Medienscouts

Der Arbeit mit Medienscouts liegt derzeit bundesweit im Trend: Ältere Schüler/innen werden zu Expert/innen für Fragestellungen rund um Chancen und Risiken medialer Angebote ausgebildet und geben ihr erworbenes Wissen im Peer-to-Peer-Verfahren an jüngere und gleichaltrige Jugendliche weiter. So multiplizieren die zu Medienscouts qualifizierten Schüler/innen ihr medienspezifisches Wissen und ihre Medienkompetenz an Andere: Sie sind Ansprechpartner für ihre Mitschüler, aber auch für Eltern und Lehrkräfte und gestalten für sie Informations- und Beratungsangebote. Die Projekte und Schülergruppen arbeiten unter verschiedenen Bezeichnungen, wie z. B. Medienmentor/innen, Medientutor/innen oder Mediensanitäter/innen, doch sind die inhaltlichen Ansätze meist ähnlich.

Oberstes Ziel von derartigen Projekten ist es, einen kompetenten, verantwortungsbewussten und kreativen Umgang mit Medien bei den Schüler/innen zu fördern und dazu ein Projekt zu initiieren, das langfristig Bestand hat und von den jeweils nachwachsenden Generationen fortgeführt wird. Inhaltlich finden vor allem Themen aus den Bereichen Medienerziehung, Jugendmedienschutz und Medienrecht Berücksichtigung in der Ausbildung der Medienscouts. Auch das Aufzeigen von Möglichkeiten zum kreativen Einsatz von Medien, zur Medienproduktion und zum Umgang mit Medientechnik kann fester Projektbestandteil sein.

Die Projekte arbeiten mit der Peer-to-Peer-Methode, weil Jugendliche Tipps für einen reflektierten Umgang mit Medien von Gleichaltrigen (aufgrund eines ähnlichen Mediennutzungsverhaltens und der Verwendung derselben Sprache) oft besser annehmen als von Lehrkräften. Außerdem sind sie im Hinblick auf aktuelle Medientrends oftmals besser und schneller informiert als ihre Lehrkräfte und finden somit einen leichteren Zugang zu neuen medialen Inhalten, Tools und Techniken. Allerdings bedarf es für das Gelingen von Peer-to-Peer-Projekten und somit auch für den Erfolg eines Medienscout-Projekts einiger Vorkehrungen und Rahmenbedingungen; eine Liste mit allen wichtigen Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung ist in der Sidebar verlinkt.

Medienscout-Projekte in Bayern: Konzepte, Ansätze und Ansprechpartner

In Bayern gibt es zahlreiche lokale Medienscout-Initiativen. Einige größere Projekte möchten wir an dieser Stelle vorstellen:

In Augsburg werden seit 2010 an einigen Schulen Medienscouts geschult, koordiniert vom städtischen Sozialreferat. Die Ausbildung wird entweder in Form eines Wahlpflichtkurses oder P-Seminars in den Unterricht integriert oder außerhalb des Unterrichts in Form einer freiwilligen AG angeboten. Ziel ist die Erweiterung der eigenen Medienkompetenz und die Vermittlung von Wissen, Handlungsmöglichkeiten und Reflexionsvermögen für einen sicheren, kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien. Die fertig ausgebildeten Medienscouts fungieren als Ansprechpartner für ihre Mitschüler/innen und führen Beratungs- sowie Informationsangebote durch. Zudem unterstützen sie bei medialen Aktivitäten und Projekten inner- und außerhalb des Unterrichts.

In Würzburg wurde 2014 von engagierten Schulen ein Medienscout-Projekt initiiert, an dem mittlerweile sieben Schulen beteiligt sind. In der Unterstufe liegt der Schwerpunkt auf dem sicheren Umgang mit Internet und PC sowie mit virtuellen Spielwelten und Kommunikationstools. In der Mittelstufe ist es das Ziel, die eigene Medienkompetenz zu erweitern sowie Präsentationstechniken und Reflexionsvermögen weiterzuentwickeln. Die Oberstufenschüler setzen sich vertieft mit den Chancen und Risiken moderner Medien auseinander und entwickeln das Schulungsprogramm für die Unterstufenschüler zusammen mit externen Experten beständig weiter. Sie übernehmen die verantwortungsvolle Aufgabe von Multiplikatoren für Medienwissen und -kompetenz.

Weitere bayerische Medienscout-Projekte werden von Kreisjugendring im Raum Nürnberg, vom Weißen Ring Kulmbach sowie lokal von einzelnen Schulen durchgeführt. Auch im Rahmen des Projektes „Referenzschule für Medienbildung“ bilden zahlreiche bayerische Schulen Medienscouts aus.

Zwei Einrichtungen, die landesweit Medienscout-Initiativen unterstützen und für die Erstausbildung zur Verfügung stehen, sind Condrobs e. V. und SIN – Studio im Netz e. V. Detaillierte Informationen (z.B. zur Anmeldung, Gruppengröße und zum Schulungsablauf) finden sich auf den jeweiligen Websites, die in der Sidebar verlinkt sind.

Wer mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Medienscout-Projekt zu etablieren und sich über eine geeignete Vorgehensweise informieren möchte, kann sich z. B. an das „SIN – Studio im Netz“ und das Projekt „Netzgänger“ von Condrobs wenden.

