Sachinformation

Die Forschung besagt, dass der Informationsgewinn aus Nachrichten als eher gering eingestuft wird. Von einem großen Teil der Bevölkerung werden die Nachrichtenmeldungen weder verstanden noch behalten. Allgemeine Kritik wird laut, dass die Machart, die Themenauswahl und Darstellungsweise der Nachrichten kaum auf die Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen, Bedürfnisse und Sensibilitäten der Zuschauer eingehen. Zudem sind Nachrichtenberichte häufig zu kompliziert, unverständlich und abstrakt. Sie bieten nicht genügend Hintergrundinformationen und haben oftmals kaum Bezug zur (Alltags-)Lebenswelt der Zuschauer. Verständnisbarrieren wie fehlende Zusammenhänge über Ursachen und Auswirkungen und der Gebrauch von Fremdworten und Fachbegriffen blockieren darüber hinaus die Hinwendung zu dem Genre Nachrichten. Nachrichtenthematiken, die keine Relevanz für den eigenen Alltag haben, und mangelnde Betroffenheit gelten als weitere zentrale Vermeidungsfaktoren.

Da Nachrichtensendungen über typische Gestaltungskennzeichen verfügen, kann man sie ziemlich schnell von anderen Programmangeboten unterscheiden. Wie jedoch bei anderen Genres, gibt es auch bei den verschiedenen Arten von Nachrichtensendungen äußere und inhaltliche Unterschiede. So gibt es Sendungen, die bestimmte thematische Bereiche oder spezifische Interessen berücksichtigen und auf die Bedürfnisse spezieller Zielgruppen zugeschnitten sind (z. B. Wirtschafts-, Sport-, Musik- oder Kindernachrichten). Im Fernsehen sehen wir täglich eine Fülle an Programmangeboten, die unterschiedlichen Zwecken folgen, aber auch unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen. In diesem Zusammenhang wird oftmals der Vergleich von seriösen und boulevardesken (Infotainment-)Formen von Nachrichtensendungen thematisiert. Die Abwechslung von ernsten und unterhaltsamen Themen, ohne eine klare Trennung zwischen Information und Unterhaltung, ist kennzeichnend für so genannte Infotainment-Nachrichten. Sowohl die Auswahl der Themen als auch deren Präsentation und die Sendungsgestaltung orientieren sich vorrangig an einem Unterhaltungsbedürfnis.

viele Bildflächen eines Fernsehstudios

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Anmerkungen

Arbeitsmittel

Aktuelle Nachrichtensendung (Stream via Mediathek oder Nachrichtenmitschnitt vom Vorabend);

Mitschnitte mehrerer thematisch gleicher Beiträge verschiedener Nachrichten- und Informationssendungen;

PC, Beamer/interaktive Tafel oder Fernseher und DVD-Player/Videorecorder;

Nachrichtenthemenliste (z. B. auf Folie).

Lehrplanbezug

Mittelschule, Jahrgangsstufe 8/9, Deutsch: Lesen und Mediengebrauch: Medien und Medienerfahrungen untersuchen;

Realschule, Jahrgangsstufe 8/9, Deutsch: Mit Texten und Medien umgehen: Die Rolle der Massenmedien untersuchen und hinterfragen;

Gymnasium, Jahrgangsstufe 8/9, Deutsch: Medien nutzen und reflektieren

Aufgrund unterschiedlicher Zuschauerbedürfnisse und -ansprüche gibt es entsprechend verschiedene Formen von Informationssendungen. Am bekanntesten sind die Hauptnachrichten („Tagesschau“ (ARD), „heute“ (ZDF), „RTL aktuell“ (RTL) etc.). In ihnen wird eine Zusammenschau von einzelnen Meldungen oder Filmbeiträgen über Tatsachen, Ereignisse oder auch Meinungen geboten, die von allgemeiner Relevanz sind. Hierunter lassen sich im weitesten Sinne auch tagesaktuelle Nachrichtenjournale wie etwa die „Tagesthemen“ (ARD) oder das „heute-journal“ (ZDF) fassen. Nachrichtenjournale unterscheiden sich von Hauptnachrichten durch eine größere Anzahl von Präsentationsformen und unterhaltenden Elemente. Abgesehen davon sind sie zeitlich länger und thematisch ausführlicher als die Hauptnachrichten.

