Vorlese-Funktion

Flipped Classroom

Beim „Flipped Classroom“ wird die Stoffdurchnahme in der Schule mit der Übungsphase im Rahmen einer Hausaufgabe vertauscht. Stattdessen findet die Vermittlung des Lerninhalts zu Hause statt und die Übungsphase im Unterricht. Das schafft Raum für die individuelle Betreuung von Schülerinnen und Schülern.

Wie funktioniert das „Flipped Classroom“?
Das Grundprinzip

Welche Vorteile bietet „Flipped Classroom“?
Chancen des Konzepts

Was ist bei der Umsetzung zu beachten?
Grenzen des Konzepts · Unterrichtsbeispiele

Wie lässt sich mebis dafür einsetzen?
mebis im „Flipped Classroom“

Tablet mit Schriftzug Flipped Classroom

"Hybrides Lernen"

"Flipped Classroom" bzw. "Inverted Classroom“ gehört wie "blended learning" zu den hybriden Lern­arrange­ments. Damit sind Konzepte gemeint, die Lernen in einer Verbindung aus Online- und Präsenz­elementen beinhalten.

Grundprinzip

Das sprachliche Bild des „umgedrehten Klassenzimmers“ deutet an, dass hierbei das übliche didaktische Vorgehen sinnbildlich auf den Kopf gestellt wird: Beim „Flipped Classroom“ Konzept wird die Phase der Neudurchnahme eines Unterrichtsstoffs in die häusliche Vorbereitung verlagert. Die sich anschließende Übungsphase findet hingegen im Unterricht und nicht als Hausaufgabe statt.

Üblicherweise wird die Neudurchnahme in Form eines Videos dargeboten, welches der Lerngruppe in geeigneter Form zuhause zur Verfügung gestellt wird. Dabei kann sowohl auf vorhandene Filme zurückgegriffen werden als auch von der Lehrkraft selbst produzierte Videos. Ergänzend zum Video können erste, niedrigschwellige Aufgaben gestellt werden, die das grundlegende Verständnis sichern. Dies kann etwa in Form von Multiple-Choice-Aufgaben mit automatisiertem Feedback erfolgen.

Darstellung der Phasen des Phasen des "Flipped Classroom"
 
Darstellung der Phasen im üblichen UnterrichtsverlaufPhasen im üblichen Unterrichtsverlauf

Chancen des Konzepts

Mit dem Konzept des „Flipped Classroom“ eröffnen sich sowohl in der Phase der Neudurchnahme als auch in der Übungsphase Möglichkeiten der Individualisierung.

Neudurchnahme

In der ersten Phase legen die Lernenden selbst fest, zu welchem Zeitpunkt sie sich mit dem neuen Unterrichtsinhalt auseinandersetzen. Sie entscheiden zudem, wie häufig sie das von der Lehrkraft zur Verfügung gestellte Video ansehen möchten und ob sie während der Wiedergabe Pausen einlegen, um über das Gesehene kurz Revue passieren zu lassen. Ergänzend kann die Lehrkraft Leistungsstärkeren Vertiefungsmaterial zur Verfügung stellen und Leistungsschwächeren Unterstützungsmaterial, wie etwa Erläuterungen zu Fachtermini.

Übungsphase

In der zweiten Phase nimmt die Lehrkraft die Rolle einer Lerntutorin bzw. eines Lerntutors ein. Während die Schülerinnen und Schüler an Aufgaben zum vorbereiteten Unterrichtsinhalt arbeiten, unterstützt die Lehrkraft Einzelne nach Bedarf. Am Beginn der Übungsphase kann im Sinne der Differenzierung ein kurzer Einstufungstest stehen. Alternativ könnten die Lernenden die für sie geeigneten Aufgaben auch nach Selbsteinschätzung auswählen.

Neudurchnahme

Schüler lernt zuhause am Laptop © istock.com / damircudic
 

Übungsphase

Lehrer unterstützt Lernende im Unterricht© istock.com / halfpoint

Grenzen des Konzepts

Verständnisprobleme lösen

Da die Neudurchnahme beim „Flipped Classroom“ nicht während der Präsenzphase stattfindet, besteht nicht die Möglichkeit für Nachfragen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, entweder die Komplexität des Lerninhalts zu begrenzen oder angemessene Zusatzmaterialien zur Verfügung zu stellen.

