Recherchieren im Internet

Vor jeder wissenschaftlichen Arbeit muss eine genaue Recherche stehen. Der Verfasser muss suchen (recherchieren), was zu seinem Thema schon bekannt ist. Die folgenden Tipps sollen vor allem Schülerinnen und Schülern der W-Seminare helfen, geeignete Quellen für ihre Arbeiten im Internet aufzustöbern.

Vergleich Print- und Onlinemedien

Die klassische Recherche bezieht sich auf Printmedien. Das Vorgehen kann jedoch analog auf die Recherche im Internet übertragen werden. Grundsätzlich sollte man sich jedoch nie auf eine einzige Quelle stützen, sondern stets mehrere, wenn möglich kontroverse Publikationen berücksichtigen. Das vermindert die Gefahr, absichtlich oder unabsichtlich falschen Informationen aufzusitzen.

Ferner zeugt es von sorgfältiger Planung und Vorbereitung einer Arbeit, wenn Quellen aus beiden „Welten” – Print und Online – verwendet werden. Dabei zeugen Printmedien auf jeden Fall von einer soliden und seriösen Grundlage, während Online-Medien für Aktualität und moderne Arbeitsweise stehen.

Asiatische Frau arbeitend vor einem Laptop

Anmerkung

Die Beispiele sind aus dem Bereich des Deutschunterrichts genommen, lassen sich aber sinngemäß auf alle anderen Fächer übertragen.

Der hermeneutische Zirkel

Literatursuche ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit keine einmalige Angelegenheit. Sie muss vielmehr bei Bedarf immer wieder durchgeführt werden. Man kann sich die Recherche also wie einen Kreis oder eine Spirale vorstellen, die bei jeder Umdrehung tiefer in die Thematik eindringt und das Verstehen voran bringt:

In der philosophischen Erkenntnistheorie spricht man auch vom sogenannten hermeneutischen Zirkel. Er geht von einem Vorverständnis aus, mit dem man an einen Text herangeht. Durch das verstehende Erfassen des Textes wird das Vorverständnis korrigiert oder erweitert. So entsteht ein neues, besseres Textverständnis und so weiter.

In einem erweiterten Sinn kann man den hermeneutischen Zirkel auch als Bild für die Erarbeitung eines Themas durch wiederholte Literaturrecherche sehen. Am Beginn der Arbeit steht ein bestimmtes Vorverständnis von der gestellten Aufgabe. Dieses gilt es in geeigneter Weise zu erweitern, so dass am Ende eine fundierte eigene Arbeit (Referat, Facharbeit, Seminararbeit etc.) steht.

Hilfen zur Themenanalyse

Vor dem Beginn der Recherche steht eine genaue Abgrenzung des Themas, welche sich auf Definitionen der in der Themenstellung enthaltenen Begriffe stützt. Neben der Begriffsbestimmung müssen auch eventuell enthaltene Operatoren berücksichtigt werden.

Definitionen

Für die Erfassung eines Themas ist die Begriffsdefinition von großer Bedeutung. Die Begriffe, auf die man im Rahmen einer Definition stößt, werden in eine Wortlisten-Tabelle eingetragen (s. unten!) und bilden dann den Ausgangspunkt der weiteren Recherche.

Begriffe kann man dadurch definieren, dass man sie in eine Begriffshierarchie einordnet. Ein einfaches Beispiel hierfür sind die Bezeichnungen für das Wortfeld „Pferd”: Wie ist der Begriff „Schimmel” zu definieren? Ein Schimmel ist ein Pferd (=Oberbegriff) mit weißem Fell (=Unterscheidungsmerkmal). Unterbegriffe könnten dann z. B. Stute, Hengst und Fohlen sein, wobei diese Unterbegriffe auch dem Antonym (=Gegenbegriff) Rappe „schwarzes Pferd” zugeordnet werden könnten.

Operatoren

Operatoren nennt man die Verben, die den eigentlichen Arbeitsauftrag eines Themas enthalten. Beispiele hierfür sind: „Analysieren Sie…”, „Erarbeiten Sie…”. Je nach verwendetem Operator ist mit den im Thema enthaltenen Begriffen anders umzugehen. Gelegentlich werden Operatoren als Substantive verwendet: Z. B. „Interpretation eines Gedichts”, „Erörterung der Fragestellung…” oder „Überprüfung eines Sachverhalts”.

Anmerkungen

Die folgenden Ausführungen gelten unabhängig von der Art der Recherche für jede wissenschaftliche Arbeit und jedes Unterrichtsfach.

