Mit und über Medien lernen – Wieso eigentlich?

Ein Gespenst geht um in der globalisierten Gesellschaft – das Gespenst der Digitalisierung. Alle Welt sieht das Gespenst, mit frohen Hoffnungen die einen, mit Ängsten und Befürchtungen die anderen. [1]

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Mit diesen Zeilen skizziert der Philosoph Richard David Precht die Situation im Jahr 2018 – und verweist mit dieser Anlehnung an Karl Marx und Friedrich Engels auf das tiefgreifende, revolutionäre Potential der Digitalisierung. Ob es sich wirklich um eine Revolution handelt, die wir gerade erleben oder noch erleben werden, lässt sich wohl erst aus der Rückschau beurteilen. Unbestritten ist jedoch, dass der rasante Wandel, welcher alle Teile der Bevölkerung schon jetzt umfasst, von den einen, die von den Fortschritten der digitalen Technik überzeugt sind, mit großem Optimismus begrüßt wird. Andere hingegen warnen vor möglichen negativen Folgen und verweisen dabei beispielsweise auf die Machtfülle von Internetkonzernen oder die Bedrohung von Arbeitsplätzen durch die Automatisierung. Wieder andere – wenn auch in abnehmender Anzahl – bezweifeln, dass mit der Digitalisierung wirklich ein derart gravierender Wandel verbunden sein wird oder sehnen die analoge Vergangenheit herbei.

In der bildungspolitischen Debatte besteht mittlerweile darüber Konsens, dass die Kinder und Jugendlichen von heute nur dann aktiv an der digitalen Gesellschaft von morgen teilhaben können, wenn sie sachkompetente und gleichzeitig kritische Nutzer digitaler Angebote werden. Denn neben Lesen, Schreiben und Rechnen ist der kompetente Umgang mit digitalen Medien bereits jetzt zur vierten Kulturtechnik geworden. Dabei ist die Digitalisierung des Unterrichts weder Selbstzweck noch Selbstläufer. Im Folgenden sollen daher einige Überlegungen angestellt werden, wieso Bildungseinrichtungen umfassend auf die digitale Transformation reagieren müssen. Nur wenn die Beteiligten am Bildungsprozess von dieser Notwendigkeit überzeugt sind, wird der reflektierte Einsatz digitaler Medien als Unterrichtswerkzeug und die intensive Berücksichtigung der Digitalisierung als Unterrichtsthema im Sinne des Kompetenzerwerbs der Schülerinnen und Schüler erfolgreich sein. Und nur dann können die Schulen den Digitalisierungsprozess aktiv mitgestalten.

Für die Begründung, wieso das Lernen mit und über Medien sinnvoll, ja zwingend notwendig ist, muss ein Blick auf die aktuelle Lebenswelt der Heranwachsend ebenso wie in deren Zukunft geworfen werden. Zudem sind die Chancen des Lernens unter den Bedingungen der Digitalisierung zu berücksichtigen. Schließlich wird auch auf die Möglichkeiten einer effektiveren (Zusammen-)Arbeit in der Schule einzugehen sein, wie sie sich im Unterricht, aber auch darüber hinaus, zum Beispiel im Kontakt mit den Eltern, ergeben.

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Literatur

  • [1]Precht, R. D.: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, München 2018, S. 15
  • [2]Vgl. Döbeli Honegger, B.: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt, Bern 2016.

Gegenwart – In einer mediatisierten Welt aufwachsen

Eine Vielzahl an Studien belegt, dass ein breites Medienrepertoire zur Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen selbstverständlich dazugehört. Exemplarisch sei hier auf die KIM-Studie 2016 sowie die JIM-Studie 2017 verwiesen. Mit dem großen Maß der Geräteverfügbarkeit ist in den letzten Jahren auch die Nutzungshäufigkeit gestiegen. 77 Prozent aller 6- bis 13-Jährigen in Deutschland fernsehen jeden oder fast jeden Tag, 42 Prozent nutzen das Handy bzw. Smartphone täglich oder beinahe täglich[3]. Noch ausgeprägter ist der Medienumgang bei den 12- bis 19-Jährigen: 89 Prozent sind täglich im Internet, 93 Prozent verwenden jeden Tag ein Smartphone, wobei 97 Prozent ein eigenes Gerät besitzen. Der Fernseher verliert hingegen in dieser Altersgruppe an Bedeutung, da nur noch 45 Prozent jeden Tag fernsehen[4].

