Maßnahmen

In diesem Beitrag werden einige Maßnahmen vorgestellt, die geeignet sind, die Medienbildung an einer Schule zu verbessern. Die spezifische Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen ist abhängig von der Schulart, -größe und anderen Rahmenbedingungen. Selbstverständlich können auch noch weitere, hier nicht genannte Maßnahmen, ergriffen werden. Um sicher zu stellen, dass die einzelnen Maßnahmen möglichst gut wirken und aufeinander abgestimmt werden, empfiehlt es sich, diese im Rahmen eines Qualitätsentwicklungsprozesses zu systematisieren, mit Zielvorstellungen zu verknüpfen und deren Wirksamkeit intern zu evaluieren.

Curriculum

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Erstellung eines Medien- und Methodencurriculums

Ein Medien- und Methodencurriculum (MMC) beantwortet „ (…) schul- und altersspezifisch die Frage, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Arbeitstechniken im Bereich der schulischen Medienbildung vermittelt werden sollen, wann und wo im Verlauf der Schulzeit dies erfolgen soll (…). Im Vordergrund steht ein aktives, individualisiertes, auf Zusammenarbeit und Selbstverantwortlichkeit zielendes Lernen. Mediencurricula zeichnet einen schrittweiser, systematischen Aufbau (aufeinander aufbauende Module) über Schuljahre hinweg aus. Sie beschreiben wesentliche Ziele der Medienbildung, konkretisieren wichtige medienspezifische Lerninhalte, integrieren Lehrpläne, Unterrichtsstruktur und Schulorganisation (…). Sie sind Teil von Prozessen der Qualitätsverbesserung und an das Schulprofil und seine Weiterentwicklung angepasst.“

Als Ziel des Prozesses der Medienbildung gilt in diesem Zusammenhang der Erwerb von Medienkompetenz. Das angestrebte Niveau von Medienkompetenz nach der Sekundarstufe I und mögliche Wege dorthin sind im Orientierungsrahmen Medienkompetenz konkretisiert.

Dem dort beschriebenen Niveau sollen sich die Schüler schrittweise annähern. Deshalb sollte es für jeden Kompetenzbereich mehrere Unterrichtsmodule mit unterschiedlichem Anspruchsniveau geben („Spiralcurriculum“), wobei ein Modul auch mehrere Kompetenzbereiche abdecken kann.

Diese Module müssen und können zum großen Teil nicht von der Schule selbst erstellt werden. Es gilt vielmehr, bereits vorhandene Materialien / Module zu sammeln und diese in das schulspezifische MMC zu integrieren.

Der Umfang der Module wird sehr unterschiedlich sein. Ein Modul kann ein in sich geschlossener Teil einer Unterrichtseinheit sein, sich über mehrere Unterrichtsstunden erstrecken oder als fächerübergreifendes Projekt konzipiert sein. Die Module werden stets mit passenden Lehrplaninhalten verknüpft, sodass sie problemlos in den normalen Fachunterricht integriert werden können und kein Additum zum Lehrplan darstellen.

Die Lehrkräfte aller Fächer können und sollen auf die durch die Module erworbenen Kompetenzen im sonstigen Unterricht bzw. in anderen Fächern konsequent zurückgreifen. Dies stellt nicht nur eine Entlastung für die einzelne Lehrkraft dar, sondern ist auch notwendig, um die erworbenen Kompetenzen weiter zu fördern und zu festigen. Zusätzlich sollte die Schule jährlich ein verbindliches fächerübergreifendes Projekt einplanen, in welchem einige der in dem entsprechenden Schuljahr erworbenen Kompetenzen nochmals gebündelt angewandt werden können. Die Module bzw. Materialien sollten an einem zentralen Ort (online und/oder offline) gesammelt werden, sodass sie für jede Lehrkraft schnell und unkompliziert verfügbar sind. Zur einfacheren Orientierung empfiehlt es sich, die unterschiedlich strukturierten Module mit einem einheitlichen Deckblatt, welches die wichtigsten Metadaten enthält, zu versehen.

