Digitale Medien im Geographieunterricht

In wohl kaum einem Unterrichtsfach hat sich der Medieneinsatz im Zuge der digitalen Wende so drastisch verändert wie in der Geographie. Vor allem die Nutzung von Luft- und Satellitenbildern oder die Verwendung digitaler Karten ist inzwischen nicht nur im privaten Umfeld der Schülerinnen und Schüler alltäglich geworden und hat die Raumwahrnehmung verändert – auch der Geographieunterricht ist Nutznießer der Fülle hochwertiger, oft frei verfügbarer Fernerkundungsdaten. Daneben steht den Lehrenden ein schier unerschöpflicher Fundus an digitalen Bild- und Filmmedien zur Verfügung, um geographische Räume und Sachverhalte in der Schule ansprechend zu vermitteln.

Der Geographieunterricht als „mobiles Fach“ profitiert zudem in besonderem Maße von den Möglichkeiten mobiler Endgeräte und ihrer – nicht unbedingt geographiespezifischen – Anwendungen. Im Rahmen von Unterrichtsgängen oder Exkursionen zeigen sich vielfache Einsatzgebiete, um mit Hilfe der mobilen Geräte Unterricht und Realitätsnähe direkt erfahrbar zu machen, z. B. bei der Orientierung im Gelände oder der Durchführung von Befragungen und Kartierungen.
Welche Medien geographisches Lernen in besonderer Weise unterstützen, stellt eine aktuelle Fragestellung dar, die die Geographiedidaktik über empirische Analysen der Unterrichtspraxis und Forschungsvorhaben zur Rolle und Wirksamkeit medialer Unterrichtsgestaltung untersucht (BUDKE und KANWISCHER 2015, S. 56).

Mit dem alltäglichen Einsatz digitaler Geomedien gewinnen das technische geomediale Wissen sowie die reflexiven Fähigkeiten an Bedeutung. KANWISCHER (2014, S. 14 f.) bezeichnet das Durchschauen der bei der Nutzung digitaler Geomedien stattfindenden „Filterungs- und Konstruktionseffekte“ als zentrale Herausforderung geographischer Bildung. Nach GRYL und JEKEL (2012) stellen die Fähigkeit zur Teilhabe an der Geoinformationsgesellschaft („Spatial Citizen“) und die darauf fußenden räumlichen Analysekompetenzen („Spatial Analyst“) die Hauptziele der schulischen Geomedienbildung dar.

Bild einer Raumsonde mit Erde im Hintergrund

Materialien

  • Was ist Spatial Citizenship?

    Das EU-Projekt SPACIT will das Konzept der Spatial Citizenship in den Unterricht transportieren. Es klärt Lehrkräfte und Lernende über die Bedeutung von räumlichem Denken in Verbindung mit der Nutzung von Geoinformationen auf.
    SPACIT hat dazu umfassende Unterrichtshilfen für die Sekundarstufe II zur Förderung der für Spatial Citizenship relevanten Kompetenzen entwickelt – darunter auch diverse Materialien zur Anwendung von Geomedien und ihrem Beitrag zur Raumaneignung.

    SPACIT:
    Kursübersicht
Das SPACIT-Kompetenzmodell bildet die Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Einstellungen ab, die Lernende im Zuge der (Aus-)Bildung für eine Spatial Citizenship entwickeln sollen. Die Kernkompetenzen lauten „Geomedientechnik und Methoden“, „Reflektierter Geomedienkonsum“ und Kommunikation mit Geomedien“.

Entwicklung von Medien- und Methodenkompetenz

Die Verwendung digitaler Medien im Geographieunterricht in Ergänzung zu traditionellen Medien ist eine Antwort des Faches zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Dabei soll die Beschäftigung mit dem Medium kein Selbstzweck sein, sondern eine Bereicherung des Unterrichts in Zeiten der Informationsgesellschaft, die den aktuellen pädagogischen Paradigmen wie Selbststeuerung und individuelles Lernen ebenso zuarbeitet wie der Kompetenzorientierung der jüngsten Lehrplangeneration. Entsprechend findet sich der Medieneinsatz als verbindlicher Bildungsauftrag des Geographieunterrichts in Bildungsstandards und Fachlehrplänen formuliert. Zum kritischen und reflektierten Umgang mit Bildern, Karten sowie Geographischen Informationssystemen exisitieren fachspezifische Kompetenzmodelle (z. B. JAHNKE, GRYL).

