„E-Learning“ und „Blended Learning“

Internet für Grundschüler

Was ist "E-Learning"?

Man unterscheidet grob die folgenden beiden Formen von E-Learning (OBRIST 2007, 2 und WIEPCKE 2006, 46-84): Der Ausdruck „Computer-Based Training“ (CBT) bezeichnet Lernprogramme, die vom Lernenden zeitlich und räumlich flexibel („anytime – anywhere“) genutzt werden können, wobei es aber in der Regel keinen Kontakt zwischen Lerner und Lehrer bzw. zwischen den Lernern untereinander gibt. Meist handelt CBT-Arrangements nicht-tutorielle Systeme, bei denen das Selbststudium im Vordergrund steht. Wenn überhaupt Kommunikationsmöglichkeiten vorgesehen sind, so erfolgen sie über asynchrone Medien, z.B. per E-Mail. Oftmals beinhalten CBT-Programme multimediale Lerninhalte und werden auf CD-ROM bzw. DVD-ROM vertrieben.

Grundlegend für netzbasierte Lernangebote ist hingegen „Web-Based Training“ (WBT). Darunter versteht man Lernangebote, die eine Weiterentwicklung des CBT-Konzepts darstellen. Die Lerneinheiten werden bei WBT-Arrangements nicht auf einem physikalischen Datenträger verbreitet, sondern über einen Webserver aus dem Inter- oder einem Intranet abgerufen. Durch diese Einbettung ins Netz bieten sich mannigfaltige weiterführende Möglichkeiten zur Kommunikation und Interaktion zwischen Lerner und Lehrer bzw. zwischen den Lernern untereinander: Mails, Newsfeeds, Chats und Diskussionsforen können mit dem WBT-Arrangement verknüpft, Audio- und Video-Content live eingespeist („gestreamt“) werden.

©istock.com/mbortolino

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Was bringt "E-Learning"?

Da Elemente des E-Learning und die dabei verwendeten synchronen und asynchronen Kommunikationstools gerade auch in unserer heutigen globalisierten Arbeitswelt zum Alltag gehören, ist es für die Zukunft der Schüler auf dem Arbeitsmarkt unabdingbar, dass sie in der Lage sind, mit diesen Medien in verschiedenen Sprachen erfolgreich zu kommunizieren und zu kooperieren. Schon deshalb ist E-Learning nicht nur als eine neue Möglichkeit des Unterrichtens und Lernens zu sehen, sondern als Gelegenheit für die Schüler, zentrale Kompetenzen für ihre zukünftige Arbeitswelt zu erwerben, vor allem Medienkompetenz, Sach- und Fachkompetenz mit Bezug auf vielfältige Themengebiete, sowie – zumindest im Falle von WBT-Arrangements – soziale und kommunikative Kompetenzen, also die viel zitierten „Soft Skills“.

Außerdem besitzt E-Learning noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile gegenüber herkömmlichen Lernarrangements: Zum einen sind die Lernenden durch asynchrones Arbeiten zeitlich und räumlich unabhängig, d.h. der Vermittlungsprozess kann auch ohne persönliche Anwesenheit der Lerner erfolgen. Im Gegensatz zu traditionellen Lehrmitteln sind E-Learning-Kurse interaktiv, wobei traditionelle, lineare Denk- und Lernkonzepte flexibleren, netzwerkartigen Konzepten weichen. Mehrkanaliges Lernen wird vor allem durch das mühelose Einbinden multimedialer Materialien (z.B. Audio- und Video-Content) erleichtert. Gerade auch abstrakte Lerninhalte lassen sich mit Hilfe multimedialer Simulationen weitaus besser veranschaulichen. Indem E-Learning-Kurse sich an individuelle Bedürfnisse der Lerner anpassen lassen (z.B. durch passgenaue, individualisierte Lernkontrollen und Wiederholungsaufgaben) wird innere Differenzierung in einem weit höheren Maße möglich als im herkömmlichen Präsenzunterricht. Schließlich führt die Möglichkeit der dauerhaften Speicherung von Materialien zu einem höheren Maß an Transparenz und durch die Wiederverwendbarkeit dieser Objekte auch zu größerer Nachhaltigkeit von Lehr- und Lernprozessen.