Anmerkungen

    Ein qualitativ hochwertiges MMC zeichnet sich aus durch:

    die Beteiligung möglichst aller Fächer,

    einen schrittweisen, systematischen Aufbau,

    die Integration der grundlegenden informationstechnischen Fähigkeiten bzw. Arbeitstechniken und -methoden, die Voraussetzung zum Erwerb von Medienkompetenz sind,

    eine schulinterne Verbindlichkeit (z. B. Nachweis durch Portfolio, medienkompetenzorientiere Aufgaben bei Leistungsnachweisen).

Schulinterne Lehrerfortbildung

Zur Umsetzung eines Medien- und Methodencurriculums und anderer Maßnahmen ist es notwendig, dass auch die Lehrkräfte über entsprechende Medienkompetenz verfügen, um zum Beispiel Unterrichtsmodule zur Ausformung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler sinnvoll einzusetzen. Aus diesem Grund soll die Schule ein Fortbildungskonzept entwickeln, das an die individuellen Bedürfnisse des Kollegiums angepasst ist.

Um diesen Anspruch gerecht zu werden, hat es sich in der Praxis bewährt, die Angebote für die Lehrerfortbildung zu modularisieren und flexibel zu gestalten. Dies kann beispielsweise durch die feste Einrichtung von wöchentlichen Fortbildungsangeboten geschehen:

  • Kollegen, die die entsprechende Kompetenz besitzen, bieten im Wechsel wöchentlich eine 45- bis 60-minütige Fortbildung zu verschiedenen Themen (z. B. Wiki im Englischunterricht, Datenschutz in sozialen Netzwerken, Erstellung eines Lückentextes mit HotPotatoes).
  • Die Systembetreuer bietet eine feste wöchentliche Sprechstunde an, um Lehrkräfte individuell bei der Nutzung der schulischen Infrastruktur zu beraten (z. B. Umgang mit Whiteboard, Beamer).

Natürlich soll dies durch andere Fortbildungsangebote z. B. im Rahmen von Pädagogischen Tagen und Fachsitzungen oder durch Vorträge von Experten etc. ergänzt werden.

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Medientutorenprogramme

Die Schüler sollen sich auch ihrerseits aktiv in den Prozess der Medienbildung einbringen. So können Schüler anderen Schülern beispielsweise zeigen, wie man persönliche Daten in sozialen Netzwerken schützt oder wie man eine Website programmiert. Jede Schule sollte hier eine der Schulart entsprechende Form finden, wie man Schüler als Tutoren aktiv einbindet.

©iStock.com/robertmandel

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Beispiel

  • Schüler-Medienmentoren-Programm

    Das Schüler-Medienmentoren-Programm ist ein medienpädagogischer Kurs für Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Ziel der Ausbildung ist, dass Jugendliche lernen, Projekte und Arbeitsgemeinschaften zu selbst gewählten Themen rund um Medien, Medienschutz und Medienanalyse in ihrer Schule anzubieten.

    LMZ:
    Schüler-Medienmentoren-Programm

Angebote außerhalb des Fachunterrichts

Um die Medienkompetenz der Schüler auch außerhalb des Fach- bzw. Pflichtunterrichts zu fördern, sollte es verschiedene ergänzende Angebote im Medienbereich geben. Hierzu zählt der Wahlunterricht in Informatik genauso wie die Ermöglichung der Teilnahme an Medienwettbewerben, der Einrichtung einer Homepage AG oder eines Filmclubs. Wichtig ist zudem, dass die Schüler die Möglichkeit haben, ein informationstechnisches Qualifikationsangebot wahrzunehmen (z. B. ECDL, comp@ss, IC3) und das 10-Finger-Schreiben am Computer zu erlernen.

Beispiel

  • ECDL

    Die European Computer Driving Licence, kurz ECDL, ist ein derzeit in 148 Ländern anerkanntes Zertifikat, das Fertigkeiten und Wissen in der Anwendung weitverbreiteter Computersoftware bescheinigt. Bayerische Schulen können sich seitdem als ECDL-Prüfungszentrum autorisieren und Lehrkräfte sich nach erfolgreich abgelegten Prüfungen als ECDL-Ausbilder zertifizieren lassen. Da der ECDL in vielen Ausbildungsberufen und von einigen Hochschulen als Leistungsnachweis anerkannt wird, kann er Schülerinnen und Schülern bessere Berufschancen verschaffen.

