Erstellung von Medienkonzepten an bayerischen Schulen

Das Medienkonzept systematisiert die Medienarbeit einer Schule aus pädagogischer, organisatorischer und technischer Sicht und besteht aus den Komponenten Mediencurriculum, Fortbildungsplan und Ausstattungsplan. Medienbildung vermittelt Schülerinnen und Schülern wesentliche Kompetenzen zum Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien sowie den aktuellen Anforderungen der digitalen Welt. Ein gelebtes Medienkonzept kann die Unterrichtsqualität verbessern, indem es die Qualifikation der Lehrkräfte für das Unterrichten mit digitalen Medien und Werkzeugen optimiert. Außerdem gibt es Orientierung für eine zeitgemäße und lernförderliche IT-Ausstattung der Schule.
Schulen, die einem Verbund angehören (z. B. Schulverbünde von Grund- und Mittelschulen), können ein Medienkonzept auch gemeinsam erstellen.

Der vorliegende Beitrag erklärt die im Zuge der Medienkonzepterstellung notwendigen Maßnahmen und weist auf Materialien hin, die den Verantwortlichen an den einzelnen Schulen helfen können.

© istockphoto/rawpixel

KMS zum Medienkonzept

Mit Schreiben vom 5. Juli 2017 (I.6-BS1356.3/11/1) hat Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle alle bayerischen Schulen über die Verabschiedung des Masterplans BAYERN DIGITAL II informiert und zur gemeinsamen Gestaltung der Digitalisierung an den Schulen aufgerufen. Das mehrjährige Förderprogramm fokussiert u. a. auf einen Ausbau der schulischen IT-Infrastruktur sowie die Stärkung der pädagogischen Angebote zur Medienbildung im Klassenzimmer. Allerdings könnten diese Maßnahmen nur auf Basis eines Schulentwicklungsprozesses greifen, der die Medienarbeit einer Schule in Form eines Medienkonzepts systematisiert. Daher sollen alle bayerischen Schulen bis zum Ende des Schuljahres 2018/2019 ein solches Medienkonzept entwickeln, damit Lernende eigenständig, kreativ und verantwortungsvoll mit der Digitalisierung umgehen.

Wozu ein Medienkonzept?

Das Medienkonzept ist die Basis systematischer Medienkompetenzförderung. In ihm schreibt eine Schule fest, wie ein auf die pädagogischen Erfordernisse abgestimmter Einsatz digitaler Medien und Werkzeuge im Unterricht aussieht. Darüber hinaus enthält es verbindliche Aussagen zum Lernen über Medien sowie digitale Technologien und befähigt die Lernenden, aus ihrem Wissen um Chancen und Risiken in einer von Digitalisierung bestimmten Arbeitswelt und Gesellschaft souverän zu handeln.

Im Einzelnen dient das Mediencurriculum insbesondere dazu, Schwerpunktsetzungen der schulischen Medienarbeit samt der verbindlichen Verankerung der damit einhergehenden Unterrichtsgestaltung in den einzelnen Fächern herauszustellen. Als schulspezifische Konkretisierung des Lehrplans lässt es sich schnell und flexibel im Hinblick auf neue Anforderungen der durch die Digitalisierung geprägten Lebenswelt anpassen.

Der Fortbildungsplan wird Bezug auf die an der Schule vereinbarten Schwerpunkte nehmen, der schulspezifischen Ausstattungssituation Rechnung tragen und entsprechend Maßnahmen zur bedarfsorientierten und abgestimmten Qualifizierung der Lehrkräfte vorsehen.

Beim Ausstattungsplan steht einerseits die optimale Nutzung der bestehenden Ausstattung im Vordergrund. Andererseits begründet die Schule darin auf Grundlage der systematischen Dokumentation im Medienkonzept weitere Ausbauschritte ihrer IT-Infrastruktur; somit kann der Ausstattungsplan auch zur Rechenschaftslegung und bei Entwicklungsvorhaben – z. B. gegenüber dem Sachaufwandsträger – herangezogen werden.

© istockphoto/franckreporter

© istockphoto/franckreporter

Links

Was genau kann/soll unsere Schule ab 2017/2018 tun?

Im Fokus des Schulentwicklungsprozesses stehen die Bereiche Unterrichts-, Personal- und Technologieentwicklung. Das Medienkonzept besteht dementsprechend aus den drei Säulen Mediencurriculum, (schulinterner) Fortbildungsplan sowie Ausstattungsplan.

Mediencurriculum

Das Mediencurriculum (MC) ist der zentrale Baustein jedes Medienkonzeptes. Es orientiert sich am Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen und weist anhand der Querverweise zum Lehrplan aus, welche zentralen Kenntnisse, Fähigkeiten und Arbeitstechniken im Bereich der Medienbildung an der einzelnen Schule vermittelt werden. Über die Fächer und Jahrgangsstufen hinweg spiegelt das Mediencurriculum die systematisch und schrittweise erfolgende Kompetenzentwicklung.