©istock.com/IPGGutenbergUKLtd

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Vorteile gegenüber herkömmlichen Lernarrangements - Umsetzungsmöglichkeit in mebis

  • Rascher Zugriff auf eine umfangreiche Materialauswahl in verschiedenen medialen Formen, zum Beispiel durch das Anlegen von Datenbanken mit Texten, Tondokumenten, Grafiken, Bildern in arrangierten Kursen.
  • Verbindung verschiedener Darstellungsformen, wie Text, Bild und Grafik durch die Gestaltung entsprechender Kursabschnitte.
  • Schnelle Rückmeldung auf Lernaktivitäten der Schülerinnen und Schüler, etwa mit der Aktivität Test.
  • Vereinfachung von Dokumentation und Archivierung, z.B. Dokumentation der eigenen Lernbiographie über digitale Portfolios.
  • Kooperationsprozesse und Kollaborationsprozesse (gemeinsame Arbeit an einem Thema/ Projekt) werden in virtuellen Räumen gefördert, zum Beispiel durch den Einsatz von Wikis oder Foren.

Was ist "Blended Learning"?

E-Learning kann und soll traditionelle Bildungsformen nicht vollständig ersetzen. Durch eine sinnvolle Verschränkung von E-Learning-Elementen mit traditioneller Präsenzlehre ergibt sich jedoch ohne Zweifel ein nicht zu unterschätzender Mehrwert: Durch Kombination verschiedener medialer Vermittlungsformen kann Lernen optimiert werden. Der jeweilige Anteil von Präsenz- und E-Learning-Anteilen kann dabei variieren (KRISTÖFL/SANDTNER/JANDL 2006, 9). Insbesondere Menschen, die lieber den PC und das Internet nutzen als Bücher zu lesen, können durch E-Learning viele Lerninhalte besser aufnehmen oder bereits bekannte Inhalte ergänzend und interaktiv erarbeiten. Aktuelle Ansätze kombinieren daher systematisch die Vorteile von E-Learning und Präsenzveranstaltungen zu einer Lehrmethode, die man als „Blended Learning“ (im deutschen Diskurs oft auch „hybrides Lernen“) bezeichnet (WIEPCKE 2006, 67-79 und KERRES 2000, 23-39 sowie SAUTER/SAUTER 2002, 66).

Das Konzept verbindet also die Effektivität, Flexibilität und Konnektivität elektronischer Lernformen mit den sozialen Aspekten des gemeinsamen Lernens. Wie die folgende Grafik veranschaulicht, integriert Blended Learning dabei auf pragmatische Weise die jeweiligen positiven Aspekte aller gängigen Lerntheorien (WIEPCKE 2006, 69):

Bild: Blended Learning Claudia Wiepckeauf Wikipedia lizensiert unter CC BY-SA 3.0

Eine grundlegende Definition von "Blended Learning"

Eine grundlegende Definition, welche die zentralen Faktoren des Lernprozesses mit einbezieht, wurde von Annette und Werner Sauter bereits im Jahre 2002 formuliert: „Blended Learning ist ein integriertes Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet und Intranet in Verbindung mit klassischen Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt. Es ermöglichst Lernen, Kommunizieren, Informieren und Wissensmanagement, losgelöst von Ort und Zeit in Kombination mit Erfahrungsaustausch, Rollenspiel und persönlichen Begegnungen in klassischen Präsenztrainings.“ (SAUTER/SAUTER 2002, 66).

Was bringt "Blended Learning"?

In guten Blended Learning-Programmen gelingt es, die Vorteile der jeweiligen Lernform einzubringen und die Nachteile zu kompensieren, indem aus traditionellen Lernformen wie der Präsenzveranstaltung und innovativen Lernformen wie dem Web Based Training ein optimales Curriculum zusammengestellt wird. Ein mögliches Szenario könnte z.B. so aussehen, dass die Lerner zunächst mit Hilfe eines WBT-Arrangements auf denselben Kenntnisstand gebracht werden, Inhalte wiederholen und Wissenslücken schließen können. An diese Online-Phase schließt sich eine Präsenzveranstaltung an, in der die neuen Inhalte erarbeitet bzw. vermittelt und gesichert werden, bevor ein weiteres WBT den Kursteilnehmern ermöglicht, individuell und selbst organisiert die Inhalte zu wiederholen und Übungen zu absolvieren.