Bereits vor Schuleintritt sind Kinder von verschiedenen Medien umgeben, was diese zu einer wichtigen Sozialisationsinstanz macht. Normen, Werte und Handlungsmuster werden folglich auch durch Medien geprägt. Für das Zusammenleben in der Familie und die Beziehungen der Menschen untereinander, auch über den familiären Kontext hinaus, sind Medien schon früh im Leben der Heranwachsenden von großer Bedeutung. Die Entwicklung der Persönlichkeit, die Kommunikationsgewohnheiten sowie der Erwerb von Kompetenzen sind durch die Omnipräsenz von Medien in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen beeinflusst. Der Sozialisationsinstanz Schule kommt dabei die Aufgabe zu, die Schülerinnen und Schüler neben dem Wissenserwerb auch bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zu unterstützen.[5] Die Heranwachsenden müssen sich im Zuge der Individuation mit ihrem unmittelbaren Umfeld im Besonderen sowie mit der Gesellschaft im Allgemeinen auseinandersetzen, soziokulturelle Werte, Normen und soziale Rolle reflektieren und gegebenenfalls übernehmen. Hierzu ist auch eine Reflexion der eigenen medialen Gewohnheiten und Erfahrungen erforderlich.

Darüber hinaus kommt der Schule der Bildungsauftrag zu, die Unterschiede der von den Schülerinnen und Schülern außerhalb der Schule erworbenen Medienkompetenz abzubauen und sie im Sinne der Qualifikationsfunktion zu befähigen, sich souverän in ihrer digitalisierten Lebenswelt zurechtzufinden. Dazu gehört, dass die Heranwachsenden (digitale) Medien verantwortungsvoll, sachgerecht und selbstbestimmt nutzen und der digitalen Welt reflektiert und mit kritischer Aufgeschlossenheit gegenübertreten.

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Links

Literatur

  • [3] Vgl. die Ergebnisse der KIM-Studie 2016
  • [4] Vgl. die Ergebnisse der JIM-Studie 2017
  • [5] Vgl. hierzu vertiefend Tillmann, K.-J.: Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung, Reinbek bei Hamburg 2010.

Zukunft – In ein digitales Morgen hineinwachsen

Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess. Medien haben somit über die gesamte Lebensspanne hinweg Einfluss auf den Entwicklungsprozess eines Menschen. Digitale Souveränität wird in Zukunft ein wesentlicher Parameter einer selbstbestimmten Lebensführung sein. Ebenso wird der berufliche Erfolg mit davon abhängen, wie kompetent die Beschäftigten mit digitaler Technik umgehen können. Auch wenn Aussagen über die zukünftige Entwicklung und Bedeutung der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt nur schwer möglich sind, zeichnet sich doch seit Längerem ab, dass tiefgreifende Veränderungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen zu erwarten sind. In einer Studie aus dem Jahr 2013 zeigten der Ökonom Carl B. Frey und der Professor für Machine Learning Michael A. Osborne von der University of Oxford auf, welche Berufe bzw. Beschäftigungsfelder in Zukunft von digitaler Technik übernommen werden können. Sie gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze von 47 Prozent aller Beschäftigten des US-amerikanischen Arbeitsmarktes über kurz oder lang stark von der Automatisierung bedroht sein werden. Insgesamt werden über 700 Tätigkeiten angeführt, die ganz oder zum Teil von Computern ersetzt werden können. Hierzu zählen insbesondere Büro- und Verwaltungstätigkeiten, Servicedienstleistungen und Tätigkeiten im Handel. Weniger betroffen sind Berufe im sozialen Bereich, wie zum Beispiel im Gesundheits- und Bildungswesen. Gleichwohl werden auch in diesen Berufsfelder digitale Medien eine zunehmend wichtige Rolle spielen, auf die es die Schülerinnen und Schüler von heute vorzubereiten gilt.