Der fachliche und motivationale Mehrwert bei der Verwendung digitaler Medien im Unterricht ergibt sich gerade auch aus der Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler nicht nur mit Faktenwissen zu konfrontieren, sondern sie zu vernetztem Denken zu animieren. Filmsequenzen, Simulationen oder differenzierte Informationsangebote lassen eine Beschäftigung mit geographischen Themen aus verschiedenen Blickwinkeln und auf unterschiedlichen Niveaustufen zu. Besonders bei der Darstellung raum-zeitlicher Prozesse spielen die Neuen Medien ihr Potenzial aus und fördern problemorientiertes Lernen (vgl. REUSCHENBACH & LENZ 2012, S. 5).

Die Heranwachsenden eignen sich im Geographieunterricht mediale und methodische Kompetenzen an und erkennen die besondere Bedeutung, die digitalen Geomedien bei der Entwicklung ihres Weltbildes zukommt. Eine verantwortungsvolle Medienbildung soll den Schülerinnen und Schülern eine klare Wertorientierung ermöglichen und zugleich reflektieren, dass im Unterricht eingesetzte Geomedien stets nur einen selektiven Blick auf die Realität zulassen (vgl. HAVERSATH 2012, S. 169 f.). Anschauliches Beispiel hierfür sind die graphischen Manipulationsmöglichkeiten bei der Gestaltung thematischer Karten in Abhängigkeit von der Aussageabsicht, die mit den darzustellenden Geodaten verfolgt wird (vgl. Abb. 2).

Mit Hilfe der digitalen Kartographie lässt sich die Welt zweifellos umfassender betrachten, es gilt aber auch, die Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren, dass die Neokartographie eine unmittelbare Interpretation von Geovisualisierungen durch die Hyperlink-Struktur verstellen kann (THIELMANN 2014, S. 32).

Besonderes Augenmerk bei der Erkenntnisgewinnung der Schülerinnen und Schüler durch Umgang und Herstellung von Medien gilt der Individualisierung von Lernprozessen. Neben der Passung zu didaktisch sinnvollen, die Eigentätigkeit fördernden Lehr- und Lernformen wie der Projektarbeit lässt sich selbstbestimmtes Lernen auch durch ein im Anspruchsniveau abgestuftes Aufgabenangebot zu den Medien verwirklichen (vgl. HAVERSATH 2012, S. 176 f.).

Abb. 2, ©http://commons.wikimedia.org/wiki/File:UN_Human_Development_Report_2013.svg, CC BY-SA 3.0

Abb. 2, ©http://commons.wikimedia.org/wiki/File:UN_Human_Development_Report_2013.svg, CC BY-SA 3.0

  • Weltkarte des HDI 2013 - selbst ohne Legende erschließt sich durch die gewählte Symbologie sofort die Aussageabsicht

Unterrichtsgestaltung mit digitalen Geomedien

Die Klassifizierung von Medien kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten erfolgen und stellt mit dem jeweils gewählten Kriterium bestimmte Eigenschaften eines Mediums in den Vordergrund. Geomedien zeichnen sich dadurch aus, dass sie audiovisuelle Informationen um Rauminformationen ergänzen, was sich sowohl sowohl auf Texte und Bilder (z. B. Karte, Atlas) als auch auf Animationen oder Filme mit Geo-Inhalten anwenden lässt. Eine systematische Analyse der digitalen Geomedien umfasst in manchen Übersichten (vgl. BARNIKEL & VETTER 2012, S. 5, REUSCHENBACH & LENZ 2012, S. 6) nicht nur die Bilder, Filme und Geodaten selbst. Meist sind zudem die vorausgesetzten Geräte sowie die Werkzeuge berücksichtigt – neben Software im engeren Sinn auch Lernplattformen oder digitale Schulbücher –, die im Unterricht verwendet werden (vgl. Abb. 3). Kommunikation und Präsentation mit Unterstützung durch digitale Medien sind heute in vielen Fällen selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts.