Durch die Möglichkeiten des Internets erweitert sich der Lernhorizont enorm; durch die Kommunikationsmöglichkeiten gerade auch des Web 2.0 ist eine Öffnung des Unterrichts z.B. durch die Einbindung von authentischen Kommunikationspartnern (z.B. Experten, E-Twinning-Partner, etc.) so einfach möglich wie nie zuvor. Im Rahmen von Blended Learning-Arrangements lässt sich das Potenzial dieser weltweiten Vernetzung optimal auch für den herkömmlichen Präsenzunterricht erschließen und nutzen.

Zum Beispiel: Blended Learning im Fremdsprachenunterricht

Gerade der Fremdsprachenunterricht lebt von diesen authentischen Inhalten und Kontexten. Die Integration neuer Medien ist deshalb ein Qualitätsmerkmal guten Fremdsprachenunterrichts. Die adäquate Verwendung von E-Learning-Elementen, die die Entstehung authentischer Kommunikationsanlässe und Kontexte begünstigen, wird durch Blended Learning erleichtert. Dieses integrative, pragmatische Konzept besitzt z.B. ein beträchtliches Potenzial für die Förderung fremdsprachlichen Lernens.

Außerdem bieten gute Blended Learning-Arrangements den Lernenden ideale Möglichkeiten zu autonomen und kooperativen Lernprozessen (BENDEL/HAUSKE 2004, 41). Durch die multimediale Ausrichtung lässt sich mehrkanaliges, multisensorisches Lernen hervorragend implementieren.

„Während internetbasierte Texte in ihrer multimedialen Form an die Lebenswelt der Schüler anknüpfen können, sind es kommunikationsorientierte Werkzeuge wie Chat und E-Mail, die authentische fremdsprachliche Situationen mit anderen Jugendlichen ermöglichen und so nicht nur die nötige Motivation schaffen, sondern auch language use ins Zentrum des Unterrichts stellen.“ (HASS 2006, 23).

Links

Weiterführende Literatur

  • Bendel, Oliver; Hauske, Stefanie: E-Learning: Das Wörterbuch. – Aarau 2004.
  • Haß, Frank (Hg.): Fachdidaktik Englisch: Tradition – Innovation – Praxis. – Stuttgart 2006.
  • Kerres, Michael: Computerunterstütztes Lernen als Element hybrider Lernarrangements. – In: Kammerl, Rudolf (Hg.): Computerunterstütztes Lernen. – München [u.a.] 2000, S. 23-39.
  • Kristöfl, Robert, Sandtner, Heimo, Jandl, Maria: Qualitätskriterien für E-Learning: Ein Leitfaden für Lehrer/innen, Lehrende und Content-Ersteller/innen. http://www.bildung.at/files/downloads/Qualitaetskriterien_E-Learning.pdf (zuletzt aufgerufen am 13.03.2018).
  • Obrist, Markus: Methoden des Blended Learning: Überblick und Software-Evaluation. – Saarbrücken 2007.
  • Rösler, Dietmar: Autonomes Lernen? Neue Medien und „altes“ Fremdsprachenlernen.- In: Info DaF 25 (1998), S. 3-20.
  • Sauter, Annette M.; Sauter, Werner: Blended Learning: Effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining, Neuwied 2002.
  • Wiepcke, Claudia: Computergestützte Lernkonzepte und deren Evaluation in der Weiterbildung: Blended Learning zur Förderung von Gender Mainstreaming. – Hamburg 2006.

 

  • Stand
  • 8. November 2018
  • Autor
  • AK "Lernförderliche Gestaltung digitaler Medien für den Unterrichtseinsatz" - ISB
  • Beitragsbild
  • ©iStock.com/robertmandel