Aufgrund der kurzen Innovationszyklen für neue Techniken wird dem lebenslangen Lernen immer größere Bedeutung zukommen. Schule muss die Lernenden also als selbständig handelnde Individuen ins Zentrum aller pädagogisch-didaktischen Überlegungen stellen und auf einen selbständigen wie auch nachhaltigen Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten fokussieren, um Probleme auch in Zukunft lösen zu können. Hierzu gehört auch, die eigenen Gewohnheiten, Lernwege und Problemlösestrategien zu reflektieren, zu bewerten und eventuell anzupassen. So gewinnen die fächer- und schulartübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele an Bedeutung, zu denen auch die Medienbildung zählt. Ziel ist die Entwicklung einer alltagskompetenten, ganzheitlich gebildeten und für die Herausforderungen der Zukunft gerüsteten Persönlichkeit.

Wahrscheinlichkeit der Ersetzung von Arbeitsbereichen durch digitale Technik [6] Bild vergrößern

Literatur

Wichtig für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler wird es außerdem sein, gesellschaftliche Teilhabe und Beteiligungsmöglichkeiten unter den Bedingungen der Digitalisierung zu bewahren oder zu schaffen. Ohne fundierte Medienkompetenz wird es beispielsweise schwerlich möglich sein, selbstbestimmt mit kommerziell-sozialen Plattformen und Massenmedien umzugehen; zu nennen sind hier etwa soziale Netzwerke, Videoportale, Nachrichtendienste, Nutzerkommentare zu Nachrichten sowie Diskussionsforen. Diese gesellschaftlichen Räume bieten neue Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten, setzen aber gleichzeitig voraus, dass die Kinder und Jugendlichen erlernen, sich wertebasiert, verantwortungsvoll und selbstbestimmt darin zu bewegen. Ebenso ist es für eine mündige Bürgerin bzw. einen mündigen Bürger unabdingbar, qualitativ hochwertige und relevante Informationen von fake news unterscheiden zu können. Hierzu muss in der Schule ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit Medieninhalten grundgelegt werden. Darüber hinaus sind Themen wie algorithmisch-personalisierte Nachrichtenkanäle relevant, welche die Gefahr in sich tragen, Filterblasen zu erzeugen oder zu verstärken und in der Folge die Anfälligkeit für einseitige Informiertheit, Desinformation und verzerrte Einschätzung des eigenen Meinungslagers zu vergrößern.[7]

Darüber hinaus ist auch die Kulturproduktion nicht von der Digitalisierung ausgenommen. Literatur, Musik, Bilder und Filme verändern sich in Zeiten der Digitalität. Am intensivsten ist dieser Wandel bisher wohl mit Blick auf die Buchbranche diskutiert worden. Und auch in den Schulen werden Vorzüge und Nachteile von E-Books im Vergleich zum klassischen (Schul-)Buch erörtert. Der Journalist und Autor Dirk von Gehlen fordert, dass Kultur mittlerweile als Software zu denken sei, deren Entstehungsprozess im Vergleich zum Kulturprodukt bzw. dem Kunstwerk als Ergebnis künstlerischen Schaffens an Bedeutung gewinnen werde. So werde etwa das Buch nicht aussterben, der Dialog zwischen Autor und Publikum sich jedoch intensivieren, andere Verbreitungswege etabliert und die Frage nach dem geistigen Eigentum neu verhandelt werden.[8] Eine Partizipation am Kulturleben als eine wichtige Basis des sozialen Miteinanders wird vor allem auch in der Schule angebahnt und steht immer stärker unter dem Einfluss digitaler Medien.
Zusammenfassend lassen sich aus diesen Aspekten folgende Schlüsse ziehen:

