Mit und über Medien lernen – Der Faktor Wille: Medienkritiker gestern und heute

Wie lässt sich ein Lehrerkollegium vom Einsatz digitaler Medien überzeugen?

Kritik an Medien – So alt wie die Medien selbst

Der Ingenieur Gottlieb Wilhelm Daimler ließ sich 1901 angeblich zu folgender Prognose hinreißen:
Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.
Aus der Rückschau erscheint uns eine derartige Zukunftsvorhersage als nachgerade absurde Fehleinschätzung, insbesondere angesichts der täglichen Meldungen über Autos, die mittlerweile gänzlich ohne Chauffeur oder Selbstfahrer auskommen. Die Prognose ist jedoch ein prominentes Beispiel dafür, dass sich selbst Experten mit der Bewertung von Entdeckungen, Erfindungen und neuen Technologien äußerst schwer tun. Der ehemalige Präsident des Institute for the Future, Roy Amara (1925-2007), fasste seine Überlegungen zur Technologieentwicklung in einem Satz zusammen, der als „Amaras Gesetz“ bekannt geworden ist:
We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and underestimate the effect in the long run.
Er verweist darauf, wie schwierig es ist, Entwicklungen, die durch neue Technologien hervorgerufen werden, in ihren kurz- und langfristigen Auswirkungen zu beurteilen.

Auch Phasen des Medienwandels bringen es folglich mit sich, dass sie in den unterschiedlichen Teilbereichen unserer Gesellschaft zunächst zu großer Verunsicherung führen. Permanent sind wir mit der Frage nach Chancen und Risiken digitaler Medien konfrontiert. Im Bildungsbereich sind mit dem Einsatz digitaler Medien einerseits große Hoffnungen verbunden, wie zum Beispiel Schülerinnen und Schülern mit heterogenen Lernvoraussetzungen in einer Lerngruppe optimal gefördert werden können.[2] Gleichzeitig sind aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen aber auch Stimmen zu hören, die die negativen Effekte der ‚Neuen Medien‘ vor allem in den Händen von Kindern und Jugendlichen aufzeigen.

Das im Beispiel erwähnte BLIKK-Projekt steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Dies verweist auf Befürchtungen und Vorbehalte, welche typisch für Phasen zu sein scheinen, in denen sich mediale Nutzungsformen, Informationswege und Kommunikationsgewohnheit in relativ kurzer Zeit gravierend verändern. Diese Befürchtungen weisen Parallelen zu Argumenten auf, die auch in der Vergangenheit wiederholt herangezogen wurden, um vor den negativen Effekten medialer Umwälzungen zu warnen. Dass sich die Argumente wiederholen, bedeutet jedoch nicht, dass diese in jedem Fall veraltet wären. Die Gefahren stellen sich nur aus der Rückschau häufig anders dar.

Kritik an Speichermedien in der Antike
Namhafte Denker brachten zu verschiedenen Zeiten tiefgreifende Kritikpunkte an medialen Entwicklungen vor. So lässt Sokrates den ägyptischen König Thamus zu Thoth, dem Gott, der nach ägyptischer Überlieferung die Schrift erfunden hat, sagen:
[…] diese Kunst wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Gedächtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftstück von außen sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. […] Und von Weisheit gibst du deinen Lehrlingen einen Schein, nicht die Wahrheit: wenn sie vieles gehört haben ohne Belehrung, werden sie auch viel zu verstehen sich einbilden, da sie doch größtenteils nichts verstehen und schwer zu ertragen sind im Umgang, zu Dünkelweisen geworden und nicht zu Weisen. [6]
Bereits vor fast 2.500 Jahren findet sich hier also ein Diskurs über die Vor- und Nachteile von Speichermedien, der ständigen Verfügbarkeit von (scheinbarem) Wissen und dessen vielgestaltigen Verbreitungsmöglichkeiten. Sicherlich greift die antike Kritik an der Schrift aus heutiger Sicht in zahlreichen Aspekten zu kurz – oder wurde in der späteren europäischen Schrift- und Buchkultur umgedeutet; in anderen Punkten verweist sie hingegen in bestechender Weise auf aktuelle Diskussionen. Die Frage, was Schülerinnen und Schüler angesichts der Tatsache lernen und wissen müssen, dass sie permanent Wikipedia auf dem Smartphone bei sich tragen, ist nur eine von vielen spannenden Herausforderungen.

