Vorlese-Funktion

Distanzunterricht | Videokonferenz-Systeme

Die gewohnte „Face-to-Face“ Situation im Klassenraum ist in Zeiten der Schulschließungen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Videokonferenz als pädagogisch-didaktisches Medium bieten die Möglichkeit, virtuell mit der Lerngruppe in Kontakt zu bleiben.

In diesem Beitrag werden die Möglichkeiten des Einsatzes von Videokonferenzen  im unterrichtlichen Kontext vorgestellt, aber auch ihre Grenzen aufgezeigt. Weiterhin erhalten Lehrkräfte praxisnahe Hinweise dazu, wie man Videokonferenzenorganisiert und welche Rahmenbedingungen für die Durchführung erforderlich sind.

  Einsatzmöglichkeiten von Videokonferenzen

  Planung und Entscheidung im Vorfeld

  Rechtliche Rahmenbedingungen

  Organisatorische Aspekte

  Technische Aspekte

  Verhaltensregeln

 

Informationen des StMUK

 

Link

Die Ergebnisse des Projekts „Digitale Schule 2020“ zum Einsatz von Videokonferenzen im Unterricht finden Sie auf der Projektwebsseite:

  Einsatzmöglichkeiten von Videokonferenzen

Der Einsatz von Videokonferenz-Systemen bietet Lehrerinnen und Lehrern für den Distanzunterricht vielfältige Möglichkeiten:

  • persönliche 1:1 Gespräche zwischen Lernenden und Lehrkräften
  • individuelles Feedback zu bearbeiteten Aufgaben
  • gemeinsames Erstellen von Lernprodukten unter zusätzlichem Einsatz digitaler kollaborativer Tools
  • Besprechung von erledigten Arbeitsaufträgen im Klassenverband
  • Ansätze des Flipped-Classrooms im virtuellen Unterricht

Große Bedeutung kommt auch dem sozialen Miteinander im Klassenverband zu. Die pandemiebedingten Schulschließungen können auch für die Schülerinnen und Schüler eine Stresssituation darstellen, die bewältigt werden muss. In dieser Situation tut es nicht zuletzt gut, wieder einmal in der eigenen Klassengruppe, wenn auch nur auf dem Bildschirm, zusammen zu sein, sich austauschen und voneinander sowie von der Lehrkraft Bestärkung zu erfahren. Hier bietet eine Videokonferenz die Möglichkeit

  • in Kleingruppen zu diskutieren,
  • sich im Klassenverband zu treffen und
  • den kollegialen Austausch zu unterstützen.

Der Einsatz von Videokonferenzen eignet sich nicht zur vollständigen virtuellen Abbildung einer regulären Unterrichts­situation von 45 Minuten, ohne dabei die Unterrichts­methoden anzupassen.

© istock.com / Aleutie

© istock.com / Aleutie

Allgemeine didaktische Hinweise zur Gestaltung von virtuellen Lernsetting, bei denen auch Videokonferenzen eingebunden werden, finden Sie im Basisbeitrag dieses Themenschwerpunktes.

Fortbildung

Videokonferenzen bieten für Lehrkräfte die Möglichkeit sich zu Hause fortzubilden. Hinweise zu einem breiten Angebot finden sie hier:

Link

Planung und Entscheidungen im Vorfeld

Vor der Durchführung einer Videokonferenz sollten Sie deren didaktischen und pädagogischen Sinn definieren und die Durchführung antizipieren.

Dabei können folgende Fragestellungen helfen:

  • Welches pädagogisch-didaktische Ziel verfolge ich?
  • Ist die Konferenz so geplant, dass die Aufgabenstellung sowie das Ziel innerhalb einer realistischen Zeitspanne erreicht werden kann?
  • Ist eine Videokonferenz für das Erreichen eines Ziels unbedingt notwendig oder gibt es Alternativen?
  • Könnte ein kurzes Erklärvideo zum gleichen Ergebnis führen? Hier bietet sich den Lernenden zudem die Möglichkeit, vor- und zurückspulen, wenn sie etwas nicht verstanden haben.
  • Habe ich einen „Plan B“, wenn die Videokonferenz – aus welchen Gründen auch immer – nicht zustande kommen kann?

