Erörtern mit Einsatz der Gliederungsfunktion

Meist beschränkt sich der Einsatz eines Textverarbeitungsprogramms auf das reine Abtippen des sogenannten Fließtextes. Viele Schülerinnen und Schüler wissen jedoch nicht, dass eine bestimmte Programmfunktion das gezielte Überarbeiten des Textes und die Erstellung einer stimmigen Gliederung ermöglicht. Mit der Gliederungsfunktion können Zwischenüberschriften und die dazugehörigen Textblöcke beliebig verschoben und neu angeordnet werden. Dies ist vor allem beim Verfassen einer Erörterung hilfreich, wenn etwa einzelne Argumente nach ihrer Wichtigkeit angeordnet werden sollen, die Reihenfolge von Pro- und Contra-Argumenten verändert werden muss oder gar zwischen einer blockartigen Gegenüberstellung zu einer alternierenden dialektischen Gliederung gewechselt werden soll. Dies wird durch die Gliederungsfunktion möglich, ohne den Aufsatz komplett neu schreiben zu müssen.

Die folgenden Beschreibungen beziehen sich auf das kostenlose OpenOffice.Writer bzw. LibreOffice.Writer. Bei anderen Programmen gibt es analoge Funktionen.

Symbolbild vier aufeinanderliegender geöffneter Bücher aus denen die Buchstaben fliegen

©iStock.com/nito100

Unterrichtspraxis

Die Gliederungsfunktion kann sowohl bei Übungen in der Schule als auch selbstständig zu Hause eingesetzt werden. Nach einer kurzen Einführung in die leicht veränderte Arbeitsweise gelingt dies schnell und bei jedem beliebigen Erörterungsthema.

Vorbereitung
Die ersten Arbeitsschritte sind identisch mit dem bekannten Vorgehen beim Erörtern: Das Thema muss erfasst werden, Stichworte werden gesammelt und zu einer ersten, vorläufigen Gliederung angeordnet. Diese Gliederung wird in das Textverarbeitungsprogramm eingegeben. Die Gliederung zu einem literarischen Thema könnte z. B. so aussehen wie in der folgenden, linken Tabellenzelle. Überschrift und Angabe der Stilform gehören nicht zur Gliederung:

Die einzelnen Gliederungsebenen werden mit passenden Formatvorlagen für Überschriften versehen, wobei Die Gliederungspunkte A, B und C die Formatvorlage Überschrift 1 erhalten, die Punkte I, II und III die Formatvorlage Überschrift 2 uns so weiter. Zur Verdeutlichung sind diese Gliederungsebenen oben links eingerückt und die zugehörigen Formatvorlagen oben rechts farbig markiert. Die Hierarchie der Formatvorlagen ist unbedingt einzuhalten, sonst gelingt die spätere Bearbeitung nicht in der gewünschten Weise.

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nicht, dass eine bestimmte Programmfunktion das gezielte Überarbeiten des Textes und die Erstellung einer stimmigen Gliederung ermöglicht.

Viele Schülerinnen und Schüler wissen nicht, dass eine bestimmte Programmfunktion das gezielte Überarbeiten des Textes und die Erstellung einer stimmigen Gliederung ermöglicht.

Ausarbeitung

Anders als beim herkömmlichen Verfassen des Aufsatzes wird die Ausarbeitung des Textes jetzt nicht am Ende der Gliederung angefügt, sondern die Ausführung wird abschnittweise jeweils nach ihrem zugehörigen Gliederungspunkt eingefügt. So kommen die Gliederungspunkte als Zwischenüberschriften im Text zu stehen.

Überarbeitung

Sobald der Text vollständig eingegeben ist (oder auch schon vorher), erfolgt die Überarbeitung mit Hilfe des sogenannten Navigators. Er wird in OpenOffice bzw. LibreOffice mit F5 aufgerufen. Der Navigator zeigt in einem kleinen Fenster sämtliche im Dokument enthaltenen Objekte – in unserem Zusammenhang sind jedoch nur die Überschriften, die erste Objektklasse, interessant. Wenn eines oder mehrere Argumente im Text an eine andere Stelle gerückt werden soll, ist der entsprechende Gliederungspunkt – entsprechend durch seine Formatvorlage (Überschrift 1, 2 oder 3) definiert – anzuklicken. Mit den nun aktivierbaren Icons Kapitel hoch, Kapitel hinunterEbene hoch und Ebene senken kann jeder Gliederungspunkt zusammen mit dem ihm zugeordneten Textabsatz verschoben werden, bis die gewünschte Reihenfolge erreicht ist.
Inhaltliche Umformulierungen der Gliederungspunkte sind jederzeit möglich und wirken sich sowohl im Text als auch im Navigator aus.

Workflow für Schüler

  • 1. Thema erfassen
    2. Stichworte sammeln
    3. (Vorläufige) Gliederung erstellen
    4. Gliederungsebenen mit Formatvorlagen Überschrift 1…3 versehen
    5. Argumentation zwischen Gliederungspunkten ausformulieren
    6. Im „Navigator” Gliederungspunkte einschließlich Absätze der Ausführung anordnen: Eingekreiste Icons verwenden! (Menü Einfügen > Verzeichnis > Verzeichnisse…)
    7. Vor der Ausführung Verzeichnis (mit Gliederung) einfügen: Titel: Gliederung/ Auswerten bis Ebene … [Anzahl der Gliederungsebenen wählen]
    8. Text und Gliederungspunkte überarbeiten/ Kontextmenü Mauszeiger in der Gliederung – rechte Maustaste – Verzeichnis aktualisieren
    9. Verzeichnis aktualisieren: Formulierungen und evtl. Seitenzahlen werden angepasst
    Je nach Bedarf die Punkte 5-9 wiederholen. Zwischendurch immer wieder speichern!

Fertigstellung

Da die ursprünglichen Gliederungspunkte mittlerweile als Zwischenüberschriften im Text enthalten sind, aber eine der Ausführung vorangestellte Gliederung wünschenswert ist, kann man das Textverarbeitungsprogramm eine solche Gliederung automatisch aus den vorhandenen Formatvorlagen erstellen lassen. Dazu ist die Schreibmarke (Cursor) an die gewünschte Stelle vor Beginn des Aufsatzes zu setzen. Über den Menübefehl Einfügen > Verzeichnisse > Verzeichnisse… öffnet sich ein Dialogfenster, in dem als Titel für das einzufügende Verzeichnis Gliederung eingegeben wird. Die anderen Optionen können unverändert bleiben. Durch Klick auf OK wird die fertige Gliederung wie ein Inhaltsverzeichnis mit angepassten Seitenzahlen eingefügt. Bei nachträglichen Änderungen kann diese Gliederung immer wieder aktualisiert werden.

Links

  • Stand
  • 29. April 2015
  • Autor
  • Günther Neumann, Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Deutschunterricht