    Der Europäische Computerführerschein ECDL

Kooperation mit externen Partnern

Mit welchen außerschulischen Partnern eine Schule wie zusammenarbeitet, ist abhängig von der Schulart, der regionalen Lage und den vorhandenen schulischen Netzwerken. Zu den Partnern können soziale Einrichtungen genauso zählen wie ein großes Softwarehaus oder das lokale Kino. Ein zentrales Ziel der weiterführenden Schulen bei der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern muss sein, den Schülern vor Augen zu führen, dass der Erwerb von Medienkompetenz heutzutage eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium oder Berufsleben darstellt („vierte Kulturtechnik“).

Externe Projekt-Partner zum P-Seminar

Mit dem Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar) öffnet sich das Gymnasium der gesamten Arbeitswelt und ermöglicht Schülerinnen und Schülern erste wichtige Erfahrungen für eine gelungene Berufs-und Studienwahl. Unterstützt wird die Einführung des P-Seminars durch eine Informationskampagne des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft e. V., der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. – und der Eberhard von Kuenheim Stiftung mit dem Ziel, die bayerische Arbeitswelt umfassend zum P-Seminar zu informieren.Zur Förderung gemeinsamer Projekt-Partnerschaften zwischen Gymnasien und Unternehmen werden Kontaktmöglichkeiten angeboten. Gleichzeitig kann hier ein Austausch von möglichen Projektideen für P-Seminare stattfinden.

http://www.sprungbrett-bayern.de

Weitere Beispiele

  • Mit Schulradio-Bayern.de und einem Schulradiocoach zum eigenen Schulradio

    Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) bietet mit der Online-Plattform www.schulradio-bayern.de Schulklassen aus Bayern die Möglichkeit ihr eigenes Radio zu machen. Schülerradios können sich ein eigenes Profil anlegen und ihre Produktionen hochladen. Radiobeiträge, die an der Schule entstanden sind, bekommen so auf Schulradio-Bayern ein größeres Publikum. Bei redaktionellen und produktionstechnischen Fragen kann die Radio-AG und die betreuende Lehrkraft auch von einem Schulradiocoach aus einem bayerischen Lokalradio unterstützt werden. Der Radioprofi betreut Kurzzeitradioprojekte oder kann eine Schulradio AG über ein Schuljahr begleiten. Damit unterstützen die bayerischen Lokalradios die Radioarbeit an allen Schulen, von der Grundschule bis zum Gymnasium. An Gymnasien bieten sich besonders die P-Seminare , wie z.B. www.tatfunk.de für Schulradioinitiativen an. Die Schulradiocoaches werden von der BLM auf ihren “Einsatz” vorbereitet und finanziell unterstützt. Zur Vermittlung eines Schulradiocoaches wenden Sie sich bitte an Tina.Taesch@blm.de.

    Schulradio Bayern

In eigener Regie – Förderprogramm für Jugendmediengruppen in Bayern

Mit dieser Initiative von Bayerischer Landeszentrale für Neue Medien (BLM) und JFF werden Kinder- und Jugendgruppen bei der Umsetzung eigener Medienprojekte unterstützt. Das Programm bietet finanzielle, fachliche und pädagogische Hilfe und richtet sich auch an Träger der Jugendkulturarbeit und Jugendverbände. Gegebenenfalls kann auch das notwendige Equipment bereitgestellt werden. Ansprechpartner und -partnerinnen vor Ort sind dabei vor allem die Fachberaterinnen und Fachberater für Medienpädagogik in den bayerischen Regierungsbezirken. Der Förderzeitraum beträgt jeweils ein Jahr. Ob Super8 oder MiniDV, ob gebauter Beitrag oder Website – seit dem Start des Förderprogramms 1991 wurden bis heute mehr als 400 Produktionen in den Sparten Audio, Video und Multimedia gefördert.

http://www.jff.de/ier/

  • Turn on und Tatfunk – Radio in der Schule

    Die Projekte TurnOn und Tatfunk wollen das Radio in die Schule bringen. Machen statt Hören heißt das Motto. Die Schüler lernen Hören durch Hörfunk machen. TurnOn ist für Schüler der Mittelstufe, Tatfunk richtet sich an Schüler der Kollegstufe.

    tat:funk
  • Stand
  • 9. April 2015