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Abb. 3: Digitale Medien im Geographieunterricht

Gegenüber früher hat sich das Angebot an aktuellen und einfach zugänglichen Geodaten enorm vergrößert. Aber auch die Aufbereitung und der Austausch digitaler Lernmaterialien werden mit Hilfe der neuen Tools zunehmend erleichtert und laden zur Kombination verschiedener Medien ein, z. B. von der Recherche am PC über die Visualisierung der Daten in einem GIS bis zur Präsentation der Ergebnisse auf der eigenen Kurs-Homepage.
Den lernförderlichen Aspekten digitaler Medien wie hohe Anschaulichkeit oder „Förderung eines Prozessverständnisses durch Animationen und Simulationen“ (REUSCHENBACH & LENZ 2012, S. 4) stehen die Risiken durch technische Unzulänglichkeiten oder methodisch unstrukturierten Unterrichtseinsatz entgegen. Die Vermittlung von Strategien für eine erfolgreiche Internetsuche, beispielsweise mit Hilfe von Lernpfaden, oder ein gewinnbringender Austausch in virtuellen Kommunikationsforen – ohne die reale Lernsituation aus den Augen zu verlieren – sind zentrale Aufgaben einer modernen Mediendidaktik.

Unter dem umstrittenen Begriff der „Neogeographie“ – dem Gebrauch geographischer Tools durch Nicht-Experten (vgl. TURNER 2006, S. 3) – werden Anwendungsmöglichkeiten zusammengefasst wie das Erfassen von Geodaten durch den Nutzer selbst oder ggf. gemeinschaftlich (z. B. OpenStreetMap). Sie können gerade für den unterrichtlichen Einsatz interessant sein, da sie die Schülerinnen und Schüler in ihrer (digitalen) Realität abholen. Ähnliches gilt für das sog. Geotagging, beim dem Daten mit ortsbezogenen Informationen verknüpft werden (z. B. bei der Geokodierung von Fotos oder der Bewertung der attraktivsten Ausflusgsziele).
Um den Lernenden das Konstrukt „Raum“ als Ergebnis subjektiver Wahrnehmung näherzubringen, „muss das eigene Erleben der Schüler für den Erkenntnisprozess nutzbar gemacht werden“. Nach KERBER und NEUER (2014, S. 28) kann der Abgleich eigener ortsspezifischer Eindrücke mit der Wahrnehmung anderer oder mit objektiven Ergebnissen das Bewusstsein für ein umfassendes Raumverständnis schärfen. Ebenso für die Raumaneignung eignet sich die fächerübergreifende Methode des interaktiven mobilen Erzählens, bei der die Schülerinnen und Schüler ihre persönliche Wahrnehmung eines Ortes in Form einer Geschichte thematisieren.

Nebenstehend ein Überblick zu den im Rahmen des Geographieunterrichts wichtigsten Anwendungen (vgl. HAVERSATH 2012, S. 178 ff., REUSCHENBACH & LENZ 2012, S. 6 ff.).

Mit der Allgegenwart mobiler Endgeräte bei Kindern und Jugendlichen haben einige der aufgelisteten Anwendungen – zumeist in vereinfachter Form auf Smartphones oder Tablet-PCs – Eingang in den Unterricht gefunden. Der Umgang mit geographischen Informationen ist damit vielfach selbstverständlicher geworden und hat die Produktion geographischen Wissens grundlegend verändert (BOECKLER 2014, S. 4). Zudem komme der Kartendarstellung in Zeiten der digitalen Geographie eine herausragende Bedeutung zu: „Alle Neogeographen sind heute am Kartenhandeln, an der Erfassung, Verwaltung und weiteren Vermittlungsschritten kartographisch repräsentierter Daten beteiligt“ (BOECKLER 2014, S. 8). Für den Unterricht bieten sich somit zahlreiche Anknüpfungspunkte zwischen informellem Lernen und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit geographischen Visualisierungen und ihrer Genese – bis hin zur Problematisierung der entstandenen „Map Mashups“ (vgl. THIELMANN 2014, S. 31).