Beispiel

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. ging zusammen mit dem Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln im sog. BLIKK-Medien-Projekt[3] der Frage nach, welche Auswirkungen der (erhöhte) Mediengebrauch von Kindern und Jugendlichen auf deren physische, geistige, soziale und schulische Entwicklung hat. Es wurden etwa Zusammenhänge zwischen der Internetnutzungszeit von Kindern und Konzentrations- und Schlafschwierigkeiten, Aggressivität, Problemen beim Lesen und bei der Rechtschreibung sowie Störungen der Sprachentwicklung aufgezeigt.[4] Die mediale Berichterstattung greift derartige Forschungsergebnisse auf und spitzt sie mitunter zu. Zeit Online – um nur ein Beispiel anzuführen – übertitelte einen Beitrag zur BLIKK-Studie mit der Überschrift „Zu viel Smartphone macht Kinder krank“.[5] Eltern fühlen sich angesichts derartiger Meldungen – verständlicherweise – oftmals überfragt, ab welchem Alter beispielsweise ihre Kinder wie lange und wozu das Internet und Smartphone nutzen sollen. Lehrkräfte in den Schulen werden immer drängender mit der Erwartung konfrontiert, Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die mediale Gegenwart und die zukünftigen Entwicklungen. Zudem gehört es auch zu ihren Aufgaben, den Erziehungsberechtigten beratend zu Seite stehen. Sie sollen mit und über Medien unterrichten, auf aktuelle Entwicklungen eingehen und den umfassenden Aufbau von Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern fördern. In Anbetracht des rasanten digitalen Transformationsprozesses ist es durchaus verständlich, dass auch kritische Stimmen in der Lehrerschaft aufkommen.

Literatur

Die Furcht vor der Informationsflut
Auch eine weitere Medienrevolution, die massenhafte Verbreitung gedruckter Bücher in der Frühen Neuzeit, wurde von alarmierten Stimmen begleitet. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) gilt als der Universalgelehrte seiner Zeit, Vordenker der Aufklärung und somit schlichter Rückwärtsgewandtheit unverdächtig. Mit seinem Versuch, eine Universalsprache zu entwickeln, mit der man die gesamte Realität codiert darstellen könnte, war er seiner Zeit weit voraus, wobei er sicherlich nicht im Ansatz erahnte, dass die Verarbeitung binärer Signale seit dem 20. Jahrhundert alle Lebensbereiche grundlegend verändern wird. Im Jahr 1680 warnte Leibniz angesichts der zunehmenden Zahl gedruckter Bücher vor einer „Rückkehr in die Barbarei“, da

[…] diese schreckliche Masse von Büchern, die ständig wächst, […] von der unbestimmten Vielfalt von Autoren dem Risiko des allgemeinen Vergessens ausgesetzt [wird].[7]

In diesem Punkt, so lässt sich aus heutiger Perspektive festhalten, sind Leibniz‘ Befürchtungen nicht eingetreten. Die Bücher wurden in einer Art und Weise organisiert, welche die Zunahme an Wissen beherrschbar machte. Es entwickelte sich ein Informationsmanagement mit Kurzzusammenfassungen von Büchern, Inhaltsverzeichnissen, Kapitel- und Seitennummerierungen, Indexen, Rezensionen etc., das eine Strukturierung ermöglichte, die die Befürchtungen Leibniz‘ als unbegründet erscheinen lassen.[8] Die mit dem Internet verbundene Informationsflut von heute macht abermals neue Organisationsformen und spezifische Kompetenzen erforderlich, welche eine Orientierung in der unendlichen Fülle der zur Verfügung stehenden Informationen ermöglichen – und lässt vergleichbare Ängste wie im 17. Jahrhundert aufkommen.