Als Lehrkraft ist es ihre Aufgabe, die Videokonferenz mit der Klasse zu moderieren. Je nach VK-System stehen ihnen hierfür auch technische Möglichkeiten unterstützend zur Verfügung.
Wichtig ist jedoch, klar zu stellen, dass jedem Lernenden die Aktivierung der Übertragung des eigenen Bildes freisteht.

Moderieren von Videokonferenzen

In der Regel ist die Bildübertragung der Schülerinnen und Schüler nicht nötig. Zum Einen kann so das Ablenkungs­potenzial verringert werden und die Konzentration die Lerninhalte erhöht werden. Zum Anderen
reduziert sich dadurch der Datendurchsatz, was sich wiederum positiv auf die Stabilität der Übertragung auswirkt.

Das Anzeigen aller Teilnehmenden per Kamera­zuschaltung bietet eine Möglichkeit zur Gruppenstärkung und Kontaktpflege. Es empfiehlt sich, dieses lediglich zu Beginn und gegebenenfalls
am Ende einzuplanen. Nachdem alle einander winkend begrüßt haben, sollten die Lernenden ihre Kameras wieder deaktivieren. Bei längeren Redebeiträgen kann mit Schülern vereinbart werden, dass deren Videobild
kurzzeitig aktiviert wird.

Eine probate Methode zum Moderieren der Klassengruppe in einer Videokonferenz stellen nonverbale Rückmeldesignale dar. Die meisten Softwaresysteme erlauben es den Teilnehmenden, per Mausklick eine
Wortmeldung zu beantragen oder Zustimmung beziehungsweise Ablehnung zu signalisieren.

Es empfiehlt sich, mit den Schülerinnen und Schüler nonverbale Signale einzuüben, da sie dem Sitzungsleitenden in der Videkonferenz jeweils einen Überblick liefern, beispielsweise dazu, ob die Tonübertragung
funktioniert oder ob die Erläuterungen verstanden worden sind.

Mit manchen Systemen lassen sich zusätzlich Breakout-Rooms, also Gruppenräume zur Absprache in kleinen Gruppen, während einer Gesamtkonferenz erstellen und verwalten.

© istock.com/vasabii

© istock.com/vasabii

Tipp

Diese Fragen tragen wesentlich zum Gelingen der Videokonferenz bei:

  • Habe ich rechtzeitig einen Termin für die VK festgelegt, kommuniziert (per E-Mail, Telefon, mebis-Forum,etc.) und dabei alle gewünschten Teilnehmer*innen erreicht?
  • Habe ich vor der ersten VK – wenn möglich schon mit einem Tag Vorlauf – einen Techniktest mit den Lernenden vereinbart, um technische Probleme bereits im Vorfeld auszuräumen und einen störungsfreien Ablauf der ersten inhaltlich relevanten Konferenz/Unterrichtsstunde zu fördern?

Rechtliche Rahmenbedingungen

Beachten Sie bei der Auswahl Ihres Videokonferenzdienstes und bei dessen Einsatz die einschlägigen datenschutzrechtlichen Vorgaben. Hinweise darauf finden Sie in den Datenschutz­reglements sowie in den AGB der jeweiligen Dienstanbieter, seien es gewerbliche oder Open-Source-Angebote. Die Nutzungsbedingungen, insbesondere die der kommerziellen Dienste, sind oft nicht auf einen Einsatz in Schulen ausgelegt, sondern für Wirtschaftunternehmen, in denen die Teilnehmenden volljährig sind.