BRENDEL und SCHRÜFER (2014) betonen in ihren grundlegenden geographiedidaktischen Überlegungen zum Tableteinsatz im Unterricht die Möglichkeit der individuellen Auseinandersetzung des Lernenden mit dem Gegenstand. Die persönliche Lernumgebung in Form des Tablets oder Smartphones zeichne sich durch die „Vereinigung vieler verschiedener Einzelmedien (Bildschirm, Kamera, Tonaufnahme und -abspielgerät) in einem Gerät“ aus. Neben der gestalterischen Komponente des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem einfachen Sichtbarmachen von Ergebnissen seien „Reflexion und Evaluation der Schülerprodukte“ unerlässlich. In höheren Jahrgangsstufen kann die Reflexion auch die Analyse von Raumkonzepten, die Beurteilung von Geoinformationen oder der zu Grunde liegenden Wertvorstellungen mit einschließen.

hilfreiche Geo-Anwendungen

  • Lernsoftware und Spiele

    Lernprogramme bieten häufig Informationen und Wissenstests, sodass die Lernenden einen handlungsorientierten und individuellen Zugang zum Thema erhalten. Ein Geographie-Beispiel für eine typische Web 2.0-Anwendung ist die folgende Seite:

    Erstellung des persönlichen ökologischen Fußabdrucks

    Animationen veranschaulichen Sachverhalte aus der Natur, indem Prozesse vereinfacht und beobachtbar wiedergegeben werden. Simulationen können zudem interaktive Elemente beinhalten. Häufige Beispiele sind Anwendungen zum Klimawandel sowie zu glazialen oder tektonischen Prozessen. Ihren Einsatz in Kombination mit der Verwendung eines interaktiven Whiteboards haben THIER & STENGELIN 2012 untersucht. Hier ein Beispiel der University of Colorado:

    Plattentektonik

    Hinweise zur Verwendung von Standard-Software für Bild- oder Textbearbeitung, Tabellenkalkulation oder zur Präsentation von Inhalten gibt Wolfgang Fraedrich in einem Artikel zum E-Learning im Geographieunterricht (FRAEDRICH 2012).
  • interaktive Lernräume

    Auf einer meist webbasierten Lernplattform bieten Lehrerinnen und Lehrer Lernmaterial an, das von den Lernenden für die individuelle Aneignung oder die Erarbeitung im Klassenverband genutzt werden kann. Vorteil der virtuellen Lernumgebungen sind der von Ort und Zeit unabhängige Zugang per Internet sowie die genau auf die Nutzergruppe abstimmbaren Informationen und Aktivitäten. Diese Kombination von Präsenzunterricht und E-Learning bezeichnet man auch als integriertes Lernen. Der folgende Moodle-Kurs der mebis-Lernplattform veranschaulicht die digitale Bereitstellung von Lernmaterial einer Unterrichtssequenz für die 8. Jahrgangsstufe:

    Einführung in die Nutzung von Klimadiagrammen
  • Geographische Informationssysteme (GIS) und virtuelle Globen

    GIS dienen der Erstellung, Verwaltung, Analyse und Präsentation raumbezogener Daten und gehören heute zum Standard in vielen geowissenschaftlichen Berufen. Auch im schulischen Kontext ist das Anwendungsspektrum extrem breit und reicht von der Orientierung im Schulumfeld über einfache Kartierarbeiten oder sozialräumliche Analysen bis hin zur Modellierung von Umweltfaktoren oder vom Menschen verursachten Emissionen. Entweder ist die Installation und Einarbeitung in eine Desktop-GIS-Software erforderlich oder man greift im Unterricht auf webbasierte GIS zurück, die ausgewählte Geodaten anbieten und die Rechenoperationen auf dem Webserver durchführen. Hinweise zur GIS-Software und Unterrichtsideen finden sich weiter unten in diesem Beitrag in folgenden Kapiteln:

    Fernerkundungsdaten in der Unterrichtspraxis

    Geographische Informationssysteme in der Unterrichtspraxis

    Die Kombination von Orthofotos mit Geodaten, digitalen Höhenmodellen und Globusdarstellungen ist das Hauptkennzeichen von Kartendiensten. Vorteil digitaler Globen ist die verzerrungsfreie Abbildung der dreidimensionalen Realität, sodass sie - zusammen mit dem hohen Grad an Interaktionsmöglichkeiten - "Raumvorstellung und Orientierungsfähigkeit auf anschauliche Weise" fördern (HAVERSATH 2012, S. 225 f.). Zu den bekanntesten Kartendiensten zählen:

    BayernAtlas (Landesamt für Vermessung und Geoinformation)

    Bing Maps

    Google Earth

    OpenStreetMap

Fernerkundung in der Unterrichtspraxis

Die klassischen Vorteile kartographischer Repräsentationen gegenüber anderen Wissensspeichern – nämlich Informationsverdichtung und raschere Verarbeitung im menschlichen Gehirn (vgl. HAVERSATH 2012, S. 192 f.) – werden durch das Layerprinzip von digitalen Karten und GIS erweitert um die einfache Zusammenschau unterschiedlicher Strukturen des gewählten Raumausschnitts. Um die Lernenden an die hohe Komplexität heranzuführen und ihnen eine Auswertung z. B. zur Orientierung aufzuzeigen, werden sie im Unterricht sukzessive (idealerweise: begleitet von einem Medien- und Methodencurriculum) mit dem Kartenlesen, der Interpretation und der kreativen Kartenarbeit vertraut gemacht. Ähnliches gilt für die Einführung in die Auswertung von Satelliten- und Luftbildern.

Die Fernerkundungsdaten sind nicht nur im öffentlichen Leben sehr präsent, sondern nehmen auch im Geographieunterricht eine zentrale Stellung bei der Veranschaulichung räumlicher Informationen und der Schaffung von Raumkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern ein. In den bayerischen Lehrplänen ist die Interpretation von Satellitenbildern sowie thematischen Karten als typische geographische Arbeitstechnik ausgewiesen, die Verwendung Geographischer Informationssysteme wird in der Qualifizierungsphase der neuen Oberstufe am Gymnasium als fakultativ aufgeführt.

Abb. 4: Größenvergleich zweier Länder mit

Abb. 4: Größenvergleich zweier Länder mit TheTrueSize

Außer den nebenstehenden Handreichungen existieren im Internet etliche Seiten, die eine Online-Einführung in die Fernerkundung leisten. Die beiden deutschsprachigen Projekte an der Universität Bonn zielen speziell auf Schulen ab und bieten verschiedene Module, einschließlich fertiger Unterrichtseinheiten für verschiedene Fächer, zum Lernen mit Satellitenbildern – bei „Columbus Eye“ mit dem Fokus auf Live-Bildern aus dem All.

Abb. 5: Alpen und Italien von der ISS aus gesehen

Abb. 5: Alpen und Italien von der ISS aus gesehen

Bild: NASA / Scott Kelly lizenziert unter Public Domain über Wikimedia Commons

Materialien

  • Mit der Handreichung "Geographische Bildinterpretation" hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) einen Leitfaden zur Verwendung von Bildern in Aufgaben und Prüfungen sowie zur Vorbereitung auf Prüfungen mit geographischen Bildinterpretationen konzipiert, wie sie im Geographie-Abitur Eingang gefunden haben. Näheres dazu beinhaltet der folgende Beitrag:

    ISB (2010):
    Geographische Bildinterpretation
  • Daneben hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) ein Medienpaket zum Einsatz der Fernerkundung im Geographieunterricht am Gymnasium zusammengestellt. Näheres dazu beinhaltet der folgende Beitrag:

    ISB (2006):
    Satellitenbilder im Geographieunterricht

Links

  • Mittels der interaktiven Karte der Website "TheTrueSize" lassen sich die Verzerrungen auf zweidimensionalen Karten veranschaulichen. Die Anwendung ermöglicht den Größenvergleich zwischen Ländern - unabhängig von den Flächenfehlern auf den üblichen winkeltreuen Abbildungen der Erdkugel:

    Talmage, James & Maneice, Damon:
    www.thetruesize.com
  • Das Lernportal "Fernerkundung in Schulen" arbeitet unter Verwendung von Satellitenbildern und Einsatz eines neuen didaktischen Konzepts mit interaktiven und digitalen Lernmodulen. Anhand von lernplanspezifischen Problem- und Fragestellungen werden die Schülerinnen und Schüler in die Fernerkundung und digitale Bildbearbeitung eingeführt und es wird ein konkreter Anwendungsbezug zu den Fächern Geographie, Biologie, Mathematik und Informatik hergestellt:

    Geographisches Institut der Universität Bonn:
    www.fis.uni-bonn.de
  • Das Projekt "Columbus Eye – Live-Bilder von der ISS im Schulunterricht" verwendet Live-Streams von der ISS aus dem NASA-Experiment "High Definition Earth Viewing". Angeboten werden Materialien für Lehrkräfte zur Erdbeobachtung von der ISS. Neben Arbeitsblättern gibt es interaktive Lerntools und einstündige Lernmodule für die Fächer Geographie, Physik und Mathematik:

    Geographisches Institut der Universität Bonn:
    www.columbuseye.uni-bonn.de

Geographische Informationssysteme in der Unterrichtspraxis

Digitale Karten sind in Kombination mit dem Ortungsdienst als Apps auf mobilen Endgeräten verfügbar und gestatten das Aufnehmen neuer Daten (z. B. Fotos oder Audio-Dateien), die georeferenziert und in soziale Netzwerke oder andere Web 2.0-Dienste hochgeladen werden können (KERBER und NEUER 2014, S. 27 f.). Solche intuitiv zu bedienenden Anwendungen eignen sich für einfache Kartieraufgaben wie Stadtrallyes oder Lärmmessungen.

Mit Strategien zur nachhaltigen Implementierung von GIS im Geographieunterricht befassen sich HÖHNLE u. a. (2015). Die Autoren benennen Kriterien für die erfolgreiche Einführung von GIS in den Bereichen universitäre Lehrerausbildung, Fortbildungsmaßnahmen, GI(S)-Netzwerke, Rahmenbedingungen an der eigenen Schule, Geodaten, GI(S)-Software, Fachdidaktik, Unterrichtsbeispiele.

Einen niederschwelligen Einstieg in die GIS-Welt bieten u. a. die nebenstehenden erfolgreich erprobten WebGIS-Anwendungen. Diese Online-Geodienste erfordern auf Nutzerseite keine Installation von GIS-Software, sondern lassen sich im Browser darstellen.

Umfassende Funktionalitäten für die Erstellung und Veröffentlichung eigener WebMaps auf Basis zahlreicher wählbarer Grundkarten eröffnet Esri: ArcGIS Online.
Die cloud-basierte GIS-Technologie

  • ermöglicht die Einbindung von WMS-Diensten sowie eigenen Daten,
  • erlaubt Geokodierung oder komplexe Analysen sowie synchrones Editieren desselben Kartendokuments durch mehrere Benutzer,
  • stellt Apps zur einfachen Datenerfassung vor Ort bereit (z. B. Kartierung in Form von Mobile Crowdsourcing),
  • erfordert einen Esri-Account: 30-tägige Testversion oder Schulhauslizenz.
Abb. 6: Der Entwicklungsatlas - eine typische WebMap-Anwendung ©Esri