Ähnlich den Nachrichtenjournalen sind aktuelle Informationsmagazine („Panorama“, „Auslandsjournal“, “Kontraste”), die ebenfalls Informationen über gesellschaftlich relevante oder politische Meldungen liefern. Diese Meldungen haben zwar einen aktuellen Anlass, sind aber oftmals nicht tagesaktuell. Boulevardmagazine („Explosiv“, „Stern-TV“, „taff“ etc.) sollte man besonders deutlich von konventionellen Nachrichten abgrenzen. Obwohl zum Teil tagesaktuelle Kurznachrichten enthalten sind – oftmals durch dramatische und reißerische Bilder in Szene gesetzt – liegt der Fokus vorrangig auf der Unterhaltung. Die Vermischung von Unterhaltung und Information (Infotainment) ist typisch für diese Sendungen. Die unterhaltenden Elemente sind meist nicht tagesaktuell und ohne gesellschaftliche Relevanz. Gezeigt werden menschliche Einzelschicksale, Katastrophen und Unfälle, die dramatisch in Szene gesetzt werden. Ähnlich den Boulevardmagazinen sind Reality-TV-Sendungen (z. B. „Aktenzeichen xy … ungelöst), in denen ebenfalls authentische Ereignisse (z. B. Einzelschicksale) thematisiert werden. Charakteristisch ist jedoch auch hier, dass oftmals nicht über Ereignisse direkt berichtet wird, sondern diese nachträglich mittels Schauspieler inszeniert bzw. nachgestellt werden.

©iStock.com/RTimages

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Egal, an welche Zielgruppe sich die verschiedenen Sendungen wenden, finden sich in ihnen eine erkennbare Sammlung an wiederkehrenden Sendungselementen (z. B. Zeituhr, Begrüßung, Nachrichtenüberblick, Meldungen, Wetter) und Textsorten (Moderation, Interview, Kommentar etc.) wieder, die generell in Nachrichtensendungen verwendet werden. So sollen signalartige Musikmotive auf der akustischen Ebene vor allem Aufmerksamkeit erzeugen und Bedeutsamkeit vermitteln. Visuelle Erkennungszeichen zwischen den einzelnen Meldungen wie Schlagzeilentext, Trenner, Datumsanzeige, Logo des Senders, Hintersetzer mit dem Namen des Sprechers oder die Person des Moderators bzw. der Moderatorin (Anchorman) gelten als weitere identifizierende Bausteine innerhalb einer Nachrichtensendung.

©iStock.com/AlexanderPodshivalov

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Phase 1: Meinungsbild über Nachrichten

Die Schülerinnen und Schüler sollen zu Beginn über ihr eigenes Nutzungsverhalten in Bezug auf Nachrichten und über ihre Erfahrungen mit diesem Genre nachdenken. Als Einstieg in die Thematik Nachrichten bietet sich die Klärung einiger grundlegender Fragen an.

Didaktisch-methodisches Vorgehen

Erörtert innerhalb eines Klassengesprächs eure Erfahrungen mit Nachrichten und stellt anhand folgender Fragen ein ‚Meinungsbild‘ über Nachrichten her:

  • Warum sieht man sich Nachrichten an bzw. was ist die Funktion und der Zweck von Nachrichten?
  • Was ist überhaupt eine Nachricht?
  • Welche Nachrichtensendungen schaut ihr euch im Fernsehen an? Warum?
  • Was haltet ihr von Nachrichten? Welches (Des-)Interesse habt ihr an Nachrichten?
  • Welche verschiedenen Formen von Nachrichtensendungen kennt ihr? Welche davon nutzt ihr?
  • An wen bzw. an welche Zielgruppen richten sich diese verschiedenen Nachrichtensendungen?

Die Antworten der Schülerinnen und Schüler auf die gestellten Fragen sollten von der Lehrkraft gesammelt und ggf. von ihr ergänzt werden.

©iStock.com/CristianBaitg

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Phase 2: Nachrichten kann man sich schlecht merken!

Die Lernenden sollen erkennen, dass es aufgrund der Fülle an Nachrichtenmeldungen schwer fällt, sich alle Meldungen einer Nachrichtensendung zu merken. Sie sollen darüber reflektieren, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass man sich bestimmte Meldungen merkt bzw. nicht merkt. Ihnen wird auffallen, dass es bestimmte Meldungen sind, die sie sich besonders gut merken können, nämlich z. B. solche, von denen sie sich betroffen fühlen bzw. diejenigen, die Bedeutung für ihren Alltag haben und die sie thematisch interessieren.

Die Schülerinnen und Schüler schauen sich ohne eine Erklärung der Lehrkraft eine Nachrichtensendung an. Nach der Vorführung sollen die Lernenden sofort aufschreiben, welche Meldungen sie behalten haben und worum es darin im Einzelnen ging. Die Ergebnisse werden auf der Tafel gesammelt und mit der tatsächlichen Nachrichtenthemenliste, die von der Lehrkraft bereits vorab erstellt wurde, verglichen.

Didaktisch-methodisches Vorgehen

Die Schülerinnen und Schüler sollen folgende Fragen beantworten:

  1. Wie viele Meldungen wurden im Klassendurchschnitt behalten?
  2. Seht euch die Meldungen, die die meisten behalten haben, genauer an. Warum habt ihr gerade diese Meldungen behalten?
    – Waren es Meldungen aus offizieller Politik, Berichte über Katastrophen, Unfälle, Sensationen oder Klatsch über Prominente?
    – Hatten sie etwas mit eurem Alltag oder mit Sachen die euch interessieren zu tun?
  3. Wie sahen im Vergleich dazu die Meldungen aus, die sich keiner oder nur wenige aus der Klasse merken konnten?Die Ergebnisse sollen protokolliert werden! Abschließend sollen die Schülerinnen und Schüler überlegen, woran es liegen könnte, dass man sich
  4. nur wenige Meldungen merken kann und
  5. bestimmte Meldungen besser merken kann.