Dauer der Videos

Der zeitliche Umfang der Videos sollte ein vernünftiges Maß nicht übersteigen. Es gilt zu berücksichtigen, dass die Lernenden den Film unter Umständen mehrmals ansehen müssen. Die Gesamtzeit der häuslichen Vorbereitung kann mitunter deutlich über das einmalige Ansehen des Videos hinausgehen. Eine Länge von fünf bis maximal 15 Minuten sollte daher nicht überschritten werden. Das Alter der Lerngruppe kann dabei berücksichtigt werden.

Vorbereitungsaufwand

Ein nicht von der Hand zu weisender Kritikpunkt am Konzept des „Flipped Classroom“ ist der deutliche Mehraufwand für die einzelne Lehrkraft. Allerdings wiegt dieser Umstand weniger schwer, wenn das Material immer wieder eingesetzt werden kann oder wenn es arbeitsteilig mit anderen Lehrkräften entwickelt wird. Eine deutliche Zeitersparnis bietet die Möglichkeit, auf vorhandenes Material zurückzugreifen. Nicht nur im Bereich der Naturwissenschaften gibt es eine Vielzahl an geeigneten Videos für die Phase der Neudurchnahme.

Unterrichtsbeispiele

Mathematik: Die Schülerinnen und Schüler sehen sich zu Hause ein Video zum Zeichnen von Geradengleichungen an. Ergänzend dazu stellt die Lehrkraft eine einfache Aufgabe, die im Heft zu lösen ist.
Im Unterricht verwendet die Lerngruppe die mebis Tafel zunächst, um eigene Geraden zu zeichnen. Anschließend werden vorhandene Geraden verschiedenen Gleichungen zugeordnet.
 
Geschichte: Die Lernenden sehen sich zu Hause ein Video zur Machtübernahme durch die National­sozialisten an. Ergänzend dazu werden wichtige Grund­wissens­begriffe und Daten in einer H5P-Aktivität in der Lernplattform abgefragt.
Im Unterricht analysieren die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig Quellen etwa zum Inhalt des Ermächtigungs­gesetzes oder von Reden im Reichstag. Ihre Ergebnisse halten sie in Form von kurzen Texten fest, die abfotografiert und in ein Forum gestellt werden. In der Hausaufgabe geben die Mitschülerinnen und Mitschüler im Forum kriterien­geleitet Feedback.

mebis im Flipped Classroom

Die Teilangebote von mebis sind sowohl in der Phase der Neudurchnahme als auch in der Übungsphase einsetzbar.

mebis Mediathek

Die Mediathek bietet eine Vielzahl an Videos, die im Sinne des „Flipped Classrom“ Verwendung finden können. Beispielhaft genannt seien an dieser Stelle die Filme der Reihe „musstewissen“. Alle Inhalte der Mediathek können einfach in die mebis Lernplattform oder die mebis Tafel eingebunden werden. Sie sind datenschutzrechtlich und urheberrechtlich unbedenklich nutzbar.

mebis Tafel

Die Neudurchnahme könnte etwa über ein Tafelbild stattfinden: In der mebis Tafel können auch Lehrkräfte ohne Vorkenntnisse ein Tafelbild erstellen, dass beispielsweise ein Video mit Links zu ergänzenden Materialien und eine Aufgabenstellung enthält. Das Tafelbild kann anschließend mit wenigen Klicks sofort mit der gesamten Klasse geteilt werden.
Für die Übungsphase könnten in der mebis Tafel digitale Arbeitsblätter (PDF) zur Verfügung gestellt werden, die von den Lernenden per Tastatur oder Stifteingabe bearbeitet werden. Zudem können interaktive Inhalte eingebunden oder die in die mebis Tafel integrierten Werkzeuge wie der Grafikrechner zur Anwendung kommen.

mebis Lernplattform

Lehrkräfte, die bereits etwas Vorerfahrung mitbringen, nutzen die Lernplattform, um ein Video aus der mebis Mediathek einzubinden und ergänzendes Material zur Verfügung zu stellen.
In der Übungsphase bestehen eine Vielzahl an Möglichkeiten zum Einsatz der Tafel. So könnten die Schülerinnen und Schüler etwa in Gruppen ihre Lösungen hochladen und dann gemeinsam diskutieren. Dazu eignet sich beispielsweise die Aktivität „Forum“. Mehr Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten der Aktivitäten der mebis Lernplattform erhalten Sie im mebis Support.

  • Veröffentlichung
  • 6. März 2020
  • Letzte Änderung
  • 11. März 2020
  • Empfohlene Zitierweise
  • mebis-Redaktion (2020), Flipped Classroom, in: mebis – Landesmedienzentrum Bayern, URL: <https://www.mebis.bayern.de/p/44595> (11. März 2020).
  • Lizenzangaben
  • Beitragsbild: © istock.com / AndreyPopov