Abb. 6: Der Entwicklungsatlas – eine typische WebMap-Anwendung ©Esri

Neben dem Lebendigen Atlas der Welt, einer Sammlung frei verfügbarer WebMaps aus erfolgreichen Unterrichtsprojekten, bietet ArcGIS Online Zugang zu einer Vielzahl von Story Maps (bislang zumeist auf Englisch). Dabei handelt es sich um interaktive Karten, die zusätzlich mit erläuternden Texten und Multimedia-Elementen angereichert sind. Die Themen bedienen ein breites Fächerspektrum und reichen von John F. Kennedy über Warming Cities in Europe bis The World`s 25 Busiest Airports; hier lassen sich zahlreiche Anregungen für die Erstellung eigener WebMaps finden. Zum Kennenlernen von ArcGIS gibt es die Seite Learn ArcGIS, die in spannenden Lektionen Verwendungsmöglichkeiten von Karten sowie allgemein Methoden zur Lösung räumlicher Probleme mit Hilfe von GIS aufzeigt. Ganz neu in deutscher Übersetzung verfügbar ist nun das interaktive ArcGIS-Buch „Geographie in der Praxis – 10 wesentliche Aspekte“, das außer der Einführung in ArcGIS hervorragende allgemeine Einführungskapitel in die Kartographie bereitstellt.
Esri: Living Atlas of the World
Esri: Story Maps
Esri: Learn ArcGIS
Esri: Das ArcGIS-Buch

In ArcGis Online für die Nutzung aufbereite Geodaten werden auf verschiedenen Ebenen geboten:

Für anspruchsvollere individuelle Anforderungen, z. B. im Rahmen spezieller Unterrichtsprojekte oder Seminare, sind an Schulen die folgenden Desktop-GIS-Anwendungen im Einsatz:

  • ArcGIS der Fa. Esri (kostenpflichtig). Die ArcLessons stellen einen Fundus an erfolgreichen Unterrichtsvorhaben sowie Anleitungen zur Arbeit mit GIS unter Creative Commons-Lizenz zur Verfügung.
  • Spatial Commander der Fa. GDV Geo-Software (kostenfrei)
  • Quantum-GIS (QGIS) (Open Source)

Anschauliches Unterrichtsmaterial (u. a. eine Vielzahl an frei nutzbaren Satellitenbildern samt Interpretationsbeispielen) stellt die European Space Agency (esa) in ihrer Teachers` Corner sowie als Online-Angebot für Schüler bereit.
Noch umfassender ist das Medienangebot der amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA), darunter auch Material für den Primarbereich, der Global Ice Viewer und ein vielfältiger Multimedia-Bereich im Earth Observatory mit dem bekannten Image of the Day zu aktuellen Geo-Themen.

Abb. 7: Elefantenfuß-Gletscher auf Grönland, OLI-Aufnahme an Bord von Landsat 8 ©NASA

Abb. 7: Elefantenfuß-Gletscher auf Grönland, OLI-Aufnahme an Bord von Landsat 8 ©NASA

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) dient der Überwachung der Umweltsituation der Erde und zeigt auf seinen Internetseiten Umweltprobleme von internationaler Bedeutung anhand spektakulärer Satellitenaufnahmen – hier z. B. die Entwicklung der chinesischen Provinz Shenzhen als Videoclip.

Unter dem Titel Geospatial Revolution gibt die Pennsylvania State-University einen eindrucksvollen Überblick zur Funktionsweise und den Potenzialen moderner Geotechnologien – von Crisis Mapping am Beispiel des Erdbebens von Haiti bis zur Erstellung von 3D-Stadtmodellen.
Die Film­clips regen zugleich zu einer Diskussion um den Schutz von Geodaten an, der den Missbrauch für die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen verhindern soll.

Abb. 8: Trailer zu “Geospatial Revolution″ ©Penn State Public Broadcasting

Abb. 8: Trailer zu “Geospatial Revolution″ ©Penn State Public Broadcasting

Mit der modernen Variante der Schnitzeljagd – via GPS-Empfänger – befasst sich der Beitrag Geocaching.