Die Warnung vor der Mediensucht
Auch die Diskussion bezüglich der Suchtgefahr von Medien ist aus der Geschichte bekannt. Im ausgehenden 18. Jahrhundert spitzte sich etwa die Debatte um die sog. „Lesesucht“ zu. Im Jahr 1809 fand dieser Begriff dann auch Eingang in Joachim Heinrich Campes Wörterbuch der Deutschen Sprache. In dessen Dritten Theil aus dem Jahr 1809 heißt es:

Die Lesesucht, die Sucht, d.h. die unmäßige, ungeregelte auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde zu lesen, sich durch Bücherlesen zu vergnügen. […] Den höchsten Grad dieser Begierde bezeichnet man durch Lesewut.[9]

Im Zentrum der Debatte standen insbesondere die Heranwachsende sowie Frauen des Bürgertums, welche in ihrem Wirkungskreis in dieser Zeit auf den häuslichen Bereich beschränkte und in der Belletristik eine willkommene Unterhaltung fanden. Lesen als Mittel gegen Langeweile war insbesondere den Aufklärern ein Dorn im Auge, wurde das Lesen doch im Kant’schen Sinne allein im Kontext der Erlangung der Mündigkeit verortet.[10]

Dieser kurze, schlaglichtartige Ausflug in die Geschichte medienkritischer Betrachtungen mag genügen, um aufzuzeigen, wie zu verschiedenen Zeiten Skepsis gegenüber neuen medialen Entwicklungen geäußert wurde und sich die Argumentationsschemata mitunter erstaunlich ähnlich waren und sind. Damit soll nicht der Blick auf die Unterschiede zwischen den kritischen Stimmen damals und heute verunklart werden. Freilich stehen der heutigen pädagogischen, psychologischen, neurologischen, kommunikationswissenschaftlichen Forschung etc. ganz andere Werkzeuge und Methoden zur Verfügung. Auch ist damit keinesfalls gesagt, dass die heutigen Warnungen und Prognosen nicht haltbar, unbegründet oder falscher Alarmismus seien. Auch darf nicht vergessen werden, dass es in der Vergangenheit zahlreiche falsche optimistische Prognosen bezüglich medialer Neuerungen gab. Auffällig ist jedoch durchaus, wie insbesondere in der Medienberichterstattung sowie im populärwissenschaftlichen Bereich ganz ähnliche Ängste kolportiert werden wie zu Zeiten vergangener medialer Umwälzungen auch. Daher ist es sinnvoll, die verschiedenen Argumente, die derzeit vorgebracht werden, zu ordnen.

Literatur

  • [7] Leibniz, G. W.: Préceptes pour avancer les sciences, zit. nach Blair, A. M., Too Much to Know. Managing Scholarly Information before the Modern Age. New Havan 2010, S. 83f.
  • [8] Vgl. hierzu auch Wampfler, Ph.: Generation „Social Media“. Wie digitale Kommunikation Leben, Beziehungen und Lernen Jugendlicher verändert, Göttingen 2014, S. 16f.
  • [9] Campe, J. H. (Hg.): Wörterbuch der Deutschen Sprache (Dritter Theil, L bis R), Braunschweig 1809, S. 107.
  • [10] Vgl. hierzu u.a. Wittmann, R.: Gibt es eine Leserevolution am Ende des 18. Jahrhunderts?, in: Die Welt des Lesens. Von der Schriftrolle zum Bildschirm, hg. v. R. Chartier u. G. Cavallo, Frankfurt/Main 1999, S. 440/441.