Des Weiteren wird fachkundige Unterstützung im Bereich Medienbildung von den Medienpädagogisch-informationstechnischen Beratern (MiB) angeboten, die Schulen mit Fortbildungsangeboten oder individueller Beratung vor Ort zur Seite stehen.

Medienscout-Projekte in Deutschland

In den anderen Bundesländern gibt es verschiedene Ansätze zur Ausbildung von Medienscouts unterschiedlicher Initiatoren:
Eines der ersten deutschen Medienscout-Projekte wurde ab 2004 von Bojan Godina durchgeführt, der im Rahmen seiner Doktorarbeit Möglichkeiten der „peer education“ untersuchte. Daraus entstand 2009 der Medienscout e. V., der v. a. in Baden-Württemberg tätig ist.

In Rheinland-Pfalz wird seit 2008 ein Medienscout-Projekt im Rahmen des Programms „Medienkompetenz macht Schule“ der Landesregierung und unter Verantwortung des Pädagogischen Landesinstituts durchgeführt. An zwei Tagen werden die SchülerInnen von Fachleuten hauptsächlich zum Themenkomplex Jugendmedienschutz und in Sachen Beratungs- und Kommunikationskompetenz ausgebildet. Als Multiplikatoren klären die Medienscouts ihre jüngeren MitschülerInnen über die Risiken der Nutzung von sozialen Netzwerken, Chatprogrammen und Apps auf und geben ihnen Hilfestellung bei Fragen rund um die Themen Datenschutz, Cybermobbing und Webpräsenz.

In Nordrhein-Westfalen werden seit 2011 Medienscouts von der Landesanstalt für Medien ausgebildet. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen hier auf den Themen Internet und Sicherheit, Social Communities, Handy und Computerspiele. Außerdem ist ein Kommunikationstraining Bestandteil und die Entwicklung einer Beratungskompetenz wesentlich, da die Medienscouts die Aufgabe haben, ihr Wissen an Gleichaltrige zu vermitteln.

Weitere staatlich geförderte Projekte werden in Baden-Württemberg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen angeboten.

Informations- und Unterstützungsmaterialien zur Ausbildung von Medienscouts

Die Konzepte der unterschiedlichen Medienscout-Ausbildungen weichen in Details voneinander ab, weisen aber zugleich große Ähnlichkeiten auf. Zwei Kernelemente der Ausbildung von interessierten und medienaffinen Jugendlichen sind die Wissensvermittlung sowie eine Einführung in Beratungs- und Methodenkompetenz. Die Vertiefung des Wissens über aktuelle Medienentwicklungen, Hintergründe und Zusammenhänge ist von grundlegender Bedeutung, um medienkompetente und informierte Scouts zu haben, die die Bedeutung, Chancen und Risiken globaler Entwicklungen für die Mitschüler/innen reflektieren können. Unerlässlich sind auch grundlegende Kenntnisse über die Beratung von Schüler/innen und die Gesprächsführung in schwierigen Situationen (verbunden mit dem Hinweis, bei gravierenden Problemen erwachsene Personen aus der Schulsozialarbeit oder Schulleitung hinzuzuziehen). Auch eine Methodenkompetenz ist hilfreich, um Aktionen und Workshops an der Schule mithilfe unterschiedlicher Methoden zielgruppenspezifisch aufbereiten zu können.
Die konzeptionellen Details der Ausbildungen werden (ebenso wie konkrete Materialien) nur selten online veröffentlicht. Einige Fundstellen sind jedoch in der Sidebar verlinkt. Des Weiteren empfiehlt sich immer ein Blick auf medienpädagogische Materialbörsen.

Rückblick auf die Medienscout-Tagung „Mediencamp Tutzing 2016“

Als erste landesweite Jugendtagung für Medienscouts aus Bayern fand am 6. und 7. Oktober 2016 das „Mediencamp Tutzing“ statt. 80 Teilnehmende aus 19 Schulen kamen am Starnberger See zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse für ihre Arbeit als Medienexpert/innen mitzunehmen.

Die zweitägige Veranstaltung bot den Teilnehmenden ein buntes Programm aus Vorträgen, Workshops, einem Barcamp und Anregungen zum kreativen Medieneinsatz. Die Medienscouts (sowie ihre betreuenden Lehrkräfte) tauschten sich über die bisherigen Erfahrungen mit ihren Projekten aus, bekamen neuen Input von Fachkräften und erarbeiteten neue Konzepte für die Umsetzung in der Schule. Darüber hinaus hatten die Schüler/innen auch Zeit, um kreativ tätig zu werden: in der Creative-Media-Lounge konnten die Jugendlichen mit Lightpainting, musical.ly und PicsArt herumexperimentieren und das Potenzial digitaler Medien kennenlernen.

Das Mediencamp war eine Kooperationsveranstaltung der Akademie für Politische Bildung Tutzing und des SIN – Studio im Netz, mit freundlicher Unterstützung durch die Auerbach Stiftung, die BLM – Bayerische Landeszentrale für neue Medien, das ISB – Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, das Pädagogische Institut der Landeshauptstadt München und das Projekt „jugend.beteiligen.jetzt“.

Zu den Autoren

Björn Friedrich (Medienpädagoge M.A.) und Sabine Grünwald (Lehramtstudentin Grundschule) arbeiten im „SIN – Studio im Netz“, München, und leiten Fortbildungen, Workshops und Vorträge zu medienpädagogischen Themen.

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  • Stand
  • 22. Mai 2017