Fortbildungsplan

Für die gezielte Förderung der Lehrerkompetenzen zur digitalen Bildung integrieren die Schulen einen auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kollegiums abgestimmten Plan für die (schulinterne) Lehrerfortbildung in ihr Medienkonzept.
Damit sich Digitalisierung positiv auf die Unterrichtsqualität auswirken kann, müssen auch die Lehrkräfte digitale Medien und Werkzeuge souverän im Unterricht einsetzen. Um Lernende im Bereich der Medienerziehung zu fördern, sollten Lehrkräfte zudem mit der Medienwelt von Kindern und Jugendlichen, der Rolle der Medien in der Gesellschaft sowie zentralen rechtlichen Bedingungen der Medienproduktion und -nutzung vertraut sein.
Typische Angebote im Rahmen eines schulischen Fortbildungsplans sind beispielsweise die angeleitete Konzeption von (gemeinsamen) Kursen auf der mebis-Lernplattform oder eine hausinterne Fortbildungsreihe zu medienerzieherischen Themen für das Kollegium durch externe Experten.

Ausstattungsplan

Basierend auf den pädagogischen Erwägungen für die Medienarbeit beschreibt die Schule im Ausstattungsplan die dazu notwendige technische Infrastruktur sowie alle Maßnahmen an der Schule, die eine effiziente Nutzung der Ausstattung sicherstellen. Der Ausstattungsplan trägt dabei sowohl aktuellen technischen Entwicklungen Rechnung als auch den speziellen Bedingungen der eigenen Schule. Entscheidend für den Ausstattungsplan in einem nachhaltigen Medienkonzept ist, letztlich vom anvisierten Kompetenzerwerb bzw. vom unterrichtlichen Einsatz der digitalen Medien und Werkzeuge her zu denken – nicht (ausschließlich) von der technischen Seite: Also z. B. statt „Wir wollen eine Tablet-Klasse einrichten …“ besser „Was brauchen wir, um Flipped-Classroom-Elemente in den Unterricht einzubauen?
Die Medienausstattung an der Schule steht in der Regel im Zusammenhang mit der Gestaltung und Möblierung der Räumlichkeiten. Neben dem Vorhandensein von Medienarbeitsplätzen wird eine Schule den Zugang zu Geräten (einschließlich BYOD) und Internet regeln und ein Nutzungskonzept festlegen.

Ergänzende Maßnahmen

Zusätzlich zu den im Medienkonzept fest verankerten Säulen kann eine Schule zur Profilschärfung weitere Maßnahmen zur Medienkompetenzförderung ergreifen. Bewährt haben sich z. B. ergänzende Angebote außerhalb des Fachunterrichts, die Qualifizierung von Medientutoren sowie die Einbindung von Eltern und außerschulischen Partnern.

© istockphoto/olm26250

© istockphoto/olm26250

Links

  • Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen

    mebis:
    Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen
  • Exkurs: Medienkompetenz

    Zu den wesentlichen Kompetenzen im Bereich der Medienbildung gehört unter anderem, dass Schülerinnen und Schüler selbstständig und reflektiert im Internet recherchieren, mit anderen verantwortungsbewusst und adressatengerecht kommunizieren und eigene Arbeitsergebnisse unter Einsatz medialer Werkzeuge sachgerecht darstellen und präsentieren. Sie erkennen Probleme in Medienangeboten und Informatiksystemen und lösen sie - ggf. mit Hilfe von Algorithmen. Ein kompetenter Umgang mit Medien umfasst darüber hinaus die Gestaltung und Wirkung von Medienangeboten zu analysieren, die Bedeutung der Medien für die Berufs- und Arbeitswelt zu reflektieren und ein Bewusstsein für rechtliche Regelungen und mediale Gefahren zu entwickeln.

Welche Unterstützungsangebote sind geplant?

Das ISB wird zu Beginn des Schuljahres 2017/18 praxisorientierte Informations- und Unterstützungsmaterialien bereitstellen, die Schulen bei der Erstellung ihres Medienkonzepts begleiten. Dieses digitale Materialpaket fußt auf den vielfältigen Erfahrungen der Referenzschulen für Medienbildung und bezieht die erprobten Umsetzungsbeispiele der Projektschulen mit ein.
Vor Ort erhalten Schulen, die ein Medienkonzept erarbeiten, bei Bedarf Hilfe durch die Medienpädagogisch-informationstechnischen Berater (MiB) sowie die Referenzschulen für Medienbildung und die Schulentwicklungsexperten.