Wie man der Kritik begegnen kann

Die deutsche Schriftstellerin und Journalistin Kathrin Passig zeigt verschiedene Kritikphasen der öffentlichen Diskussion auf, die sich auch auf die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung übertragen lassen und nebenstehend in einer Übersicht veranschaulicht werden sollen.[11]
Diese Standardargumente finden sich auch in aktuellen Diskussionen und wiederholen sich mit jeder neuen technischen Möglichkeit. Kathrin Passig schlägt vor, sich an drei „Rules of mental hygiene“ für den Umgang mit digitalen Innovationen zu halten. Diese können eine Anregung in der Diskussion mit den Skeptikern sein:

  1. Neues sollte, auch wenn sich der Nutzen auf den ersten Blick nicht erschließt, zunächst geduldig und wiederholt ausprobiert werden. Nicht in der theoretischen Beschäftigung mit einer neuen Technologie, sondern in der eigenen Erfahrung liegt das Potential, Innovationen wirklich beurteilen zu können.
  2. Nur über Ausprobiertes sollte man sich äußern. Damit läuft keiner Gefahr, in den Chor unreflektierter Kritiker einzustimmen.
  3. Das Ausprobieren und die damit verbundene Abkehr von Routinen sollten erleichtert werden. Dabei sind Veränderungen in kleinen Schritten zielführender als geballte Umstrukturierungsprozesse.[12]
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Literatur

  • [11] Der Grafik liegt die Verschriftlichung des Vortrags Neue Technologien, alte Reflexe von Kathrin Passig vom 02.10.2016 zugrunde.

    Link zum Manuskript

  • [12] Vgl. die Verschriftlichung des Vortrags von Kathrin Passig vom 02.10.2016 .

Der US-amerikanische Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Everett M. Rogers (1931–2004) hat sich bereits früher intensiv damit beschäftigt, wie Innovationen in sozialen Systemen aufgenommen und verbreitet werden. Er zeigte auf, dass die Art und Weise, wie Neuerungen eingeschätzt werden, u. a. von soziökonomischen Faktoren und Persönlichkeitseigenschaften abhängig sind. Personen, die früh über Innovationen informiert sind, weisen demnach einen höheren Bildungsgrad und sozioökonomischen Status auf, nutzen massenmediale und interpersonale Kommunikationskanäle stärker, sind sozial besser vernetzt und kosmopolitischer.[13] Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Personen unbedingt der Gruppe der sog. Innovatoren angehören müssen.
Rogers unterscheidet insgesamt fünf Innovationstypen. Diese zeigen typische Reaktionsmuster auf Innovationen:[14]

Innovationstypen nach RogersBild vergrößern

 

 

Auch hinsichtlich der Verteilung dieser fünf Typen in sozialen Systemen macht Rogers Angaben: [15]

Verteilung der Innovationstypen innerhalb eines sozialen Systems Bild vergrößern

Literatur

  • [13] Vgl. Rogers, E. M.: Diffusion of innovation, New York 31983, S. 168f.
  • [14] Vgl. Rogers, E. M.: Diffusion of innovation, New York 31983, S. 247-251.
  • [15] Vgl. Rogers, E. M.: Diffusion of innovation, New York 31983, S. 247.

Rogers geht davon aus, dass sich diese Verteilung der Innovationstypen in verschiedenen sozialen Systemen zeigt. Dies bedeutet, dass davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise auch in einem Lehrerkollegium diese fünf Typen finden, etwa wenn es darum geht, digitale Medien im Unterricht einzusetzen.[16] Bei diesem Innovationsprozess können mit Everett M. Rogers einige Schlussfolgerungen gezogen werden:

  • Innovator zu sein ist mit Kosten und Risiken verbunden. Lehrkräfte, die beispielsweise neue, digital gestützte Unterrichtsmethoden einsetzen, investieren viel Zeit in die Vorbereitung und Fortbildung. Eventuell stellt sich auch heraus, dass sich eine Methode nicht eignet und verworfen werden muss. Andererseits kann der experimentelle Zugriff sehr erfüllend sein, wenn die Neuerung beispielsweise zu einer größeren Motivation oder zu besseren Lernergebnissen der Schülerinnen und Schülern führt.
  • Auch Nachzügler zu sein ist mit Risiken verbunden. Lehrerinnen und Lehrer, die sich sämtlichen Innovationen verweigern, warten eventuell so lange mit der Übernahme der Innovation, bis es vielleicht bereits etwas Besseres gibt und ihre Arbeit nicht mehr den erwarteten Standards entspricht.
  • Innovators und Early Adopters benötigen die nötigen Freiheiten zum Ausprobieren und das wohlwollende Interesse der Führungsebene für ihre Arbeit. Die Schulleitung sollte ihre Unterstützung für die Erprobung des Einsatzes digitaler Möglichkeiten und innovativer Lehr-/Lernkonzepte kommunizieren und mit den Kolleginnen und Kollegen reflektieren. Nachgedacht werden sollte insbesondere darüber, welche Lerneffekte durch den Einsatz neuer Methoden mit Hilfe digitaler Medien beobachtet, ausgelöst bzw. verstärkt werden können.[17]
  • Soll die Mehrheit des Lehrerkollegiums überzeugt werden, ist die Gruppe der Early Majority von zentraler Bedeutung. Nur wenn diese dem Vorbild der Innovators und Early Adopters folgt, ist die gewünschte Durchdringungstiefe zu erreichen und ein Schulentwicklungsprozess erfolgreich zu gestalten. Um diese Lehrkräfte zu überzeugen, ist es wichtig, dass nicht die technischen oder technologischen Aspekte, sondern der didaktisch-methodische Mehrwert, die Nützlichkeit und leichte bzw. zuverlässige Umsetzbarkeit im Fokus stehen. Sinnvoll kann es sein, in kollegialen Unterrichtshospitationen Einsichten in die Arbeit von Innovators und Early Adopter zu bekommen und Anregungen für die eigene Unterrichtsgestaltung zu erhalten.
  • Anders als die Innovatoren und Early Adopters benötigt die Gruppe der Late Majority strukturierte und ggf. niedrigschwellige Unterstützungsangebote. Auch diese Kolleginnen und Kollegen lassen sich vom Sinn und Nutzen der Innovationen überzeugen, wenn diese offensichtlich sind und erklärt werden. Hierzu ist beispielsweise an der Schule ein differenziertes und systematisches Fortbildungsprogramm nötig, welches die unterschiedlichen Bereiche der Medienbildung abdeckt und die Lehrkräfte bei ihrem aktuellen Kenntnisstand abholt. Dabei sollte nicht nur auf anwendungsbezogene Fragestellungen eingegangen werden, sondern auch mediendidaktische und medienfachdidaktische Aspekte berücksichtigt werden.
  • Die Vorbehalte der Laggards müssen berücksichtigt und ernstgenommen werden. Dies beinhaltet die Chance, dass Innovationen immer wieder hinterfragt werden. Lehrkräfte, die beispielsweise vom Mehrwert des Lernens mit Lernvideos überzeugt sind, werden so angehalten, didaktische und methodische Gesichtspunkte zu reflektieren, Möglichkeiten und Grenzen zu benennen und den Skeptikern darzulegen. Auch wenn am Ende nicht alle Kolleginnen und Kollegen überzeugt sein werden, trägt dies doch insgesamt zu einer Steigerung der Schul- und Unterrichtsqualität bei.
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Literatur

  • [16] Vgl. hierzu auch Döbeli Honegger, B.: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt, Bern 2016, S. 103ff.

Eine Vorhersage über die (Aus-)Wirkungen neuer Technologien ist äußerst schwierig, darauf wurde eingangs bereits hingewiesen. Dass insbesondere Neuerungen im medialen Bereich zu heftiger Kritik und mannigfaltigen Warnungen führen, ist nicht verwunderlich – und war schon immer so. Medien beeinflussen unser Denken und Handeln, unsere Kommunikation und soziales Miteinander. Mit der digitalen Durchdringung unserer Lebens- und Arbeitswelt ist insbesondere auch die Schule gefragt, da sie die Kinder und Jugendlichen auf die digitale Welt von morgen vorbereiten muss. Dass die ungewisse zukünftige Entwicklung Vorbehalte und Ängste hervorruft, ist verständlich. Jedoch auch hier hat sich im Vergleich zur Antike wohl wenig verändert. Vom athenischen Politiker Perikles ist der Leitsatz überliefert:

Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.