Tabelle zur Themenanalyse

Kernbegriffe des Themas werden in eine Tabelle geschrieben. Im Rahmen einer Begriffsdefinition werden nun Synonyme, Ober- und Unterbegriffe und verwandte Begriffe gesammelt.
Internetrecherche-Tabellenvorlage

Im Folgenden Schema wird bereits gezielt eine Arbeit aus dem Bereich der Literaturwissenschaft angestrebt. Die Themenanalyse führt zu folgenden Begriffen:

Recherche im Internet

Recherche online

Recherche online

Das Vorgehen bei der Recherche ist vom verwendeten Medium weitgehend unabhängig. Die Online-Recherche orientiert sich am Verfahren bei Printmedien. Folgende Schritte sollten der Reihe nach durchlaufen werden:

Suche in

  • Wikipedia und andere allgemeine und fachspezifische Nachschlagewerke
  • Homepages zum Sachgebiet
  • Online-Redaktionen: Zeitungen, (Fach-)Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsender
  • Suchmaschinen und evtl. Datenbanken

Umgang mit Suchmaschinen

In der Regel kann man die Suchstrategie innerhalb einer Suchmaschine verfeinern, indem man bestimmte logische Operatoren anwendet. Bei jeder Suchmaschine gibt es eine Anleitung oder Hilfe, welche die Verwendung der Operatoren erklärt.

Jeder unbekannte oder unklare Begriff muss seinerseits wieder mit Hilfe der Suchmaschine geklärt werden. Ein System, das sich immer weiter verzweigt, nennt man auch Schneeballsystem:

Recherche im Internet

Vom Nachschlagewerk zur Fachzeitschrift

  • Online Lexika und Nachschlagewerke werden auf der gleichnamigen Seite der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg genannt.

    Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen:
    Online Lexika und Nachschlagewerke

    Eine umfangreiche Liste internationaler, germanistischer Fachzeitschriften ist auf der Seite Germanistik im Netz – Virtuelle Fachbibliothek Germanistik enthalten. Dort sind die Zeitschriftentitel mit den jeweiligen Homepages verlinkt.

    germanistik.net:
    Fachzeitschriften

    Besonders zu erwähnen ist die Funktion Google scholar der bekannten Suchmaschine, mit der nach wissenschaftlichen Artikeln recherchiert werden kann. Die Suchergebnisse verweisen eher selten auf den Volltext eines gefundenen Werkes, enthalten aber genaue bibliographische Angaben, mit deren Hilfe das Buch offline besorgt werden kann. Oft genügt die Vorschau auf das Inhaltsverzeichnis oder einen Textauszug, um die Relevanz des Werkes einschätzen zu können.

    Google scholar

Umgang mit Recherche-Ergebnissen

Die Tiefe der Recherche richtet sich nach der Bedeutung der anstehenden Arbeit: Für eine „normale” Hausaufgabe, ein Referat, eine Facharbeit oder Seminararbeit wird man jeweils einen anderen Zeitrahmen einplanen. Auch wenn die Recherche eigentlich nie zu einem endgültigen Abschluss kommt (s. oben: Hermeneutischer Zirkel!), müssen die Ergebnisse schließlich ausgewertet werden.

Bewertung von Online-Quellen

Im Internet kann jeder veröffentlichen: Fachleute oder Laien, Amateure oder Betrüger. Mit Hilfe der folgenden Prüfkriterien kann man einschätzen, ob eine Seite vertrauenswürdig ist und qualitativ wertvolle Informationen liefert:

Kriterium

Folgendes sollte gegeben sein:

Webauftritt Impressum, Ansprechpartner, Postanschrift und Mailkontakt
Herausgeber und Autor Webseite einer Organisation, Firma, Institution, Partei etc.
Anerkannter Fachmann
Referenzen Links von und zu anderen fachspezifischen Seiten
Inhalt und Wissenschaftlichkeit Seriöse Quellenangaben
Detaillierte Sachinformationen
Überprüfbarkeit auf anderen Seiten
Zielgruppe Wissenschaftliches Fachpublikum
Aktualität Aktuelle Literaturangaben / Erstellungsdatum
Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit Bedienerfreundlichkeit
Formales Richtige Orthographie und Zeichensetzung
Art der Darstellung Sachlich und objektiv
Design Keine Popups, animierte Gifs, übertriebene Eye-Candies
Werbung Keine Werbung!

Exzerpieren und Zitieren

Nicht alle im Zuge einer umfangreichen Recherche gefundenen Quellen müssen vollständig gelesen und exzerpiert werden. Bei Online-Artikeln hilft ggf. das Inhaltsverzeichnis (hier gelegentlich TOC – Table of Content genannt), ein Blick auf enthaltene Listen, Tabellen, Grafiken und Bilder, eine schnelle Entscheidung über das Weiterlesen herbeizuführen.

Bei der Arbeit am Computer ist die Versuchung groß, Textpassagen einfach zu kopieren und neu zusammenzustellen. Ein solches Kompilat genügt jedoch nicht wissenschaftlichen Ansprüchen und kann als Plagiat gewertet werden.

Zu jedem fachgerechten Zitat gehört auch eine genaue Quellenangabe, die bei Webseiten bestimmten Anforderungen genügen muss. Bei nicht allzu umfangreichen Texten empfiehlt es sich, eine Kopie für den Anhang in der eigenen Arbeit anzufertigen.

Links

  • Stand
  • 24. April 2015
  • Autor
  • Günther Neumann, Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Deutschunterricht
  • Beitragsbild
  • ©iStock.com/baona