Beim Videochat über Videokonferenzsysteme werden im Regelfall die Gesichter und Stimmen der beteiligten Personen übertragen. Außerdem kann das Bild die häusliche Umgebung der Teilnehmenden zeigen. Dies ermöglicht unter Umständen Einblicke in die privaten Wohnräume der Teilnehmenden. Bei Videokonferenzen im schulischen Kontext sollte daher überlegt werden, ob nicht auch ganz auf die Bildübertragung der Schülerinnen und Schüler verzichtet werden kann. Bei den meisten Einsatzszenarien ist es ausreichend, wenn die Lehrkraft gesehen werden kann und sich die Lernenden nur über den Audiokanal zu Wort melden.

Gerade im Moment stellen viele Anbieter ihre Videokonferenz­systeme kostenfrei oder vergünstigt zur Verfügung. Wichtig ist hier zu beachten, dass die Dienste DSGVO-konform sind, ein Auftragsdatenverarbeitungsvertrag (AVV) vorliegt und nicht zu lange Vertragslaufzeiten eingegangen werden.

Seit 13. Mai 2020 steht den weiterführenden Schulen in Bayern für Videokonferenzen auch Microsoft Teams zur Verfügung. Nähere Informationen zu diesem Angebot finden Sie auf der Homepage des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus (StMUK).

© istock.com / Anastasiia_New

© istock.com / Anastasiia_New

 Hinweis des StMUK

 

 Weiterführende Infos

 

Ansprechpartner

Organisatorische Aspekte

Neben den im vorigen Abschnitt genannten Vorüberlegungen sollten Sie bei der Durchführung und Organisation von Videokonferenzen für den schulischen Einsatz folgende Rahmenbedingungen beachten.

Da sich derzeit viele Eltern ebenfalls im Homeoffice befinden, kann es durchaus sein, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler Zugriff auf geeignete Geräte haben oder die Bandbreite für paralleles Arbeiten innerhalb der Familie nicht ausreicht. Ein zur Verfügung stehendes Gerät zur Zeit der VK könnte bereits von einem anderen Familienmitglied besetzt sein. Sie lösen dieses Problem ggf. durch eine sorgfältige Terminkoordination und Ankündigung der VK-Rhythmisierung schulweit auf den etablierten Kommunikationskanälen (E-Mail-Verteiler der Klassenleitung,  Elternportal, mebis-Forum, etc.).  Die Einladung zur Videokonferenz sollte selbstverständlich nicht in sozialen Medien und unsicheren Messengern verkündet werden, nicht zuletzt, um unberechtigten Zutritt und damit Störungen durch unbefugte Dritte zu verhindern.

Weiterhin ist zu bedenken, dass nicht alle immer über einen ruhigen und abgeschlossenen Raum verfügen, um störungsfrei an der Videokonferenz teilzunehmen. Insgesamt kann daher unter Umständen nicht sichergestellt werden, dass alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse zur gegebenen Zeit der Live-Videokonferenz auch sinnvoll und konzentriert folgen können.

© istock.com/turbodesign777

© istock.com/turbodesign777

 Hinweise

1. Beachten Sie, dass es sich vorerst bei Videokonferenz-Systemen nur um freiwillige und ergänzende Angebote handelt.

2. Beachten Sie weiterhin, dass Sie die Dauer der Videokonferenzen nicht zu lang ansetzen sollten. Videokonferenzen sind – zumal für Ungeübte – physisch recht anstrengend und auch Erwachsene können den Konferenzen nicht unbegrenzt folgen. Es sollte hier darauf geachtet werden, die Lernenden nicht zu überfordern, da sie ja auch Arbeitsaufträge und Einheiten im Selbststudium bewältigen müssen.

Technische Aspekte

Die Lehrkraft muss über die entsprechende Hardware verfügen (Rechner, Mikrofon, Webcam, entsprechende Internetverbindung). Tablets und Notebooks haben hier gegebenenfalls den Vorteil gegenüber Desktop-Computern, dass entsprechende Mikrofon- und Kamerasysteme bereits ‚on board‘ vorhanden sind. In aller Regel kann man auch mit Smartphones an VK teilnehmen, muss aber in Kauf nehmen, dass die optische Performance, beispielsweise bei Notizen in der Whiteboard- oder Tafelsoftware bzw. bei Bildschirmfreigaben optisch teilweise deutlich eingeschränkt ist.