© istockphoto/ALotOfPeople

© istockphoto/ALotOfPeople

Links

Leitfaden zum Medienkonzept

Ein digitaler Leitfaden wird die Schulen auf dem Weg zu ihrem schulischen Medienkonzept Schritt für Schritt begleiten. Er erklärt, wie ein Medienkonzept die Unterrichtsqualität systematisch und nachhaltig steigern kann, und bietet konkrete Tipps sowie Vorlagen für die Gestaltung des gesamten Schulentwicklungsprozesses – von der Teambildung über die Maßnahmenplanung und -umsetzung bis zur Evaluation.
Zudem enthält der Leitfaden schulartspezifische Beispiele für Mediencurricula und verdeutlicht, wie sich ein Medienkonzept in das Schulentwicklungsprogramm gewinnbringend einfügen lässt.

© istockphoto.com/woolzian

© istockphoto.com/woolzian

Online-Informations- und Recherchetool

Das Online-Tool zeigt für verschiedene Schularten die Verknüpfung zwischen den (Teil-)Kompetenzen der Medienbildung sowie Bezugsstellen im LehrplanPLUS. Außerdem verweist es auf Unterrichtsmaterialien, die für die Vermittlung der jeweiligen Medienkompetenz geeignet sein können.
Lehrkräfte können innerhalb des Mediencurriculums einer Schulart die Rechercheergebnisse nach Fach, Jahrgangsstufe sowie diversen Gegenstandsbereichen der Medienbildung (z. B. Algorithmen oder Social Media) filtern. Die Vorschläge zur Verortung der Medienkompetenzen sowie die im Online-Tool verknüpften Unterrichtsbeispiele können den Fachschaften bzw. den Lehrkräften einer Schule somit als Anregung für die Ausarbeitung ihres schulspezifischen Mediencurriculums dienen.

Wir wollen sofort loslegen. Welche Hilfen gibt es schon?

Sämtliche oben aufgeführten Unterstützungsangebote zur Erarbeitung eines Medienkonzepts – insbesondere den Leitfaden sowie das Online-Tool – stellt das ISB den Schulen zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 online zur Verfügung.

Schulen, die noch im laufenden Schuljahr mit der Systematisierung ihrer Medienarbeit beginnen möchten, empfehlen wir daher, die Zeit bis zur Fertigstellung der Unterstützungsmaterialien für die Planung des Medienkonzepts zu nutzen:

  1. Es bietet sich an, ein Team für die Erstellung des Medienkonzepts an der Schule zu aktivieren und sich mit dem Kompetenzrahmen zur Medienbildung zu befassen.
  2. Anschließend kann mit den Bestandsaufnahmen rund um die Medienbildung an der Schule begonnen werden:
    • Art und Umfang des Medieneinsatzes im Unterricht
    • Fortbildungsbedarf im Kollegium für den Bereich Medienbildung
    • Ist-Stand der Medienausstattung

    Als Grundlage für die Analyse des Medienbestandes eignen sich die Statistiken zur IT-Ausstattung an bayerischen Schulen (sog. Rechnerumfrage).

  3. Um Effekte des Medienkonzepts im Hinblick auf die dort formulierten Maßnahmen künftig für die Schule quantifizieren zu können, ließen sich bereits jetzt entsprechende Fragen für die interne Evaluation an der Schule aufnehmen.

Als grundsätzliche Hilfen bei der Erabeitung eines Medienkonzepts eignen sich folgende Materialien:

  • Der Leitfaden zum Schulentwicklungsprogramm gibt allgemeine Hinweise zur Schulentwicklung von der Teambildung über die professionelle Planung von Zielen und Maßnahmen bis zur Zielüberprüfung.
  • Im Leitfaden für die Referenzschulen für Medienbildung finden sich zahlreiche Hilfestellungen zu den einzelnen Phasen des Qualitätsentwicklungsprozesses im Medienbereich. Dabei ist zu beachten, dass sich das hier vorgestellte Medienkonzept von der Zielsetzung des RfM-Projektes teilweise unterscheidet – insbesondere was Umfang und Verbindlichkeit der Dokumentation sowie die Zertifizierung der Schulen anbelangt.
  • Das ISB-Portal zur internen Evaluation bietet Entwürfe für die Befragung von Lernenden, Lehrkräften und Eltern; von Interesse dürften hier vor allem die Befragungen zur Unterrichtsqualität im Bereich überfachlicher Kompetenzen sein.

Schließlich können interessierte Schulen sich bei zertifizierten RfM-Schulen (in ihrer Region) über deren Medienentwicklungsplan informieren (in der Regel auf der Schulhomepage, vgl. RfM-Portfolio) und Beratung für die Ausarbeitung und Umsetzung ihres geplanten Medienkonzeptes einholen.

© istockphoto/rawpixel

© istockphoto/rawpixel

Links