  • Medienkompetenz ist als Entwicklungsaufgabe zu verstehen.
  • Im Zentrum stehen der Erwerb von überdauernden Kompetenzen und das Ziel der sukzessiven, auf lebenslanges Lernen ausgerichteten Erweiterung des eigenen (Medien-)Horizonts zur Lösung lebensweltlicher Problemstellungen sowie zur aktiven gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe.
  • Notwendig ist dafür ein Spiralcurriculum, das sich über alle Etappen der Bildungsbiographie einer Schülerin bzw. eines Schülers erstreckt.
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Literatur

  • [7] Vgl. zum Einfluss sozialer Netzwerke auf die Meinungsbildung- und -vermittlung u.a. Stark, B. / Magin, M. / Jürgens, P.: Ganz meine Meinung?: Informationsintermediäre und Meinungsbildung – Eine Mehrmethodenstudie am Beispiel von Facebook. LfM-Dokumentation (Bd. 55), Düsseldorf 2017, sowie Schweiger, W.: Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern, Wiesbaden 2017.
  • [8] Vgl. Gehlen, D. v.: Eine neue Version ist verfügbar. Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert, Berlin 2013, S. 10ff.

Lernen – Unterricht mit Medien erfolgreich gestalten

Verschiedene Forschungsergebnisse belegen mittlerweile, dass eine Digitalisierung des Unterrichts allein wenig bewirkt. Eine Verstärkung von Lerneffekten entsteht erst durch eine sinnvolle Kombination von Inhalt, Methode und Medium.
Die von John Hattie vorgelegte Metastudie Visible Learning zeigt, dass beispielsweise computer assisted instruction eine mittlere Effektstärke aufweist (d≈0.37). Eine deutliche Steigerung der Lerneffekte kann erreicht werden, wenn den Schülerinnen und Schülern vielfältige Lern- und Selbstkontrollmöglichkeiten eröffnet, kollaborative Arbeitsformen gewählt und differenzierte Rückmeldungen bezüglich des Lernstandes und Lernprozesses gegeben werden.[9]

Dies unterstreicht, dass das Potential der Digitalisierung im Unterricht nicht in einer reinen Ersetzung analoger Methoden und Arbeitsmittel zu sehen ist; vielmehr können dann Lerneffekte gesteigert werden, wenn Unterricht umgestaltet und neuartige Aufgaben erzeugt werden. Auf diesen zentralen Aspekt fokussiert das von Ruben R. Puentedura im Jahr 2006 entwickelte SAMR-Modell. Die Bezeichnung bezieht sich auf die von Puentedura aufgezeigten vier Ebenen bzw. Stufen, die beim Einsatz digitaler Technologien im Unterricht unterschieden werden können. Diese Stufen werden als Substitution (Ersetzung), Augmentation (Erweiterung), Modification (Änderung) und Redefinition (Neubelegung) beschrieben.[10] Auf der vierten Ebene sind neue didaktische Szenarien möglich, die ohne den Einsatz digitaler Medien nicht oder nur unter sehr großem Aufwand denkbar wären. Schreiben beispielsweise Schülerinnen und Schüler einen Übungsaufsatz auf einem Laptop anstatt mit Stift und Papier, bildet die digitale Technologie lediglich einen Ersatz für das frühere Werkzeug. Arbeiten hingegen mehrere Lernende gleichzeitig in einem Textdokument an einer Erzählung, eventuell sogar an verschiedenen Orten mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Klassen, kommentieren und überarbeiten das Geschriebene wechselseitig und sind auf diese Weise Teil eines kreativen Schreibprozesses, liegt ein höherer Grad an kognitiver und kommunikativer Vernetzung und somit eine positive Auswirkung auf Lerneffekt vor. Auf der Ebene der Ersetzung besitzt die digitale Technik hingegen nahezu keinen Mehrwert.[11]

Entscheidend ist also, das Augenmerk nicht auf die Technik, sondern auf die Optimierung und Erweiterung von Lernprozessen zu legen. Ausschlaggebend dafür bleibt die Lehrperson, die aus Inhalten, Methoden und Medien ein gewinnbringendes Lernarrangement zusammenstellt. Die nebenstehende Grafik zeigt hierzu Chancen und Möglichkeiten auf, welche durch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht eröffnet oder erleichtert werden, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