In der Ergebnissicherung sollten auch Punkte aus der Diskussion enthalten sein.

©iStock.com/Vertigo3d

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Phase 3: Gestaltungselemente von Fernsehnachrichten

Den Schülerinnen und Schüler soll bewusst werden, dass es nicht die einen Nachrichten gibt, die umfassend über alles informieren. Ihnen soll deutlich werden, dass unterschiedliche Formen von Nachrichten- und Informationssendungen den Fernsehalltag bestimmen und sich diese sowohl an den inhaltlichen (Themenauswahl) als auch formalen (Themengestaltung) Bedürfnissen ihrer Zielgruppen orientieren bzw. dementsprechend angepasst werden. Durch das Erkennen der immer wiederkehrenden äußeren Gestaltungsmerkmale kann von den Lernenden die hohe Normierung von Nachrichtensendungen leichter durchschaut werden. Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Nachrichtensendern und -formen sowie die Gründe für deren ungleiche Gestaltung können schneller herausgearbeitet werden. Ziel dieser Unterrichtseinheit ist, die Lernenden zu einer bewussten und reflektierten Nachrichtenrezeption anzuhalten. Wesentlich dabei ist das Erkennen der Unterschiede zwischen Nachrichten- und Infotainmentsendungen.

Didaktisch-methodisches Vorgehen

Die Lehrkraft zeichnet im Vorfeld mehrere Beiträge zum gleichen Thema aus verschiedenen Nachrichten- und Informationssendungen auf.

Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es, diese Sendungsausschnitte, in denen über das gleiche Thema/Ereignis berichtet wird, auf ihre äußeren und inhaltlichen Gestaltungsmerkmale hin zu untersuchen. Dazu ist es nötig verschiedene Gruppen zu bilden (siehe unten). Die Schülerinnen und Schüler ordnen sich den Gruppen zu und einigen sich darauf, wer bei der Beobachtung welchen Schwerpunkt wählt. Je nach Klassengröße und Interessensschwerpunkten können folgende Gruppen gebildet werden:

  • Gruppe 1 notiert den Namen der Sendung und den Sender, stoppt die Zeit der einzelnen Beiträge und achtet darauf, woran man jeweils sofort erkennt, dass es sich um eine Nachrichtenmeldung handelt.
  • Gruppe 2 achtet nur auf die verwendeten Textsorten und notiert diese (Moderation, Wortmeldung, Filmbericht, Korrespondentenbericht, Kommentar, Interview). Die verschiedenen Textsorten sollten vorab von der Lehrkraft erläutert werden.
  • Gruppe 3 achtet nur auf die verwendeten Bilder (Grafik, Stand-bild/Foto, Schrifteinblendung, bewegtes Bild/Film) und darauf, welche Bilder genau gezeigt und in welcher Art sie gezeigt werden (Gefühlswirkung).
  • Gruppe 4 achtet nur auf die verwendete Sprache (Wortwahl: Fremdwörter, Fachausdrücke, Umgangssprache) und deren Verständlichkeit, Schnelligkeit und Satzbau. Am besten drehen die Schülerinnen und Schüler dabei der Präsentationsfläche den Rücken zu.
  • Gruppe 5 achtet nur darauf, ob die gezeigten Bilder/Filme auch mit dem vorgetragenen Text übereinstimmen, d. h. ob sie den Text ergänzen/bereichern oder eher stören und vom auditiven Inhalt ablenken („Text-Bild-Schere“).
  • Gruppe 6 achtet nur auf die Art der Moderation und das Auftreten des Moderators bzw. der Moderatorin (seriös, locker, wertend, sachlich, glaubwürdig, objektiv etc., Körpersprache, Kleidung, Alter, Geschlecht).
  • Gruppe 7 achtet auf die Inhalte und die Schwerpunkte, die in den einzelnen Beiträgen gesetzt werden. Von Interesse sind hier besonders potenzielle Elemente der Inszenierung und ihre Wirkungsweisen.
©iStock.com/Nastco

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Aufgrund der Schwierigkeit, Form und Inhalt zu analysieren sollten die Gruppen 3 und 7 möglichst aus jeweils 4-5 Lernenden bestehen. Nach jeder Meldung wird kurz gestoppt, so dass die Gruppen ihre Ergebnisse auf einem Protokollbogen notieren können. Falls die einmalige Ausstrahlung nicht ausreicht, sollte diese – je nach Zeitrahmen – wiederholt werden.

Im Anschluss an die Vorführung der thematisch gleichen Beiträge sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppen notiert und die Gründe für die ungleiche Aufbereitung der Themen/Ereignisse diskutiert werden. In diesem Zusammenhang sollte sowohl die Zielgruppenausrichtung als auch die Frage nach der Objektivität und Glaubwürdigkeit der einzelnen Darstellungen besprochen werden.

© iStock.com/Vertigo3d

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