Die Software (z.B. Browser oder die App des jeweiligen Softwareanbieters) muss installiert sein und sich auf aktuellem Stand befinden (ggf. Update durchführen). Erkundigen Sie sich bei einem Ansprechpartner oder einer Ansprechpartnerin, welcher Browser, welches Programm für Ihr VK-System notwendig ist, da beispielsweise manche Browser bestimmte Aktivitäten in der VK nicht stabil unterstützen.

Entsprechende datenschutzrechtliche Einverständnis­erklärungen der Erziehungs­berechtigten/ Teilnehmenden müssen vorliegen.

Technische Vorbereitungen
  • Funktioniert die Kameraübertragung? Das Licht sollte für eine gute Ausleuchtung des Gesichts nicht von hinten kommen, aber auch nicht von vorne blenden.
  • Ist der Hintergrund meiner Videoübertragung ruhig, bzw. passend? Hier empfiehlt sich ein möglichst einfarbiger Hintergrund, ein Bild oder die weithin bekannte Bücherwand.
  • Funktioniert die Audioübertragung? Viele Systeme sind inzwischen in der Lage das Mikrofoneingabesignal akustisch vom Ausgabesignal über die Lautsprecher des verwendeten Rechners zu entkoppeln. Um jedoch Störungen zu vermeiden, empfiehlt sich die Nutzung eines Headsets (Kombination aus Mikrofon und Kopfhörer) oder zumindest eines Kopfhörers in Verbindung mit dem Mikrofon des Rechners.
  • Liegen die geplanten Medien für die VK (Präsentation, Modelle, Landkarten, etc.) bereit? Alle Inhalte, die Sie mit den Teilnehmenden der Konferenz teilen möchten, sollten bereist vor der Konferenz geöffnet werden. So vermeiden Sie unnötige Wartezeiten.
  • Ist für die Teilnehmer nur zu sehen, was sie auch sehen sollen? Wenn man plant, Teile des Bildschirms mit den Schülerinnen und Schüler zu teilen, sollte man Fenster/ Programme, die nicht für die Augen der Schülerinnen und Schüler bestimmt sind, schließen (z.B. Korrekturen, Infoportal, Notenmanager, Banking-App, etc.). Ebenfalls empfiehlt es sich Benachrichtigung, wie beispeilsweise für neue E-Mails zu deaktivieren.
  • Bin ich an dem Ort, an dem ich mich befinde, für die Dauer der VK ungestört? Vermeiden Sie Störgeräusche im Hintergund wie beispielsweise ein laufendes Radiogerät und informieren Sie die Personen in ihrem Haushalt, dass Sie sich in einer Videokonferenz befinden.
© istock.com/danijelala

© istock.com/danijelala

Hinweis

Vorlagen für Einwilligungserklärungen für Lehrkräfte sowie für Schülerinnen und Schülern finden Sie auf der Webseite des StMUK

Tipp

Die Konferenz muss mit den Schülerinnen und Schüler rechtzeitig vereinbart, der Zugang und die Nutzung des VK-Systems klar kommuniziert worden sein.

Regeln für die Kommunikation

Download

10 Regeln für den Unterricht als Online-Konferenz hat das Medienkompetenzteam der Gymnasien in Oberfranken übersichtlich zusammengestellt.

  • Veröffentlichung
  • 15. Mai 2020
  • Letzte Änderung
  • 7. September 2020
  • Empfohlene Zitierweise
  • mebis-Redaktion (2020), Videokonferenzen, in: mebis – Landesmedienzentrum Bayern, URL: <https://www.mebis.bayern.de/p/46740> (7. September 2020).
  • Lizenzangaben
  • Beitragsbild: © istock.com / MuchMania (bearbeitet)