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Literatur:

  • [9] Vgl. Hattie, J.: Visible Learning. A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relation to Achievement, London 2009.
  • [10] Vgl. zum SAMR-Modell und zur deutschen Übersetzung der Begrifflichkeit die Ausführungen und Darstellung unter http://homepages.uni-paderborn.de/wilke/blog/2016/01/06/SAMR-Puentedura-deutsch/
  • [11] Vgl. hierzu auch Zierer, K.: Lernen 4.0 – Pädagogik vor Technik. Möglichkeiten und Grenzen einer Digitalisierung im Bildungsbereich, Baltmannsweiler 2017.

Arbeiten – In der Schule effektiv (zusammen-)arbeiten

Bereits heute werden viele Arbeits-, Organisations- und Verwaltungsvorgänge von digitalen Werkzeugen unterstützt oder übernommen. Auch in der Schule können diese Möglichkeiten genutzt werden – oder gehören teilweise schon zum Schulalltag.

Der Schulpädagoge Klaus Zierer sieht, wie oben bereits angedeutet, das Potential der Digitalisierung in Schule und Unterricht insbesondere in der Vernetzung von Personen. Im Unterricht wird der Austausch von Unterrichtsmaterialien zum Beispiel über Lernplattformen deutlich erleichtert und ökonomisch gestaltet. Auch ist die Überarbeitung von Lernschritten und -produkten mithilfe digitaler Technik deutlich einfacher und kann auch leichter in kollektiven Arbeitsformen erfolgen. Nicht vergessen werden darf darüber hinaus, dass bei einer entsprechenden Geräteausstattung bestimmte Lern- und Arbeitsschritte, für die früher spezielle Einzelgeräte nötig waren, nun häufig unproblematisch und zeitsparend durchgeführt werden können, da beispielsweise ein Smartphone eine Kamera, ein Diktiergerät, ein Bildbearbeitungsprogramm, eine Stoppuhr, einen Taschenrechner, ein Lexikon und viele weitere Funktionen in sich vereint. Diese können – auch spontan – während des Unterrichts als Hilfsmittel herangezogen werden.

Ferner ist außerhalb des Unterrichts die Vernetzung und Verständigung leichter. Schülerinnen und Schüler können auch außerhalb des Klassenraums weiter in Gruppen arbeiten und sich über die Distanz austauschen, die Kommunikation der Lehrkraft mit den Lernenden sowie deren Eltern wird erleichtert und der Austausch zwischen den Kollegen vereinfacht. So kann es besser gelingen, eine Kultur des Teilens im Lehrerzimmer zu etablieren und zu pflegen. Ferner wird die Durchführung administrativer Aufgaben unterstützt (z. B. mithilfe von Programmen für das Notenmanagement, die Terminplanung oder Absenzenverwaltung).

Fazit: Die Grundsätze des Lernens bleiben bestehen, die Rahmenbedingungen haben sich aber verändert

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule richtet sich auf eine ganzheitliche Unterstützung jedes Einzelnen in seinem Bildungsprozess. Auch unter den Bedingungen der Digitalität steht daher nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt. Die Grundsätze des Lernens bleiben auch bei Heranwachsenden, die seit ihrer Geburt mit digitalen Medien umgeben sind, erhalten. Lernen ist heute immer noch ein aktiver Prozess, der klar strukturiert und inhaltlich transparent, in einem lernförderlichen Klima situiert, mit verschiedenen Sozialformen und Methoden gestaltet und für die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Lernenden bedeutsam sein muss. Übung, Anstrengung und Motivation sind auch heute zentral für den Lernerfolg. Den digitalen Medien kommt dabei eine unterstützende Funktion zu. Aber nur wenn sie als Werkzeug ebenso wie als Unterrichtsinhalt in der Schule Berücksichtigung finden, ist der Optimismus Richard David Prechts berechtigt: „Denn die Zukunft kommt nicht […] – die Zukunft wird von uns gemacht!“ [12]