps

Das didaktische Design eines Online-Lernangebots trägt maßgeblich zu seiner Lern­förder­lich­keit bei.

Grundlegende Informationen zu diesem Thema sowie die zugrunde­liegenden Lerntheorien finden Sie im folgenden Beitrag. Dort werden konkrete Gestaltungs­prinzipien für Online-Lernagebote vorgestellt:

Beispiele aus teachSHARE-Kursen

In mebis teachSHARE sind über 1000 Kursvorlagen zu finden, die für den eigenen Unterricht kopiert und angepasst werden können. Aus der Fülle der Kurse haben wir einige herausgesucht, die sich beispielhaft zur Illustration von Differenzierung mit digitalen Medien eignen. Eine ausführliche Kursvorstellung finden Sie anbei verlinkt.

Kursüberblick nach Differenzierungsart

  Blütenaufgabe  → Anforderungsniveaus

Die Blütenaufgabe ist eine anforderungs­gestufte Aufgabenform, die sich durch eine Reihe von Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zu einem gemeinsamen Kontext auszeichnet. Wie man eine solche, gewissermaßen selbst differenzierende Blütenaufgabe gewinnbringend mit einem mebis-Kurs umsetzt, wird in der Kursvorstellung anhand des Themas „Erste Rechnungen mit Ganzen Zahlen an der Zahlengerade“ dargestellt.

  Karikatur: Die gute Presse  → Lerntempo

Der teachSHARE-Kurs Karikatur: Die neue Presse setzt sich mit der Zensur durch Fürsten in der Zeit des Vormärz auseinander. Die Lernenden ordnen Bildelemente und ihre Deutung richtig an, beschreiben die Karikatur und interpretieren diese schließlich.

Um Schnelleren eine sinnvolle Beschäftigung nach Erledigung der Pflichtaufgabe zu ermöglichen, wird nach Lerntempo differenziert. Die zusätzliche Aufgabe steht dabei nicht losgelöst im Raum, sondern kann in der folgenden allgemeinen Diskussion als wertvoller Diskussionsanlass für die gesamte Klasse genutzt werden. Lehrkräfte können außerdem durch die produzierten Texte eine individualisierte Lernfortschrittsanalyse durchführen.

  Versuchsprotokoll  → Gestufte Hilfen (H5P)

Die Einzelaktivität Versuchsprotokoll mit gestuften Hilfen ist ein interaktives Video (H5P), das mit Fragestellungen versehen ist. Es ist ein Baustein zur Demonstration der Umsetzung gestufter Hilfen innerhalb einer digitalen Lernaufgabe.

Die Aktivität begleitet bei der Erstellung eines Versuchsprotokolls. Je nach Vorwissen über Versuchsprotokolle kann das interaktive Video inklusive gestufter Hilfen von Lernenden ohne zusätzliche Hinweise vollständig bearbeitet werden.

  Zwei Chemie-Kurse  → Gestufte Hilfen (Glossar)

Die beiden Chemie-Kurse Radikalische Substitution und Säuren und Basen dienen als Beispiel zur Umsetzung gestufter Hilfen über die Lernplatt­form­aktivität „Glossar“ in Verbindung mit automatischer Verlinkung.

Zu einer Aufgabe oder Problem­stellung werden unterschiedliche Hilfen als optionales Angebot vorbereitet. Lernende können so den für sie passenden Grad an Unter­stützung wählen und sich beispiels­weise sukzessive von Hilfe zu Hilfe bis zur Gesamt­lösung vorarbeiten. Die Methode wird im verlinkten Infoportal-Beitrag ausführlich vorgestellt und ist auf alle Fächer anwendbar.

  Ägypten  → Lerntempo / Anforderungsniveau

Der Kurs gibt einen Überblick über die Hochkultur Ägyptens. Zwischendurch haben die Lernenden die Möglichkeit, durch kurze Erklärvideo-Clips zu erfahren, wie sie die Aufgaben lösen können. Das ermöglicht ein selbstgesteuertes Lernen mit individuellem Lerntempo. Differenzierung erfolgt zudem über Zusatzaufgaben und Differenzierung im Anforderungsniveau der Aufgaben.

  • Autor/in
  • mebis Redakteure
  • Veröffentlichung
  • 15. März 2021
  • Letzte Änderung
  • 26. März 2021
  • Empfohlene Zitierweise
  • mebis Redakteure (2021), Differenzieren in der Praxis, in: mebis – Landesmedienzentrum Bayern, URL: <https://www.mebis.bayern.de/p/55642> (26. März 2021).
  • Lizenzangaben
  • Beitragsbild: © istock.com / denis_pc