Links

Materialien

  • Eine Reihe von Unterrichtsmodulen mit Begleitmaterial zum eigenen Web-GIS-Programm findet sich im Geo-Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg:

    LMZ Baden-Württemberg:
    Digitale Geomedien
  • Ein großes Spektrum thematischer Karten für ganz Deutschland von Erdbebengefährdung über Windkraft- und Geothermienutzung bis zur Lärmbelastung durch Zugverkehr bietet ein Service von Bund, Ländern und Kommunen unter dem Titel Geoportal.de:

    Bundesamt für Kartographie und Geodäsie:
    Themenkarten
  • An der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen wurde eine Handreichung zum Einsatz von Geographischen Informationssystemen im Unterricht erarbeitet. Näheres dazu beinhaltet der folgende Beitrag:

    ALP (2012):
    GIS - Aus der Praxis für die Praxis
  • Literatur

    • Barnickel, F. und M. Vetter (2011): Digitale Medien im Geographieunterricht – Nie war Unterrichten schöner! In: Diercke 360°, H. 2, S. 4-5
    • Boeckler, Marc (2014): Neogeographie, Ortsmedien und der Ort der Geographie im digitalen Zeitalter. In: Geographische Rundschau, H. 6, S. 4-10
    • Brendel, N. und G. Schrüfer (2014): Vernetzung, Bewertung und Reflexion - Einsatzmöglichkeiten mobiler Endgeräte im Geographieunterricht. In: Lernchancen 101/2014, S. 40-43
    • Budke, A. und D. Kanwischer (2015): Aktuelle Forschungs- und Entwicklungsfelder der Geographiedidaktik. In: Geographische Rundschau, H. 4, S. 54-57
    • Fraedrich, W. (2012): Statistiken, Diagramme, thematische Karten – Produkte des E-Learnings. In: Geographie heute, H. 303, S. 28-32
    • Gryl, I. und T. Jekel (2012): Re-centering GI in secondary education - Towards a spazial citizenship approach. In : Cartographica 47, V. 47/1, S. 18-28
    • Haversath, J.-B. (Moderator) (2012): Geographiedidaktik – Theorie – Themen – Forschung. Kap. 3 (Themen und Räume mit Medien verstehen), S. 165-248
    • Höhnle, S., Mehren, R. und J.C. Schubert (2015): Strategies for the implementation of GIS in Geography lessons. Selected findings of a mixed-method research approach. In: Research in Geographic Education, Bd. 16, Nr. 1, S. 5 - 22
    • Kanwischer, Detlef (2014): Digitale Geomedien und Gesellschaft - Zum veränderten Status geographischen Wissens in der Bildung. In: Geographische Rundschau, H. 6, S. 12-17
    • Kerber, U. und B. Neuer (2014): Webunterricht - Web 2.0 im Geschichts- und Geographieunterricht. In: L. A. Multimedia, H. 4, S. 26-28
    • Michel, U. , Siegmund, A. und D. Volz (2011): Digitale Revolution im Klassenzimmer?! Potenziale Digitaler Geomedien für einen zeitgemäßen Unterricht. In: Praxis Geographie, H. 11, S. 4-9
    • Reuschenbach, M. und T. Lenz (2012): WWW, WebQuest, Whiteboard & Co. – Digitale Medien im Geographieunterricht. In: Geographie heute, H. 303, S. 2-9
    • Schwab, A. und S. Meiershofer (2012): Mit virtuellen Lernmodulen auf den Spuren der Eiszeit. In: Geographie heute, H. 303, S. 22-27

      Thielmann, Tristan (2014): Wegbereiter: Mobile Geomedien im Einsatz. In: Geographische Rundschau, H. 6, S. 26-32
    • Thier, T. und M. Stengelin (2012): Das interaktive Whiteboard. Klimawandel als Unterrichtsbeispiel. In: Geographie heute, H. 303, S. 34-39
    • Turner, A. (2006): Introduction to Neogeography. PDF-Veröffentlichung, Sebastopol, CA
    • Wiersdorff, Eva (2011): Geocaching in der Schule - Anregung und Anleitung zur Schnitzeljagd mit Satelliten-Technik, S. 8 ff.
    • Wiktorin, Dorothee (2016): Jenseits von Materialschlachten: Kritisch-reflexiver Medieneinsatz im kompetenzorientierten Geographieunterricht. In: LVR-Zentrum für Medien und Bildung - Medienzentrum für die Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.): Medienbrief 1/2016, S. 8-13
  • Stand
  • 1. Juni 2015